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Neues Leben für die Hanottere

Der Trachselwalder Lorenz Mühlemann macht alles, damit die Hanottere nicht vergessen wird. Er gibt mit Thomas Keller aus Sumiswald eine CD heraus und liess nach eigenen Plänen neue Emmentaler Halszithern bauen.

Was ragt da aus dem Rucksack? Eine Emmentaler Halszither, früher Hanottere genannt.
Was ragt da aus dem Rucksack? Eine Emmentaler Halszither, früher Hanottere genannt.
zvg

Die CD-Hülle zeigt zwei Männer auf einem altertümlichen Motorrad, mit antiken Helmen auf dem Kopf. Aus einem altmodischen Rucksack lugen die Hälse zweier Musikinstrumente, die ebenso in Vergessenheit geraten sind: Die Emmentaler Halszither oder Hanottere, wie sie hier zu Lande in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts genannt wurde. Damals sei sie ein beliebtes Volksinstrument und bei der Landbevölkerung sehr verbreitet gewesen, schreibt Lorenz Mühlemann, einer der Motorradfahrer, im Booklet zu seiner neuen CD.

Selber erarbeitet

Mühlemann ist Gründer und Leiter des Schweizer Zitherkulturzentrums ins Trachselwald und verantwortlich dafür, dass die Hanottere wieder auflebt. Am 8.November tauft er im Gasthof Kreuz in Sumiswald seine neue CD, die einer «eigentlichen Liebeserklärung an die Hanottere gleichkommt», wie er in einer Pressemitteilung schreibt. Gespielt wird die Hanottere vom zweiten Mann auf dem Motorrad, von Thomas Keller aus Sumiswald. Der Heilpädagoge ist als Mitglied der «Berner Tanzmusik» in der Volksmusikszene kein Unbekannter und gemäss Mühlemann «ein begnadeter Hanötteler». Keller, Mühlemann und fünf Gastmusiker lassen auf der CD ein breit gefächertes Instrumentarium erklingen, das vom E-Bass über die Drehleier und das Schwyzerörgeli bis hin zum Hackbrett und der Busuki reicht. Keller und Mühlemann haben das Repertoire ihrer «Volksmusik der feinen Art» selber erarbeitet. Sie hätten sich von der «Neugier an neuen Besetzungen» und der «musikalischen Fabulierlust» leiten lassen, als sie Arrangements und eigene Kompositionen entstehen liessen, schreibt Mühlemann. Zu hören sind Stücke aus dem Alpenraum und der Schweiz ebenso wie keltische und irische Klänge.

Auch zwei historische Titel finden sich auf dem Tonträger. Zu den Noten kam Mühlemann vor gut 20 Jahren, als er noch als Lehrer in Oberthal arbeitete und ihm ein Bauer eines Tages ein uraltes, abgegriffenes Notenheft in die Hand drückte. Dieses habe sich als handschriftliche Notensammlung aus der Zeit um 1830 entpuppt. Nach «über 150 Jahren Dornröschenschlaf» lassen Mühlemann und Keller zwei Werke aus dem Heft zum ersten Mal wieder erklingen.

Gäste aus Frankreich

Lorenz Mühlemann haucht nicht nur einem verstummten Repertoire neue Töne ein, er lässt auch die Hanottere an sich neu aufleben. Anhand dreier Instrumente aus seiner Sammlung erstellte er Pläne für den Bau einer Emmentaler Halszither, die neuen Erkenntnissen und aktuellen Qualitätsansprüchen entsprechen sollte. Im Dialog mit einer Luzerner Geigen- und Gitarrenbaufirma ist die moderne Hanottere entstanden. Jetzt hofft Mühlemann, «dass ihr Griffbrett in 100 Jahren mindestens ebenso abgegriffen sein wird wie dasjenige der historischen Hanottere».

Am 8.November lädt Mühle-mann bereits zum 8.Mal zu ei-nem Berner Zithertreffen. Neun Laiengruppen werden auftreten. Erstmals sind mit der Association des Citharistes de Mulhouse auch Gäste aus dem Ausland dabei.

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