Lehrerin, Bäuerin und Politikerin

Bützberg

Am Montag wird Christine Grogg-Meyer aus Bützberg im Berner Rathaus als neue Oberaargauer EVP-Grossrätin vereidigt. Soziales, Bildung und Landwirtschaft werden ihre Kernthemen sein.

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Geboren wurde sie 1963 im Aargau. Aufgewachsen ist sie in Olten. Bäuerin oder Lehrerin wollte sie werden, beides hat sie erreicht. Das Lehrerseminar besuchte sie in Olten und Solothurn. Durch die Heirat mit Gottfried Grogg kam sie nach Thunstetten, auf den Bauernhof in der Bützberger Längmatt. Dort sitzt sie seit 2010 für die EVP im Gemeinderat und, weil Daniel Steiner-Brütsch (Langenthal) sein Grossratsmandat aus beruflichen Gründen Ende Oktober aufgab, ab Montag auch im Berner Rathaus. Zuvor war die Mutter von fünf Kindern Mitglied der Schulkommission.

Bereits an zwei Fraktionssitzungen und mehreren Anlässen hat Christine Grogg teilgenommen. Sie hat Akten studiert, sich eingelesen. «Ich gehe gerne gut vorbereitet zu Sitzungen», sagt sie. Politik könne man zwar nicht lernen wie einen Beruf, trotzdem absolvierte sie einen Diplomkurs für Gemeindepolitik. «Schliesslich arbeiten wir im Auftrag des Volkes, das dafür Steuern bezahlt», sagt sie. Christine Grogg nimmt ihre Ämter sehr ernst – in der Gemeinde und jetzt auch auf Kantonsebene.

Vielseitige Interessen

Was will und kann sie in Bern bewirken? Die Landwirtschaft und der Erhalt des Kulturlandes liegen ihr am Herzen. Für die Bildung interessiert sie sich ganz allgemein. Und für Soziales. Vor allem die Kinder und deren Schutz sind ihr ein besonderes Anliegen. Sie wird sich für die Familienpolitik einsetzen, die der Kanton mit dem neuen Familienkonzept fördert und stärkt. Das sei unter anderem eines der grossen Anliegen der EVP. Das hat mit ihren beruflichen Erfahrungen zu tun. Sie machte bisher Familienbegleitungen im Mandatsverhältnis für Familynetwork, musste jetzt dort aber aus zeitlichen Gründen kündigen. Christine Grogg leitete 3 Jahre die Vormundschaftsbehörde Thunstetten und ist Vizepräsidentin der Sozialkommission Aarwangen (Aufsichtskommission des regionalen Sozialdienstes).

Mit ihrem Mann leitet sie auf dem Hof in Bützberg seit 20 Jahren die Therapeutische Wohngemeinschaft Längmatt (TWG). Begonnen haben sie 1994 mit der Betreuung von ehemaligen Drogenabhängigen. Seit 2003 bieten sie betreutes Wohnen und Arbeit für Menschen mit einer leichten Behinderung an. Dies mit einer Betriebsbewilligung durch das Alters- und Behindertenamt des Kantons Bern und unter Mithilfe angestellter Fachleute.

Breite Ausbildung

Gottfried Grogg ist gelernter Forstwart und Meisterlandwirt, zudem Suchtexperte und Sozialmanager. Christine Grogg ist Lehrerin, diplomierte Bäuerin und diplomierter Coach SCA. Daneben hat sie noch eine ganze Reihe von Weiterbildungen absolviert. In der TWG beträgt ihr Beschäftigungsgrad 30 Prozent.

Die Bewohner der Wohngemeinschaft leben im Stöckli, die Familie Grogg in sechster Generation im Bauernhaus. Zurzeit sind gerade die Handwerker da. Zwei der fünf Kinder sind bereits ausgeflogen. Zwei noch in der Ausbildung.

Parteipolitik ist Neuland

Zum Amt als Grossrätin sei sie recht überraschend gekommen, sagt Christine Grogg. Sie will etwas bewegen für die Gesellschaft. Regionales Denken ist ihr wichtig, etwa beim Altersleitbild. Parteipolitik sei in Bern viel wichtiger als in der Gemeinde. Für sie sei das Neuland. Christine Grogg und ihr Mann sind Mitglieder einer Freikirche. Deshalb sind christliche Werte für die beiden eine Selbstverständlichkeit. Das sei aber ihre Privatsache. «Wenn ich missionieren würde, wäre ich als Gemeinderätin wohl kaum wiedergewählt worden», sagt die neue Grossrätin.

Berner Zeitung

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