Geheimniskrämerei um gefährliche Fussgängerstreifen

Oberaargau

39 unsichere Fussgängerstreifen haben besorgte Oberaargauer über eine Smartphone-App der Stiftung Road Cross gemeldet. Um welche es sich handelt, sagen die zuständigen Stellen nicht.

Altbekannter Problemfall: Der Zebrastreifen beim Restaurant Stadthof in Langenthal. Über Verbesserungsmassnahmen aber wird geschwiegen.

Altbekannter Problemfall: Der Zebrastreifen beim Restaurant Stadthof in Langenthal. Über Verbesserungsmassnahmen aber wird geschwiegen.

(Bild: Walter Pfäffli)

Patrick Jordi@jordipatrick

Gefährliche Fussgängerstreifen sind keine Seltenheit, auch nicht im Kanton Bern: Gemäss einer im Mai vorgestellten Studie des Kantons weist jeder fünfte Fussgängerstreifen auf Kantonsgebiet Mängel auf.

Dessen ist man sich im Oberaargau offensichtlich schon länger bewusst. Anders jedenfalls lässt sich die rege Nutzung eines Angebots der Schweizer Verkehrsopferstiftung Road Cross kaum erklären. Besorgte Bürgerinnen und Bürger der Region haben Road Cross mittels einer sogenannten App fürs Smartphone 39 gefährliche Fussgängerstreifen gemeldet. 10 davon führen über Strassen in der Stadt Langenthal. Schweizweit wurden Road Cross bis Anfang Juli über 3400 unsichere Streifen gemeldet.

Road Cross hortet Daten

Das Prinzip der App ist einfach: Wem im täglichen Strassenverkehr ein gefährlicher Zebrastreifen ins Auge sticht, zückt sein Smartphone, trägt den Standort des Streifens in eine digitale Landkarte ein, beschreibt die Gefahrenquelle und schickt die Meldung ab.

Bei der Stiftung Road Cross werden die Daten schliesslich gesammelt – und auch gehortet. Denn die Daten werden nur bedingt der Öffentlichkeit preisgegeben. Road Cross will zum Beispiel nicht sagen, wo genau sich die gefährlichen Fussgängerstreifen im Oberaargau befinden. Aus Sicht der Stiftung mache dies Sinn, sagt Stefan Krähenbühl vom Ressort Öffentlichkeitsarbeit. Road Cross selbst könne und wolle keine Wertung vornehmen, ob ein gemeldeter Fussgängerstreifen gefährlich sei oder nicht. Man sammle lediglich Daten von Bürgern, um diese periodisch an die betroffenen Gemeinden und Kantone zu übermitteln. Ziel der Road-Cross-App sei es, die Gemeinden und Kantone auf mutmasslich unsichere Streifen in ihrem Gebiet aufmerksam zu machen. Wie die Behörden schliesslich mit den Informationen umgehen, sei ihnen selbst überlassen. Auch den Gemeinden im Oberaargau.

Kanton schweigt sich aus

Auch der Kanton Bern, der wie Road Cross um die Standorte der gefährlichen Fussgängerstreifen im Oberaargau wüsste, will nicht konkret werden. Der stellvertretende Kantonsoberingenieur Stephan Breuer verweist lediglich auf die Ergebnisse der im Spätsommer/Herbst 2012 durchgeführten Studie. Diese zeigt, dass von den rund 3100 untersuchten Fussgängerstreifen auf Kantonsstrassen 675 Streifen Mängel aufweisen. Die häufigsten Probleme dabei sind: schlechte Sichtverhältnisse, zu schmale Mittelinseln oder ungenügende Beleuchtung. Der Kanton ist momentan dabei, für jeden mangelhaften Zebrastreifen Massnahmen auszuarbeiten. So auch für jene im Oberaargau.

Daten an Stadt übermittelt

Ob Kanton oder Road Cross – Geheimniskrämerei bezüglich der Streifenstandorte wird also hüben wie drüben betrieben. Aber immerhin: Stefan Krähenbühl von Road Cross nennt ein konkretes Beispiel: der Fussgängerstreifen in der Kurve beim Restaurant Stadthof in Langenthal. Dieser sei als gefährlich gemeldet worden. Road Cross hat die Daten zum Stadthofstreifen zusammen mit den neun anderen Gefahrenmeldungen aus Langenthal der Stadt im Februar 2013 zukommen lassen. Der Langenthaler Stadtschreiber Daniel Steiner bestätigt den Eingang der entsprechenden Road-Cross-Daten, kann jedoch nicht sagen, ob und wie diese verwendet wurden. Welche anderen Streifen also aus Langenthal von besorgten Bürgern gemeldet wurden, bleibt unklar.

Mängel sind bekannt

Wie auch immer: Unbekannt dürften die reklamierten Problemfälle für die Stadt ohnehin nicht gewesen sein. Sie hat im letzten Jahr sämtliche Fussgängerstreifen auf Gemeindegebiet überprüfen lassen. Dabei wurden Mängel festgestellt, die derzeit abschnittweise mit baulichen Massnahmen behoben werden. In einer ersten Tranche wurden im letzten Herbst mehrere Streifen mit einem neuen Belag versehen. Offen bleibt aber, welche Massnahmen für den unsicheren Zebrastreifen beim Stadthof vorgesehen sind. Ob Road Cross, Kanton oder Stadt Langenthal – keine Instanz will oder kann derzeit konkret werden.

Berner Zeitung

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