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«Mister HRM2» des Emmentals

Im Emmental weiss nur Trubschachens Finanzverwalter Theo Rüegger bereits aus Erfahrung, wie das neue Rechnungsmodell HRM2 funktioniert.

Theo Rüegger hat die Umstellung geschafft. Jetzt hilft er anderen Finanzverwaltern gerne mit Tipps und Tricks weiter.
Theo Rüegger hat die Umstellung geschafft. Jetzt hilft er anderen Finanzverwaltern gerne mit Tipps und Tricks weiter.
Thomas Peter

Wer Ende letzten Jahres an einer Gemeindeversammlung teilgenommen hat, ist ihm wahrscheinlich schon begegnet – dem ominösen Begriff HRM2. Die Abkürzung steht für «harmonisiertes Rechnungsmodell 2». Ausser ein paar Gemeindefinanzspezialisten dürften an den Versammlungen aber nicht viele gewusst haben, um was es geht. Wer es aber genau weiss, ist Theo Rüegger.

Der Trubschacher Finanzverwalter arbeitet schon seit zwei Jahren mit dem Modell, nach dem im Kanton Bern ab dem Jahr 2016 alle Gemeinden ihre Rechnungen ablegen müssen. Denn Trubschachen gehörte zu jenen zehn Gemeinden im Kanton, die dazu auserkoren waren, die Weiterentwicklung des harmonisierten Rechnungsmodells 1 zu testen.

Wenn schon, dann sofort

Als einzige aus dem Emmental hat sich Trubschachen als Testgemeinde angeboten. «Bei Sachen, die wir sowieso umsetzen müssen, klemme ich mich lieber rechtzeitig dahinter», erklärt Rüegger seine Motivation. «Es ist eine grosse Chance, wenn man solche Umstellungen zusammen mit Kollegen erarbeiten kann», fügt er hinzu.

Rüegger war schon Finanzverwalter in Trubschachen, als in den 1980er-Jahren das «neue Rechnungsmodell» eingeführt wurde, das dann, als von der zweiten Version die Rede war, von «neu» in «harmonisiert» umgetauft wurde. Damals tat sich der Trubschacher Gemeindekassier mit jenem von Lauperswil zusammen, um den Kontenplan zu erarbeiten. «Was der eine nicht wusste, wusste der andere», sagt Rüegger.

Diesmal fand er seinen Sparringspartner im Finanzverwalter von Pieterlen. Hätte sich im Emmental eine andere Gemeinde auf die Testphase eingelassen, wäre Rüegger sicher im Emmental geblieben. So aber wählte er jenen Kollegen, den er als überzeugter ÖV-Nutzer am einfachsten erreichen konnte.

Dann brannte es auch noch

Im Oktober 2012 bewarb sich der Gemeinderat beim Kanton und erklärte sich bereit, die Rechnung Trubschachens auf den 1.Januar 2014 auf das neue Modell umzustellen. Für Rüegger bedeutete das einen Zusatzaufwand von rund vierhundert Arbeitsstunden. Er schaufelte sich Kapazität frei, indem er das Verwaltungsratsmandat der Alterssiedlung abgab, und war froh, dass das Schulsekretariat, das er vorher während Jahrzehnten geführt hatte, professionalisiert wurde.

Trotzdem gab es einen Moment, da er drauf und dran war, aus der Testübung auszusteigen. Denn deren Arbeit setzte genau in jener Zeit ein, als das Gemeindehaus von Trubschachen in Flammen aufging. Am ersten Workshop fehlte Rüegger deshalb. Dass er den Bettel nicht gleich hingeschmissen habe, verdanke er dem Informatiker der Firma NRM AG, der ihn motiviert habe, das Projekt mit seiner Hilfe anzugehen. «Ich bin sonst keiner, der lange zögert, aber damals habe ich mir den Entscheid sehr gut überlegt», sagt Rüegger.

Alles neu

Dann aber stieg er ein. Und heute stellt er fest: «Mit HRM 2 bleibt kein Stein auf dem andern, kein Konto sieht gleich aus wie vorher. Was man langsam intus hatte, trägt nun eine neue Nummer.» Seine Kollegen im Emmental können sich also auf etwas gefasst machen.

Aber Rüegger mahnt zu Gelassenheit: «Man darf das nicht überbewerten», sagt er und freut sich, wenn er in den nächsten Monaten dem einen oder andern mit Rat zur Seite stehen kann. Er weiss, wo die Knackpunkte liegen. Seine Rückmeldungen aus der Praxis sind in die Arbeitshilfen eingeflossen, die der Kanton den Finanzverwaltern nun zur Verfügung stellen kann.

Seit 40 Jahren dabei

«Uns älteren Semestern fällt die Umstellung sicher nicht so leicht wie den jüngeren Kollegen», sagt Rüegger, der als erst 55-Jähriger am 1. April dieses Jahres auf der Gemeindeverwaltung Trubschachen sein 40-Jahr-Jubiläum feiern kann. Schon die Lehre hat er hier absolviert. Das ist nebenbei mit ein Grund, warum er bereit war, das neue Rechnungsmodell praxistauglich zu machen. «Eine solche Zusatzaufgabe erhöht meine Arbeitsmotivation und gibt mir Pfupf für das Tagesgeschäft.»

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