SVP bringt Tunnel zurück aufs Tapet

Bipperamt

Im Zuge des 6-Spur-Ausbaus möchte die SVP Niederbipp die Autobahnstrecke Oensingen–Wangen untertunneln lassen. Ein neugegründetes Komitee soll noch in diesem Jahr beim Bund einen entsprechenden Antrag einreichen.

Streben eine Untertunnelung an: Präsident Niklaus Burri und Gemeinderat Walter Jäissli (SVP) auf der Autobahnbrücke bei Oensingen SO.

Streben eine Untertunnelung an: Präsident Niklaus Burri und Gemeinderat Walter Jäissli (SVP) auf der Autobahnbrücke bei Oensingen SO.

(Bild: Olaf Nörrenberg)

Walter Jäissli und Niklaus Burri blicken von der Autobahnbrücke hinunter auf die A1, die sich bei Oensingen SO Richtung Niederbipp und Wiedlisbach durch die Ebene schlängelt. Die beiden SVP-Politiker aus Niederbipp freut es nicht, was sie da sehen.

«Unsere Region ist von dem zunehmenden Strassenverkehr besonders stark betroffen», sagt Jäissli. Nicht nur wegen des vielen Lärms, es gehe auch wichtiges Kulturland verloren. Dieses, so Jäissli, werde durch die Autobahn diagonal durchschnitten. Und damit nicht genug: Um Staus und Überlastungen zu reduzieren, will der Bund zwischen Luterbach und Härkingen die Autobahn auf 6 Spuren ausbauen.

Sollten dann im Kampf gegen den Lärm Schutzwände installiert werden, wäre das ein enormer Eingriff in die Landschaft, ist sich Gemeinderat Jäissli (Ressort Bau) sicher. Die Autobahn verlaufe auf einem rund drei Meter hohen Damm. «Kommt da noch eine drei bis dreieinhalb Meter hohe Lärmschutzwand obendrauf, haben wir eine chinesische Mauer, die von überallher zu sehen sein wird.»

Umweltfreundliche Lösung

Im Interesse von Niederbipp und der ganzen Region habe er sich deshalb Gedanken gemacht, wie dieses Problem zu lösen sei, sagt Jäissli. Sein Vorschlag: Die A1 zwischen dem Autobahnanschluss in Oensingen und jenem in Wangen-Wiedlisbach soll unter Tage verlegt werden.

Eine solche Untertunnelung mit einer leicht abgeänderten Streckenführung wäre für alle Seiten ein grosser Gewinn, sind sich Walter Jäissli und SVP-Präsident Niklaus Burri sicher. Für beide liegen die Vorzüge auf der Hand: Die Fruchtfolgeflächen würden zurückgewonnen, der Lärm beseitigt und eine grosse Lärmschutzwand verhindert. Weiter wäre es eine umweltfreundliche Lösung, gibt Jäissli zu bedenken. Insbesondere auch für die Tiere. Von der Vogelwarte Sempach habe er Belege, dass die offene Ebene in der Region Niederbipp-Oensingen eines der wichtigsten Verbreitungsgebiete für die Feldlerche sei. Diese stehe auf der Roten Liste als potenziell gefährdet. Auch Feldhasen gebe es in diesem Gebiet viele. «Die geplante Wildtierbrücke würde durch eine Untertunnelung überflüssig», meint Jäissli.

Jäissli selbst Landbesitzer

Mit ihrer Forderung nach einem Tunnel steht die SVP Niederbipp nicht alleine da. Bereits während der Vernehmlassung zum A-1-Ausbau war in Wangen und Oberbipp angeregt worden, ein Teilstück der Autobahn zu untertunneln – einmal von Wangen bis Niederbipp und einmal von der Höhe Oberbipp bis Wangen-Wiedlisbach.

Ein Tunnel beim Wangenstutz hätte unverhältnismässige Mehrkosten bei Bau, Betrieb und Unterhalt zur Folge, teilte dann aber der Kanton letzten Herbst in seiner Stellungnahme an den Bund mit. Die geprüfte Tunnelvariante würde 416 Millionen Franken mehr kosten und wäre damit achtmal teurer als die Variante ohne Tunnel, hiess es. Und auch im Kanton Solothurn wurde zuletzt über einen Tunnel diskutiert. Ein gemeinsames Komitee von Pro Natura und dem Solothurner Bauernverband hatte sich dort für einen Tunnel im Gäu starkgemacht.

Walter Jäissli ist überzeugt, dass sich eine Untertunnelung im Bipperamt verhältnismässig leicht realisieren lassen würde. Das viele Rundkies, das dort unter der Autobahn verbaut worden sei, werde im Falle einer Untertunnelung frei und lasse sich bei der Verbreiterung der Autobahn leicht wiederverwenden, sagt er. Zudem besitze der von ihm vorgeschlagene Tunnel einen abgeänderten Streckenverlauf. Während einer ersten Bauphase könne die bestehende Autobahn deshalb weiter benutzt werden. Walter Jäissli selbst besitzt im Gebiet zwischen Oensingen und Niederbipp, auf Höhe der Motocrosspiste, 2,9 Hektaren Land. Weiteres Land in der Nähe seines Bauernhofes am Grabenmattweg hat er von der Burgergemeinde gepachtet.

Erste Komiteesitzung im März

Seine Forderung nach einem Tunnel hat Jäissli Ende Januar beim Gemeinderat eingereicht. Dieser hat sich mittlerweile entschlossen, ein überparteiliches Komitee ins Leben zu rufen, das nun nähere Abklärungen treffen soll. Neben Jäissli werden darin auch die Gemeinderäte Daniel Gnägi (SP), Daniel Nyffeler (FDP) und Peter Marti (FDP) Einsitz nehmen.

Laut Jäissli wird das neue Komitee bereits diesen Monat zu einer ersten Sitzung zusammenkommen. Ziel sei es, noch in der ersten Jahreshälfte beim Bundesamt für Strassen einen Antrag für eine Kosten-Nutzen-Analyse einzureichen. Ausserdem gehe es darum, so viel politische Unterstützung wie möglich an Bord zu holen, sagt er. Jener des Berner Bauernverbands Lobag könne sich das Komitee bereits sicher sein. Auch an der nötigen Unterstützung aus der Bevölkerung werde es nicht fehlen, so Jäissli. «Wenn die Leute realisieren, was eine solche Lärmschutzwand für das Landschaftsbild bedeutet, wird die Zustimmung rasch wachsen.»

Berner Zeitung

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