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Sie sammeln Pilze – und auch Wissen

Aussehen, Geruch, Farbe – die Mitglieder des Vereins für Pilzkunde Oberburg bestimmten Pilze für ihre alljährliche Ausstellung.

Giftig oder essbar? Hans Peter Hinni, Hansjürgen Zumkehr, Erwin Reusser und Mario Scoziero (von rechts) vom Verein für Pilzkunde Oberburg versuchen die verschiedenen Exemplare zu bestimmen.
Giftig oder essbar? Hans Peter Hinni, Hansjürgen Zumkehr, Erwin Reusser und Mario Scoziero (von rechts) vom Verein für Pilzkunde Oberburg versuchen die verschiedenen Exemplare zu bestimmen.
Marcel Bieri

«Pilze liegen uns einfach am Herzen – nicht nur dass wir sie gerne essen», sagt Jörg Gilgen, Präsident des Vereins für Pilzkunde Oberburg. «Darum wollen wir die Vielfalt dieser einzigartigen Lebewesen an der alljährlichen Ausstellung auf jeden Fall zeigen, auch wenn uns dies dieses Jahr enorm viel Mühe macht.»

Keine Prachtexemplare

Im alten Stöckernschulhaus hat sich ein Dutzend Leute versammelt. Heute bestimmen sie Pilze nicht nur zum eigenen Vergnügen, die Vereinsmitglieder bereiten die Pilzausstellung vom 10. und 11.Oktober vor. Doch: «So schlechte Wetterbedingungen wie dieses Jahr hatten wir meiner Lebtage noch nie», seufzt Gilgen und scherzt, es habe mehr Leute als Pilze hier. Das stimmt natürlich nicht, insgesamt zählt man etwa siebzig Behälter mit Pilzen. Er und die anderen «Pilzler» suchten den ausgetrockneten Waldboden ihrer Lieblingsplätze ausgiebig nach schönen Exemplaren ab. Es versteht sich, dass diese Fundorte geheimer gehalten werden als der Code der Kreditkarte. Doch diesen Herbst erregt kein Prachtexemplar den Neid des Betrachters. Die grösseren Pilze sind alt und schrumpelig, zeigen Spuren von Wurm- und Schneckenbefall.

Schwierige Aufgabe

Tief über den Tisch gebeugt drehen und wenden die Pilzkundigen ihr Exponat, riechen, schmecken vorsichtig (es könnte ja giftig sein) mit der Zungenspitze, reiben mit dem Fingernagel, betrachten es unter der Lupe oder dem Mikroskop. Fleissig wird im Pilzlexikon geblättert, mit dem Messer seziert und notfalls der Nachbar zu Rate gezogen. Dann wird eine Karte ausgefüllt und der Teller mit dem Ausstellungspilz zu den andern gebracht. Bei über 100 einheimischen Gattungen und 5000 Unterarten ist das Bestimmen nicht einfach. Am Ende wird Gilgen die Resultate überprüfen und mit der Gruppe besprechen.

Am knackigsten sehen Satans- und Hexenröhrling aus, doch die sind zum Verzehr nicht empfohlen. Überhaupt überwiegt die Anzahl ungeniessbarer oder sogar giftiger Pilze diejenige der essbaren. Schade, wenn man an die leckeren Pilzpastetchen denkt. Doch Jörg Gilgen warnt, Pilze seien kein Fleischersatz, sondern eine Leckerei und, da schwer verdaulich, mit Mass zu konsumieren. Echte Pilzfreunde, wie sie hier versammelt sind, zieht es jedoch nicht nur der Beute wegen in die Wälder, sie sind Idealisten. Eigentlich sammeln sie Wissen, nicht Pilze. Glücklicherweise sind sie als Pilzfachleute auch bereit, die von eifrigen Pilzsammlern geernteten Pilze zu kontrollieren. Ein Job mit grosser Verantwortung und kleinem Lohn.

Nachwuchs vorhanden

Heute Abend sind fünf Neulinge dabei, die sich von Pilzfachfrau und Kontrolleurin Marlies Reist in die grundsätzlichen Geheimnisse der Pilzkunde einweisen lassen. Als Beispiel hat sie sich Ritterlinge vorgenommen. Es gilt, Hutform, Farbe, Lamellen, Stängel, Saft, Geruch und Geschmack zu beurteilen. Anwesend ist auch eine Kandidatin für das Pilzkontrolleurinnenexamen. Gilgen freut sich über die Interessierten und hofft, dass die Ausstellung weiteren Zulauf für den Pilzverein bringen wird.

Pilzausstellung in der Mezwan, Oberburg, mit Pilzverkauf und Zvieri. Sa, 10.Oktober, 17–22 Uhr, So, 11.Oktober, 10–16 Uhr. Pilzbestimmungsabende bis 21.Oktober dienstags, 19.30–21.30 Uhr, ausser während der Schonzeit.

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