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Gemeinderat war zu blauäugig

Debakel kurz vor den Wahlen in Wiedlisbach. Wie jetzt bekannt ist, war das Altstadtfestival im Juni ein finanzieller Flop, das Defizit beträgt 60'000 Franken. Die Finanzkommission untersucht nun, wie es dazu gekommen ist.

Kein Gedränge: Am Altstadtfestival im Juni führte die tiefe Besucherzahl zu einem happigen Defizit.
Kein Gedränge: Am Altstadtfestival im Juni führte die tiefe Besucherzahl zu einem happigen Defizit.
Marcel Bieri

Ein tolles Sommerfest hätte es werden sollen übers letzte Juniwochenende. Das Städtli Wiedlisbach sollte vom Freitagabend bis am Sonntagvormittag zum Festivalort werden, voll von Besuchern. Doch statt 1500 Personen kamen am Samstag nur 200, die Stimmung war flau, und am Ende blieb ein finanzielles Loch.

Nun hat der Gemeinderat die Zahlen bekannt gegeben, offensichtlich als Reaktion auf einen Leserbrief zum Thema in der Berner Zeitung: Dem Gesamtaufwand von gut 68'000 Franken standen Einnahmen von nur 9322 Franken gegenüber, das Defizit beträgt somit knapp 60'000 Franken. «Der Gemeinderat steht mit diesem Defizit in der Verantwortung», schreibt er in einer Medienmitteilung. Und: «Er bekennt, hinsichtlich der vom OK-Präsidenten Beat Berchten unterbreiteten Budgetvorgaben zu blauäugig gewesen zu sein. Sie erwiesen sich im Nachhinein als zu euphorisch.»

Wahlen am Sonntag

Die Meldung über den finanziellen Flop kommt für die Exekutive zu einer ungünstigen Zeit. Denn am nächsten Wochenende wählen die Wiedlisbacher einen neuen Gemeinderat und zwei Kommissionen. Und bereits der Nachversand der Wahlunterlagen wegen eines «vergessenen» Kandidaten hatte im Städtli vor zwei Wochen viel Staub aufgewirbelt (siehe Kasten).

Die Idee des Altstadtfestivals war gemäss Gemeinderat nach dem guten Echo auf die Sendung «Donnschtig-Jass» im Sommer 2008 entstanden. In der Volkswirtschaftskommission sei die Idee aufgekommen, jährlich einen Anlass für die Bevölkerung zu organisieren.

Unter OK-Präsident und SVP-Gemeinderat Beat Berchten wurde das Programm festgelegt: ein romantisches Candle-Light-Dinner im Kornhaus am Freitag, ein Konzertabend mit vier Bands am Samstag und ein volkstümlicher Brunch am Sonntagmorgen. Besonders für den Samstag mit den Musikgruppen Jackie, Aextra, Stefanie Heinzmann und Pegasus erhoffte sich das OK weit über 1000 Eintritte.

Kommission untersucht

Doch der Publikumsaufmarsch blieb aus. Mitverantwortlich waren andere zeitgleiche Anlässe in der Region wie das Märitfest in Solothurn, das regnerische Wetter, aber auch ungenügende Werbung sowie eine überdimensionierte Bühnentechnik. Der Gemeinderat schreibt: «Das benötigte Budget für Gagen und Technik basierte auf einem erwarteten Zuschaueraufmarsch von 1500 Personen. Mit dieser Zahl wären Einnahmen und Ausgaben ausgeglichen gewesen.» Doch diese Annahme erwies sich als «Fehleinschätzung», wie der Rat bekennt.

Zur Klärung, wie es zum finanziellen Debakel kam, hat der Wiedlisbacher Gemeinderat die Finanzkommission mit einer Untersuchung beauftragt. Gemeindepräsidentin Katharina Hofer (SVP) wollte gestern keine Fragen beantworten, man habe sich geeinigt, sich nicht weiter zu äussern. Der Gemeinderat werde die Stimmberechtigten an der nächsten Gemeindeversammlung orientieren. Beat Berchten war gestern nicht erreichbar.

Das Finanzdebakel in Wiedlisbach könnte die Wahlen vom kommenden Wochenende beeinflussen. Denn schon vor vier Jahren gabs eine ähnliche Konstellation. Der damalige Gemeinderat Thomas Christinat (SP) wurde nicht wiedergewählt, nicht zuletzt, weil das Städtlifest 2005 unter seiner Führung mit einem Defizit von 50'000 Franken abgeschlossen hatte.

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