Langer Schulweg über die Tanne

Landiswil/Arni

Ab dem nächsten Sommer gehen die Landiswiler Realschüler der Oberstufe nach Arnisäge in die Schule. Der neue Schulweg über die Kantonsstrasse ist lang und teils steil. Laut der Gemeinde ist er zumutbar.

Die Realschüler der Oberstufe Landiswil werden ab nächstem Schuljahr im fünf Kilometer entfernten Schulhaus in Arnisäge (im Bild) in den Unterricht gehen.

Die Realschüler der Oberstufe Landiswil werden ab nächstem Schuljahr im fünf Kilometer entfernten Schulhaus in Arnisäge (im Bild) in den Unterricht gehen.

(Bild: Andreas Blatter)

Martin Burkhalter@M_R_Bu

Die Berner Kantonsstrasse Nr. 1238 führt von Lützelflüh nach Biglen. Etwa in der Mitte der Strecke liegen Landiswil und Arni. Zwischen den beiden Gemeinden sind es gut fünf Kilometer. Sie sind getrennt durch die Tanne, einen rund fünfzig Meter hohen bewaldeten Hügel. Dort schlängelt sich die Kantonsstrasse hoch. Teils mit engen Kurven und wenig Übersicht. Dieser Aufstieg wird auch «Cheib» genannt. Ab nächstem Sommer wird der «Cheib» für die rund zehn Realschüler der Oberstufe Landiswil zur täglichen Herausforderung. Denn ab Schuljahr 2015/2016 müssen sie in Arnisäge zur Schule gehen. Der Grund dafür? Ihre Klassen waren zu klein.

Nicht Velo, aber Mofa

Patrick Beyeler ist derzeit in der sechsten Klasse in Landiswil. Der 13-jährige Realschüler kommt im Sommer in die Oberstufe. Sein Schulweg verlängert sich dadurch um fünf Kilometer. «Das müssen wir halt akzeptieren», sagt seine Mutter Heidi Beyeler. Er werde im Sommer das Velo nehmen und im Winter wohl den Bus. Aber Patrick will nichts wissen vom Fahrrad und sagt, er werde sicher nicht mit dem Velo gehen, sondern mit dem Mofa.

Sekschüler sind es gewohnt

Der Aufstieg vom Landiswiler Weiler Obergoldbach her zur Tanne zieht sich. Zuerst steigt es nur leicht an, dann aber wird es arg steil. Etwa alle zwei Minuten fährt ein Auto, manchmal ein Lastwagen mit bis zu 80 Stundenkilometern vorbei. Platz zum Rasten gibt es kaum. Zu Fuss benötigt man eine Stunde über den «Cheib» bis nach Arnisäge.

Viele Kinder und Jugendliche in der Region seien sich lange Schulwege bereits gewohnt, sagt Adrian Schneiter, Leiter der Schule Arni-Landiswil. Sekundarschüler aus der Umgebung gehen schon heute nach Biglen oder Lützelflüh in die Schule. «Auch einige Landiswiler Realschüler kennen den Schulweg nach Arnisäge bereits. Sie gehen dort etwa in den Englischunterricht.» Übrigens seien auch nicht alle Schüler von einem längeren Schulweg betroffen, für zwei werde er sich sogar verkürzen. «Wirklich neu wird er nur für vier bis fünf Schüler sein.»

Dennoch wurden an der Informationsveranstaltung zur Zusammenlegung der Oberstufen Bedenken zur Machbarkeit und Sicherheit des Schulweges laut, sagt Schneiter. Deshalb habe man die Zumutbarkeit prüfen lassen.

Für machbar befunden

Der Landiswiler Gemeindepräsident Samuel Wittwer war bei der Schulwegbegehung dabei. Mit Verantwortlichen der Polizei, des Strasseninspektorats und Mitgliedern der Gemeindebehörde hat er die Strasse geprüft. «Die Verkehrsinstrukteure haben die Strecke über den ‹Cheib› für Schüler ab der 7.Klasse als machbar beurteilt», sagt Wittwer.

Hans Wüthrich, Verkehrsinstrukteur der Kantonspolizei, bestätigt: «Kann ein Velo benutzt werden, sind Strecken bis zu zehn Kilometern für Schüler der Oberstufe machbar.» Er halte sich bei der Beurteilung an das Merkblatt der kantonalen Erziehungsdirektion. Weiter sagt Wüthrich: «Auch die Voraussetzungen für eine vorzeitige Mofaprüfung wären durch die Länge des Schulwegs mehrheitlich erfüllt.» Somit könnten Kinder auf ein Gesuch hin bereits vor 14-jährig mit dem «Töffli» in die Schule fahren.

Trotz den Abklärungen soll für die Sicherheit noch Zusätzliches getan werden. Zurzeit laufen Abklärungen mit dem zuständigen Tiefbauamt. «Wir denken an einen Radstreifen, an Geschwindigkeitsreduktionen und Hinweistafeln», sagt Gemeindepräsident Wittwer. Aber wenn der Kanton das Geld, das er mit der Schliessung der Oberstufe einspart, auf der Strasse wieder ausgeben muss, stünden die Chancen für solche Massnahmen nicht allzu gut.

Auch ein Schulbus komme nicht infrage. «Es gibt bereits einen für die Unterstufe, und der kostest mehr als 20'000 Franken im Jahr», sagt Wittwer, «uns fehlt das Geld.» Besser sei es, die Stundenpläne dem Busfahrplan anzupassen, so riskiere man zumindest nicht, dass der ÖV abgeschafft werde.

Berner Zeitung

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