Schärer-Micheli kurierte wohl auch den Bären

Langnau

Dass der Bären in Langnau als so grosser stattlicher Gasthof gebaut wurde, hat er dem wirtschaftlichen Erfolg von Schärer Micheli Schüpbach zu verdanken – vermutet jedenfalls Hobbyhistoriker Hans Riedwyl.

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Die Tische im Bärensaal füllten sich, als die Volkshochschule Oberemmental zu einem Vortrag über «Micheli Schüpbach und die Herzroute» einlud. Die Herzroute erwähnte Hans Riedwyl dann allerdings nur ganz am Rand. Aber es waren ohnehin mehr der älteste Langnauer Gasthof, der Bären, und die Frage, wie dessen Geschichte mit dem berühmten Schärer Micheli Schüpbach zusammenhing, die das Publikum interessierte.

Riedwyl, der pensionierte Mathematikprofessor, berichtete von seinen Nachforschungen in allerlei Archiven und von alten Verträgen, die ihn Zusammenhänge erkennen liessen. Er hatte entdeckt, dass der Standort des Bären schon für frühere Wirte ein schweres Pflaster gewesen war. Die Vorgänger der aktuellen Betreiber waren nicht die ersten, die Konkurs anmelden mussten. Bis letzten Herbst stand der Gasthof während dreieinhalb Jahren leer .

Wirtschaftsförderung par excellence

Schon zur Zeit, als der Bären noch nicht in seiner heutigen Form existierte, sondern bloss als einfache Taverne, gingen mehrere Pächter damit in Konkurs. Es kam zum Geldstag, einer Versteigerung. Doch weil die Bieter fehlten, habe der Landvogt von Trachselwald, zu dessen Vogtei Langnau damals noch gehörte, die Wirtschaft übernehmen müssen. 1735 habe dieser dann den grossen stattlichen Bären, wie man ihn heute kenne, gebaut, sagte Riedwyl.

Aber vorher habe er sichergestellt, dass in dem Gasthof «auch etwas gehen wird». Für Riedwyl steht fest, dass Micheli Schüpbach der Auslöser für den Bau gewesen sei. «Ein so grosses Gebäude konnte sonst niemand finanzieren», sagte er.

Als 20-jähriger hatte Micheli Schüpbach, der in Biglen geboren wurde, in Langnau eine Schärstube übernommen. – Schärer seien übrigens auch «Bruchbinder» genannt worden, sagte Riedwyl, um zu veranschaulichen, dass deren Tätigkeit mit Haareschneiden nur ganz am Rande zu tun hatte.

Von Beginn weg muss Micheli Schüpbachs Praxis floriert haben. Jedenfalls unterzeichnete er mit dem Vogt einen Vertrag, in dem er sich verpflichtete, den Bären für 12'000 Pfund zu übernehmen. Dabei habe der Vogt aber eine beispielhafte Wirtschaftsförderung vorgelebt, stellte Riedwyl schmunzelnd fest. Micheli Schüpbach musste im ersten Jahr bloss 2000 Pfund, in den folgenden Jahren je 1000 Pfund bezahlen, bis der Kaufpreis beglichen war. «Für ihn war das ein Nasenwasser», sagte Riedwyl.

Gewirtet hat Micheli Schüpbach nie. Aber anfänglich praktizierte er im Bären. Schon 1739 aber baute er laut Madeleine Ryser, der Leiterin des Regionalmuseums Chüechlihus, an der Stelle des heutigen Kirchgemeindehauses eine Praxis mit einem Kurhaus. 1752 dann kaufte er Land auf dem Dorfberg, baute dort ein Doktorhaus und daneben ein Kurhaus. Auch ein Laboratorium habe es auf dem Dorfberg gehabt, erzählte Riedwyl.

Es ging schnell, auch ohne Internet

Als Bergdoktor baute Micheli Schüpbach seine Berühmtheit aus, die weit über die Landesgrenzen hinausreichte. «Wenn er nicht sehr von sich selbst überzeugt gewesen wäre, hätte er nicht so berühmt werden können», kommentierte Riedwyl.

Und er berichtete vom turbulenten Jahr 1758: Im gleichen Jahr, in dem er seine Frau verloren habe, habe Schärer-Micheli eine 19-Jährige geheiratet und auch gleich noch die Tochter mit einem Chirurgen aus Darmstadt verheiratet. – «Partnerwahl im Internet gab es damals noch nicht», witzelte Riedwyl.

Berner Zeitung

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