Jetzt liegen die Fakten auf dem Tisch

Signau

Nachdem die Gemeindeversammlung Signau nichts hatte wissen wollen von der Schliessung des Schulhauses Mutten, geht der Gemeinderat das Thema Schulstrukturen mit einer breiten Auslegeordnung an. Jetzt präsentiert er erst einmal Zahlenmaterial.

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Im Dezember 2013 musste der Gemeinderat von Signau eine herbe Niederlage einstecken. Er hatte der Gemeindeversammlung beantragt, das Schulhaus Mutten angesichts von nur noch neun Schülern zu schliessen. Doch das Volk, das damals grossenteils aus Vertretern des betroffenen Schulkreises bestand, wies den Antrag zurück.

Der Gemeinderat liess sich die Lust, an den heutigen Schulstrukturen zu rütteln, nicht verderben. Allerdings hat er aus seinen Fehlern gelernt: Man habe damals zu wenig informiert, zu widersprüchlich argumentiert und bei allem einen zu kurzen Zeitraum im Auge gehabt, sagte Arno Jutzi (SP) gestern vor den Medien.

Er ist Vizepräsident des Gemeinderates und verantwortlich für das Ressort Finanzen. Ihm zur Seite sass Andreas Jutzi (EVP), Schulkommissionspräsident und seit Anfang Jahr ebenfalls Mitglied des Gemeinderates.

Neun Varianten zur Debatte

Gestern präsentierten sie den 60-seitigen «Schlussbericht Projekt Vision Schule Signau 2024». Es ist eine detaillierte Auflistung von Zahlen und Fakten, die eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertretern der Gemeinde, der Parteien und der Schule, zusammengetragen hat. «Wir wollen die Datenlage ausbreiten», sagte Arno Jutzi und sprach von «Entscheidungsgrundlagen, die nicht mehr diskutiert werden müssen, weil sie stimmen».

Bewusst sei nicht mit Schülerzahlen operiert worden, diese seien in einer späteren Phase zu berücksichtigen. Im ersten Schritt sei es um eine «andere Flughöhe» gegangen. Neun Varianten wurden geprüft und in den Bereichen Finanzen, Gesellschaft und Pädagogik gewichtet, wobei der finanzielle Aspekt doppelt wog. Es ergab sich folgende Rangierung:

  • 1. Alle drei Aussenstandorte werden geschlossen.
  • 2. Höhe und Häleschwand gehen zu.
  • 3. Höhe und Mutten gehen zu.
  • 4. Zentraler Schulstandort im Dorf Signau.
  • 5. Status quo (siehe Grafik).
  • 6. Gleich viele Punkte erreichte die Idee, die Oberschulen der gesamten Gemeinde in Signau zu zentralisieren.
  • 7. Oberschule in Signau und Schüpbach.
  • 8. Mutten geht zu.
  • 9. Die Schulen Mutten und Höhe werden zusammengelegt.

«Es ist nichts entschieden»

«Es handelt sich um eine Rangierung anhand der erhobenen Daten. Es wurden keine politischen Entscheide gefällt», beeilte sich Arno Jutzi zu betonen. Mit dem gestern veröffentlichten Bericht lanciert der Gemeinderat die Diskussion um die künftigen Schulstrukturen in Signau. Er hofft, dass die Bürgerinnen und Bürger das Papier auf der Gemeindeverwaltung bestellen oder elektronisch einsehen – und dass sie sich durch den eng beschriebenen Anhang mit den vielen Zahlen kämpfen werden. Vor allem aber wünscht der Gemeinderat Rückmeldungen aus der Bevölkerung.

Teure Zentralisierung

Anhand der Daten können die Signauerinnen und Signauer nun entscheiden, was sie sich ihre Schule kosten lassen wollen. Am günstigsten würde es, wenn die Schulhäuser Höhe und Häleschwand geschlossen und verkauft würden. Dann würde das Schulsystem jährlich noch 740 Franken pro Einwohner kosten. Heute sind es 861 Franken. Am teuersten wäre die Variante mit dem zentralen Schulstandort in Signau. Diese würde den Einzelnen 878 Franken kosten. Denn dann müsste in Signau für rund 8 Millionen Franken ein Neubau erstellt werden.

Im Mai will sich der Gemeinderat für «zwei bis drei» Varianten entscheiden, die er vertieft prüfen will. Welche das sein werden, wird er im Juni bekannt geben. Arno Jutzi geht davon aus, dass frühstens in einem Jahr Beschlüsse gefällt werden können. «Das Ganze muss reifen», sagte er und gab zu bedenken: «Künftig werden wir weniger fragen, welches Schulhaus wir schliessen wollen, sondern wo wir noch investieren wollen.»

Berner Zeitung

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