Seit 51 Jahren packt er mit an

Heimisbach

Seit einem halben Jahrhundert arbeitet Ernst Bieri aus Heimisbach als landwirtschaftlicher Mitarbeiter auf dem Hof, wo er aufgewachsen ist. Zuerst war er bei seinen Eltern angestellt. Seit 1987 hilft er seinem Bruder und seiner Schwägerin.

Das Füttern der Kühe gehört zu den Aufgaben von Ernst Bieri. Der 67-Jährige hilft trotz Pensionsalter jeden Tag im Stall mit.

Das Füttern der Kühe gehört zu den Aufgaben von Ernst Bieri. Der 67-Jährige hilft trotz Pensionsalter jeden Tag im Stall mit.

(Bild: Thomas Peter)

Jacqueline Graber

Ihm hört man gerne zu. Ernst Bieri kann zwar nicht von abenteuerlichen Reisen, von grossen Karriereschritten oder sportlichen Höchstleistungen berichten, nein, er spricht von seiner Tätigkeit als landwirtschaftlicher Angestellter.

Und das ist nicht minder interessant. Denn bereits 51 Jahre arbeitet er auf einem Bauernhof im kleinen Weiler Ober-Rotebüel, wo er auch aufgewachsen ist. Der Betrieb befindet sich über drei Kilometer oberhalb Heimisbach. Bei guter Sicht scheint hier oben der Jura zum Greifen nah.

Mit Grossmutter unterwegs

Zuerst war Ernst Bieri bei seinen Eltern Ida und Ernst angestellt. Seit 1987 arbeitet er für seinen Bruder Werner und seine Schwägerin Heidi Bieri. Obwohl der 67-Jährige vor fast 2 Jahren das Pensionsalter erreicht hat, denkt er nicht ans Aufhören. Täglich hilft er im Stall mit. Zu seinen Aufgaben gehören das Füttern der Kühe, das Tränken der Kälber und das Ausmisten des Stalles.

Ebenso schaut er immer noch zweimal täglich beim Jungvieh zum Rechten. Durchschnittlich neun Rinder sind jeweils in der ein Kilometer entfernten Scheune eingestallt. «Schon als kleiner Bub ging ich mit meiner Grossmutter dorthin. Wir hatten immer eine Sturmlampe dabei.» Seit rund 30 Jahren sorge nun ein Stromaggregat für Licht.

Spezial-Gefährt gekauft

Der Weg zur Scheune ist schmal und ist im Winter nur zu Fuss zu bewältigen. «Doch schon bald kann ich wieder zu den Rindern fahren», freut sich Ernst Bieri. Denn sein Stolz gehört einem Spezialgefährt mit drei Rädern, das hinten über eine Ladefläche verfügt. Dieses steht während der kalten Jahreszeit im Wagenschopf. Der 67-Jährige lässt es sich nicht nehmen, das spezielle Vehikel zu zeigen. Ein Bauer habe das seinerzeit extra anfertigen lassen, um damit die Milchkannen in die Käserei zu fahren. «Und ich habe es ihm vor rund 20 Jahren abgekauft», so Bieri.

Später am Küchentisch, im heimeligen Bauernhaus, erzählt Ernst Bieri von früher. Er sei das älteste von sechs Kindern. Als er in der neunten Klasse war, haben seine Eltern, die damals den Bauernhof bereits in der zweiten Generation führten, einen zweiten Hof dazugepachtet. «Und so war klar, dass ich nach der obligatorischen Schulzeit daheim bleiben würde.» Nebst ihm hätten seine Eltern auch noch einen Knecht, wie man früher sagte, angestellt.

Ernst Bieri erzählt, wie er als junger Mann noch mit der Sägesse das Gras für die Kühe gemäht habe. Und das sei doppelt mühsam gewesen, zumal zum Hof nur stotziges Land gehöre. Auf der Sonnseite habe man zuerst das Gras auf einen sogenannten Schnägg (einem Wagen zur Bewirtschaftung von Land in Hanglage) gebürdet. Dieser Wagen sei nachher mittels Seilwinde hinaufgezogen worden. Auf der Schattseite, die etwas weniger steil sei, habe man das Gras auf ein Pferdefuhrwerk laden können. «Als mein Vater 1975 den ersten Ladewagen kaufte, musste man nicht mehr alles von Hand aufladen», erinnert er sich.

Schulweg dauerte 1 Stunde

Mühsam war auch der Schulweg vom Ober-Rotebüel ins Schulhaus Chramershus. Hinauf dauerte der Marsch 1 Stunde, hinunter schaffte es Ernst Bieri in 45 Minuten. Im Sommer habe er jeweils ein Stück Brot und einen Cervelat zur Verpflegung mitgenommen. Im Winter konnten die Schüler im Schulhaus zu Mittag essen. «Es gab Suppe und Brot oder gekochte Milch und Brot.» Dies sei auch der Grund, wieso er heute keine Milch mehr trinken könne, sagt Ernst Bieri.

Auf etwas anderes jedoch kann der rüstige Senior kaum verzichten. «Seit vielen Jahren besuche ich immer den Langnau-Märit.» Im Sommer nehme er das Töffli, und im Winter könne er jeweils mit einem Bekannten mit dem Auto mitfahren. Denn die Autofahrprüfung habe er nie gemacht.

Ernst Bieri lebt mit seiner Mutter Ida, seinem Bruder Werner und der Schwägerin Heidi im selben Haushalt. Ans Ausziehen oder sogar ans Heiraten habe er nicht gedacht: «Es hat sich halt nicht so ergeben.»

Berner Zeitung

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