Zum Hauptinhalt springen

Reto Alt gesteht – Dorf geschockt

Seit acht Jahren Geld veruntreut: Der Wynauer Gemeindeschreiber Reto Alt hat am Mittwoch seine Taten gestanden. Seine öffentliche Erklärung zur Veruntreuung hat die Menschen in Wynau vollends vor den Kopf gestossen.

«Ja, ich habe betrogen, ja, ich habe die mir zur Last gelegten Veruntreuungen begangen.» Die Worte von Reto Alt, bis Montag Gemeindeschreiber von Wynau, stehen in einem Brief, den er gestern Vormittag den Medien zustellte. In den Mittagsnachrichten von Radio 32 hat er diesen selbst verlesen.

Damit bestätigt Alt die Vermutungen, die kursieren, seit die kantonalen Untersuchungsbehörden am Montag im Gemeindehaus erschienen und Akten konfiszierten. Reto Alt bat in der Folge darum, sein Arbeitsverhältnis mit der Gemeinde aufzulösen.

«Ich schäme mich»

Die Verfehlungen können nicht geringfügig sein, denn Alt erklärt: «Ich habe in den vergangen acht Jahren zuerst unregelmässig, danach regelmässig Geldbeträge veruntreut.» Er habe dabei das Vertrauen seiner Familie, seiner Vorgesetzten und der Mitarbeiter «auf massivste Weise verletzt», so Alt. «Ich bedaure dies heute zutiefst, ich schäme mich meiner Taten.» Diese seien von ihm selbst begangen worden, «auf meine Initiative hin, ohne irgendwelchen Druck von aussen».

Der tiefe Fall ihres bisher angesehen Gemeindeschreibers ist im Dorf Gesprächsthema Nummer eins, die Betroffenheit ist gross. Zum Beispiel im Café Pony Kohler. An den Tischen wird gerätselt und spekuliert. Warum hat er das getan? Wo hat er Geld abgezweigt? Wofür brauchte er es? «Wir sind alle enttäuscht», sagt eine Frau, «man versteht das nicht.» Eine andere meint: «Das hätten wir nie gedacht von ihm. Er war so ein netter, umgänglicher Mann.» Den ganzen Tag über habe jeder, der hereinkam, nur davon gesprochen, weiss die Wirtin.

«Ein Vertrauensbruch»

Enttäuscht ist auch Gemeindepräsidentin Esther Plüss. Sie könne es kaum glauben, «es ist ein Vertrauensbruch». Gewerbevereinspräsident Jakob Andres kann die Taten nicht nachvollziehen: «Das ist ein Schock für uns Gewerbler. Wir kannten Reto Alt ja auch als Kollegen.» Als Gemeindeschreiber sei er kompetent gewesen und habe rasch entscheiden können. «Es wird schwierig sein, ihn zu ersetzen.»

Die Untersuchung im Fall Reto Alt führt das Kantonale Untersuchungsrichteramt, Abteilung Wirtschaftskriminalität. Gemäss Untersuchungsrichter Urs Fuhrer werden die beschlagnahmten Akten und die Angaben des Beschuldigten nun aufgearbeitet. «Das wird mehrere Monate dauern», so Fuhrer. Reto Alt habe gegenüber den Untersuchungsbehörden grundsätzlich ein Geständnis abgelegt, das sich etwa mit den bisherigen Erkenntnissen decke. Die Deliktsumme will Fuhrer nicht nennen, doch es liege auf der Hand, «dass es nicht nur ein paar tausend Franken sind». Reto Alt muss gemäss Fuhrer nicht in Untersuchungshaft, denn: «Es besteht keine Fluchtgefahr.»

Wie es auf der Wynauer Verwaltung weitergeht, teilt Gemeindepräsidentin Esther Plüss der Bevölkerung heute in einem Flugblatt mit. Nelly Heusser, Gemeindeschreiberin von Leimiswil, habe sich spontan bereit erklärt, zu helfen, heisst es darin. «Ab sofort wird sie teilweise zur Verfügung stehen.» Zudem stelle die Gemeinde möglichst bald Isabelle Ammann, ehemalige Lehrtochter der Wynauer Verwaltung, an.

Alt bleibt in Wynau

Reto Alt indessen beabsichtigt, in Wynau zu wohnen. In seinem Brief schreibt er: «Trotz allem werde ich versuchen, nicht die Flucht zu ergreifen und in Wynau zu bleiben, um meine Schuld zu begleichen.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch