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Mann schoss auf Hunderudel

Nach langem Hin und Her verlor er die Nerven: Als die Hundemeute der Nachbarinnen wieder einmal ausgebüxt war, schoss er. Jezt steht der Mann vor Gericht.

«Ich bedaure, dass es zu diesem Strafverfahren gekommen ist», sagte Gerichtspräsident Samuel Schmid gestern in Langnau. Denn vor ihm stehe ein rechtschaffener Mann, der als tüchtiger Arbeitnehmer gelte und in stabilen Familienverhältnissen lebe, kurz, ein Mann, der das Leben im Griff habe. Bis zum Zuzug der zwei Nachbarinnen sei alles wunderbar gelaufen, doch weil die Frauen zu viele Hunde gehalten und diese nicht im Griff gehabt hätten, sei «eine wirklich mühsame Situation entstanden, für die ich Verständnis habe» – schade, Schmid wiederholte es, dass das Ganze derart eskaliert, ja überbordet sei.

Begonnen hatte die leidvolle Geschichte bereits im vorletzten Herbst, als die beiden Frauen auf dem kleinen Plateau hoch über dem tiefen Graben auftauchten. Der jungen Familie im Heimet nebenan fiel bald einmal auf, dass aus den anfänglich vier Hunden plötzlich acht wurden. Im Zwinger wurde es nicht nur eng, sondern vor allem auch lärmig. Dazu kam, dass die Tiere mehrfach ausbüxten und nur mehr schwer wieder eingefangen werden konnten.

Behörden eingeschaltet

Es kam auch zu Zwischenfällen, etwa an Ostern des letzten Jahres, als die Meute unvermittelt in den Stall der Familie eindrang und die Gusti anbellte. Gut zwei Wochen später attackierte sie auf der Matte nebenan ein Huhn so, dass es mit einem Desinfektionsmittel behandelt werden musste. Was nun, wenn die Tiere ihren Jagdtrieb immer exzessiver auslebten? Wenn plötzlich die Kinder dran glauben müssten? Der junge Vater und seine Frau stellten sich quälende Fragen. Dass auf ihr Drängen hin bereits die Tierschutzbehörden aktiv geworden waren, sagte ihnen zu der Zeit niemand.

Angst um die Rinder

Zum unrühmlichen Höhepunkt kam es über Pfingsten. «Wir hatten Besuch und sassen auf der Laube, als es losging», erzählte der Vater vor Gericht. Ob er zuerst das Gebell oder die Lockrufe der Frauen hörte, wusste er gestern nicht mehr – wie auch immer, flugs packte er den Karabiner und sie die Videokamera, gemeinsam stürzten sie ins Freie, um sich zu wehren. «Ich fürchtete um unsere Rinder.»

Mit dieser Angst im Nacken und mit den Nerven am Ende feuerte er erst mal einen Schuss ins Leere ab. Dann eilte er zu seiner Frau, die mittlerweile in ein Gerangel mit einer der Nachbarinnen verwickelt war. Offensichtlich versuchte diese, an die Kamera zu kommen. Ihm gelang es, zu schlichten und das Gerät an sich zu nehmen.

Das alles war nun den Nachbarinnen zu viel. Sie zeigten das Paar an, wobei später das Verfahren gegen die Ehefrau wieder fallen gelassen wurde. Die Blessuren, die eine der Hundehalterinnen vorwies, hätten auch von einem Hund stammen können.

Vergessen, verschlafen

Richter Schmid musste gestern allein auf die Aussagen des jungen Vaters abstellen. Schon im Verlauf der polizeilichen Abklärungen waren die Nachbarinnen zwei Terminen fern geblieben, mal aus Vergesslichkeit, mal, weil sie kalte Füsse bekommen hatten. Nicht anders war es jetzt, an der Hauptverhandlung: Verschlafen, lautete diesmal die Begründung.

Von sich aus zugegeben

So blieb vom Vorwurf, der junge Vater habe die Nachbarinnen mit der Waffe bedroht, mangels Beweisen nichts übrig. Eine bedingte Geldstrafe von 400 Franken kassierte er dagegen für den unerlaubten Schuss und nochmals 400 Franken als Busse, weil er die Waffe ohne Schein getragen hatte. Der Richter hielt ihm bei alledem zugute, dass er den Schuss von sich aus zum Thema gemacht hatte. Die Nachbarinnen hatten, da gehörlos, davon gar nichts mitbekommen.

«Bei einer normalen Nachbarschaft wäre das nie passiert», schloss Schmid. Und wünschte ihm, dass er nun sein Heimet wieder geniessen kann. Denn im letzten Sommer zogen die Nachbarinnen weg.

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