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Luzerner Spitalwerbung stösst in Langenthal auf Widerstand

Am Dienstagabend werben Luzerner Kliniken in Langenthal für eine Methode zur Laserbehandlung der Augen. Auch wenn ein solcher Eingriff am Spital Langenthal nicht angeboten wird: Die Luzerner Werbung passt nicht allen.

Wer hat den Durchblick? Luzerner Kliniken werben heute Abend für eine Laser-Methode zur Korrektur der Fehlsichtigkeit. Ein Langenthaler Augenarzt findet das «plakativ».
Wer hat den Durchblick? Luzerner Kliniken werben heute Abend für eine Laser-Methode zur Korrektur der Fehlsichtigkeit. Ein Langenthaler Augenarzt findet das «plakativ».
Keystone

Das schwarz-weisse Inserat im Anzeiger sieht schmucklos aus. Verspricht aber nicht weniger als ein «Leben ohne Brille»; dank der «weltweit schnellsten Behandlung der Fehlsichtigkeit». C-Ten heisst die Lasermethode, die die Augentagesklinik Sursee und das Luzerner Kantonsspital gemeinsam anbieten.

Heute Abend stellen die Kliniken ihre Methode in der Alten Mühle Langenthal vor. Das Ziel scheint klar: Kurzsichtige Brillenträger aus dem Oberaargau sollen sich im Luzernischen die Augen lasern lassen. Die laut Eigenwerbung «schnellste und sicherste» Methode kostet pro Auge 3600 Franken.

«Ich will informieren»

Eine Konkurrenz zum Spital Langenthal ist das Angebot nicht: Hier werden zwar auch Laserbehandlungen durchgeführt, allerdings keine sogenannten Wahleingriffe zur Korrektur einer Fehlsichtigkeit.

Trotzdem ist Thomas Kinsbergen, ärztlicher Direktor der Spital Region Oberaargau (SRO) AG, über die Gäste aus Luzern nicht ganz glücklich. Grundsätzlich könne er nichts gegen einen solchen Vortrag haben, sagt er. «Es gilt der freie Markt.» Störend findet er aber, dass die Luzerner nicht im Voraus beim Spital Langenthal angeklopft haben. «Ich hätte es fair gefunden, wenn wir informiert worden wären.» Deswegen hinterlasse die Veranstaltung einen «leicht bitteren Nachgeschmack».

Referieren wird der Willisauer Augenarzt Urs Thomann. Auf Anfrage reagiert er erstaunt: Die Interessen des Spitals Langenthal würden durch seinen Vortrag «nicht im Geringsten tangiert». Schliesslich handle es sich beim Eingriff um eine ambulante Behandlung, die von der Krankenkasse nicht bezahlt werde. Sie habe also «mit Spital gar nichts zu tun». Er findet auch nicht, dass er seinen Vortrag hätte anmelden müssen. Zumal heute Abend nicht die erste Veranstaltung dieser Art im Oberaargau stattfinde.

Thomann versichert: «Ich will informieren, nicht Leute überreden.» Und es sei doch legitim, dies im eigenen Einzugsgebiet zu machen. Rund ein Drittel seiner Patienten kommt aus der Region Huttwil/Langenthal.

Die Art und Weise der Information stört aber den Langenthaler Augenarzt Marcel Mathieu. Er findet das Inserat «plakativ», vor allem die Aussage, es handle sich bei C-Ten um die «schnellste Behandlung» der Fehlsichtigkeit. Jeder Eingriff mit einem Laser zur Korrektur einer Fehlsichtigkeit sei schnell, erklärt Mathieu. Daher sei das Attribut kein Argument, das für die Methode spreche.

«Ich hätte Skrupel»

Dass die Luzerner Kliniken über die Kantonsgrenze nach Langenthal schielen, dürfte ein erster Vorgeschmack sein auf die Zeit nach 2012: Denn dann gilt die neue Spitalfinanzierung, die die Spitäler unter erhöhten Kostendruck stellt und so den Wettbewerb verschärft.

Gleichzeitig fällt die Kantonsklausel. Das heisst: Die Krankenkassen übernehmen auch die Kosten für die Behandlungen an Spitälern in anderen Kantonen, selbst wenn keine entsprechende Zusatzversicherung abgeschlossen wurde.

Dennoch hat SRO-Chefarzt Kinsbergen nicht vor, ab 2012 in angrenzenden Kantonen die Werbetrommel für seine Spezialgebiete zu rühren. Er wisse nicht, wie sich die SRO in dieser Hinsicht positionieren wolle, aber «ich persönlich hätte Skrupel». Er würde zum Beispiel nicht im Oltner Kursaal über sein chirurgisches Angebot referieren, weil er so seine Berufskollegen konkurrieren würde.

Bessere Patientenzahlen

Doch auch für Kinsbergen ist klar: «Es geht ums Überleben.» Primär will sich die SRO aber darauf fokussieren, die Patienten nach den Spitalschliessungen in den Randgebieten Huttwil und bald auch Niederbipp zu halten. Entscheidend sei diesbezüglich, sagt Kinsbergen, welchen Ruf ein Spital geniesse.

Und da hat die SRO Boden gut gemacht. Bei der Orthopädie, die in jüngster Zeit wegen Abgängen von Kaderärzten immer wieder in die Schlagzeilen geraten ist, zeigt der Trend laut Kinsbergen nach oben. «Wir haben so gute Patientenzahlen wie seit über sechs Jahren nicht mehr.»

Vortrag: «Leben ohne Brille». Am Dienstag um 19 Uhr in der Alten Mühle, Langenthal.

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