Langnau stützt die SCL Tigers

Langnau

Die SCL Tigers sind zwar noch längst nicht über den Berg, doch ihrer finanziellen Sanierung einen Schritt näher: Der Langnauer Grosse Gemeinderat bewilligte für sie 900'000 Steuerfranken.

Denkwürdige Debatte in aussergewöhnlichem Rahmen: Der Grosse Gemeinderat tagte vor grossem Publikum.

Denkwürdige Debatte in aussergewöhnlichem Rahmen: Der Grosse Gemeinderat tagte vor grossem Publikum.

(Bild: Hans Wüthrich)

Markus Zahno

«Lasst den Tiger nicht sterben!» Die rot-gelb gekleideten Fans vor dem Kirchgemeindehaus haben ihre Botschaft auf ein riesiges Spruchband gemalt. Sie schwenken Fahnen und stimmen Lieder an, mit denen sie normalerweise in der Ilfishalle für Stimmung sorgen. Die eintreffenden Politiker schauen beeindruckt in die Menschentraube, schütteln hier und dort Hände. Gemeindepräsident Bernhard Antener wird vom Schweizer Fernsehen interviewt. Er habe ein gutes Gefühl, sagt er in die Kamera. «Wir haben getan, was wir tun konnten – jetzt gilt es, das Parlament zu überzeugen, dass die Gemeinde ihren Anteil leistet.» Drinnen stehen fürs Publikum 300 Stühle bereit. Sie sind gut zur Hälfte besetzt, als der Langnauer Grosse Gemeinderat (GGR) über das zinslose 800'000-Franken-Darlehen und über den 100'000-Franken-Aktienkauf für die SCL Tigers berät. In der vordersten Reihe Platz genommen haben Tigers-Coach Christian Weber, Captain Fabian Sutter sowie Peter Jakob, Präsident des Vereins «Rettet den Tiger». Wie lautet Ihre Prognose, Herr Jakob? «Ich glaube an ein Ja.»Jakob schafft VertrauenEr sollte sich nicht täuschen. Nach über einer intensiver Debatte spricht sich der GGR in offener Abstimmung mit 26 Ja zu 11 Nein bei 1 Enthaltung für die 800'000 Franken aus. Noch deutlicher ist zuvor das Verdikt zu Gunsten des Aktienkaufs gefallen: 34 Ja stehen 2 Nein und 2 Enthaltungen gegenüber.In zwei Punkten sind sich zuvor alle GGR-Mitglieder einig gewesen: Ein Untergang der SCL Tigers wäre für die ganze Region ein Verlust. Und das Engagement des Rettungsvereins sei löblich. «Dass die Crew um Peter Jakob die Tigers zur Bescheidenheit zurückführen will – damit kann ich mich wieder identifizieren», sagt etwa Marianne Stähli (FDP), einst eine eingefleischte SCL-Anhängerin, die mit der offensiveren Tigers-Geschäftsphilosophie der letzten Jahre aber Mühe hatte. Noch deutlicher formuliert es Walter Sutter (SVP): Die heutige Tigers-Führung um Präsident Hans Grunder und Geschäftsführer Heinz Schlatter habe «grobfahrlässige Misswirtschaft» betrieben. Dass sie nun ihren Rücktritt anböten, sei positiv. Ein Neustart sei der einzig gangbare Weg, und dazu müsse auch die Gemeinde ihren Beitrag leisten. Thomas Gerber (BDP) gibt zu bedenken: «Wenn die Gemeinde von den SCL Tigers Steuereinnahmen generiert, darf sie sie auch mit Steuereinnahmen unterstützen.»Diesbezüglich ist man sich vor allem auf Seiten von SP und EVP nicht sicher. «In jedem von uns schlagen zwei Herzen», sagt Johannes Kobel namens der SP. Das Engagement der Fans für ihren Klub sei bemerkenswert. Aber ordnungspolitisch sei es überaus heikel, ein Unternehmen in solchen Umfang zu unterstützen. Oder mit Manuela Geissbühlers (EVP) Worten: «Wir finden, dass es nicht Aufgabe der Gemeinde ist, so viele Steuergelder in ein so unsicheres Geschäft zu investieren.»Applaus und JubelSo oder so ist der Entscheid des GGR’s noch nicht definitiv: Falls in Langnau innert 30 Tagen 300 Stimmberechtigte ein Referendum unterschreiben, kommt es zu einer Volksabstimmung über das Rettungspaket.Und die Fans? Sie halten sich an das, was ihnen Fanclub-Präsident Beat Zurbuchen zuvor eingeschärft hat: «Bleibt ruhig, stört die Debatte nicht. Und wenn es dann gut herausgekommen ist, dann dürft ihr klatschen.» Am Schluss haben sie nicht nur geklatscht – sondern gejubelt.

Berner Zeitung

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