Ungewisse Zukunft für die Brockenstube

Aarwangen

Die Planung für die Überbauung des Gebiets hinter dem Bahnhof in Aarwangen läuft. Unklar ist, was aus der Brockenstube des Gemeinnützigen Frauenvereins wird.

Möchten ihre Brockenstube nicht aufgeben: (v.l.) Frauenvereinspräsidentin Yvonne Jufer sowie die Brocki-Leiterinnen Evi Schüpbach, Madlen Gerber, Christine Nyfeler und Patrizia Schneider.

Möchten ihre Brockenstube nicht aufgeben: (v.l.) Frauenvereinspräsidentin Yvonne Jufer sowie die Brocki-Leiterinnen Evi Schüpbach, Madlen Gerber, Christine Nyfeler und Patrizia Schneider.

(Bild: Thomas Peter)

Kathrin Holzer

Weit über hundert Kinder nutzen im Sommer jeweils das Angebot des Aarwanger Ferienpasses. Mit Grittibänzen und Schinken werden im Dezember die über 80-jährigen Dorfbewohner beschenkt. Mehr als 1300 Franken sind 2014 allein in den Geranienschmuck fürs Altersheim Riedli geflossen.

Das Tätigkeitsfeld des Gemeinnützigen Frauenvereins Aarwangen ist vielfältig. Rund 10'000 Franken investiere der Verein jährlich in wohltätige Zwecke, sagt Präsidentin Yvonne Jufer. Dazu kommt die jährliche Bevorschussung von zweien der insgesamt vier GA-Tageskarten der Gemeinde in Höhe von weiteren rund 25'000 Franken.

Entsprechend unverzichtbar ist für den mittlerweile 84-jährigen Verein daher dessen Brockenstube. Denn als Haupteinnahmequelle ist sie es, die den allesamt ehrenamtlichen Akteuren ihr Engagement für die Gemeinschaft überhaupt erst ermöglicht.

Doch die Zukunft ist alles andere als gewiss. Denn in absehbarer Zeit wird die Brockenstube ihren langjährigen Standort im ehemaligen Gemeindemagazin hinter dem Aarwanger Bahnhof räumen müssen.

Neue Wohnungen

Die Ausgangslage ist nicht neu: Schon bei der Präsentation des Masterplans der Gemeinde 2010 wurde informiert, dass das Areal dereinst verdichtet und deshalb der Konsens zwischen der Gemeinde, der Aare Seeland mobil (ASM) sowie zwei Privaten als die involvierten Grundeigentümer gesucht werden solle. Wie der Gemeinderat jetzt informiert, konnte eine entsprechende Planungsvereinbarung inzwischen unterzeichnet werden.

Ziel sei es in einem ersten Schritt nun, das noch freie Land mit neuen Wohnungen zu überbauen, erklärt Gemeindepräsident Kurt Bläuenstein (FDP). Das ehemalige Gemeindemagazin sei Teil dieser Gesamtplanung. Einem Verkauf und der späteren Überbauung der Parzelle werde aber erst ein Landabtausch mit der ASM vorangehen. Diese sei «daran interessiert, sich entlang der Geleise Land zu sichern», so Bläuenstein.

Ehe überhaupt ein Baugesuch eingereicht werden könne, werde die Navin AG als künftige Grundeigentümerin nun eine Überbauungsordnung für die gesamte Zone mit Planungspflicht erarbeiten, erklärt Beat Müller vom Planungsteam und Verwaltungsratsmitglied der Navin AG. Die Überbauungsordnung werde dem Gemeinderat voraussichtlich Mitte 2016 vorgelegt werden. Mindestens so lange werde die Brockenstube daher an ihrem Standort bleiben können.

Keine freien Gemeinderäume

Beim Frauenverein ist man entsprechend alarmiert, hat man die Mitglieder über den Sachverhalt informiert und die Suche nach einem neuen Standort längst begonnen. Bisher ohne Erfolg, erklärt Yvonne Jufer. Das Problem: Um ähnliche Bedingungen vorzufinden wie heute, müsste der Verein wohl auch künftig eine Gemeindeliegenschaft nutzen können. Die rund 240 Quadratmeter grosse Fläche im ehemaligen Gemeindemagazin nämlich stellt die Gemeinde gratis zur Verfügung; nur für die Nebenkosten muss der Frauenverein aufkommen.

Dass die Gemeinde auch künftig ein ähnliches Angebot bereitstellt, ist jedoch eher unwahrscheinlich. «Der Frauenverein ist wichtig für die Gemeinde», sagt Gemeindepräsident Bläuenstein. «Aber wir haben eigentlich keine weiteren Liegenschaften», verweist er auf das von der Kindertagesstätte belegte Beerihuus und das vom Sozialdienst genutzte Tierlihuus, «es müsste schon eine Lösung mit Privaten gefunden werden». In welcher Form dann eine finanzielle Abgeltung erfolgen könnte, sei offen.

Der Vereinsvorstand werde sich auch weiterhin intensiv mit der Suche nach einem neuen Standort auseinandersetzen und bei der Gemeinde hoffentlich bald mit einem konkreten Vorschlag vorstellig werden können, sagt Yvonne Jufer. Denn nur mit der Brockenstube und nach wie vor günstigen Konditionen könne der Frauenverein auch weiterhin dermassen viel in gemeinnützige Projekte für die Bevölkerung investieren.

Berner Zeitung

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