Verkehrssanierung wird so oder so teuer

Langenthal/Aarwangen

Vor dem Entscheid des Grossen Rates über die Reservation von Fondsgeldern für die Verkehrssanierung Aarwangen-Langenthal-Nord stellt sich die Frage: Wo steht das Projekt überhaupt?

Stockender Verkehr in Aarwangen, und mittendrin die Schiene: Erste Zwischenergebnisse des laufenden Vorprojekts zur Verkehrssanierung zeigen, dass für eine flüssigere und sicherere Ortsdurchfahrt die ASM-Linie auf zwei Spuren ausgebaut werden muss.

Stockender Verkehr in Aarwangen, und mittendrin die Schiene: Erste Zwischenergebnisse des laufenden Vorprojekts zur Verkehrssanierung zeigen, dass für eine flüssigere und sicherere Ortsdurchfahrt die ASM-Linie auf zwei Spuren ausgebaut werden muss.

(Bild: Thomas Peter)

Dominic Ramel

Anfang nächster Woche entscheidet das bernische Kantonsparlament darüber, ob das verbleibende Geld aus dem Investitionsspitzenfonds für die zwei Verkehrssanierungsprojekte im Oberaargau und im Emmental reserviert werden.

So beantragen es der Regierungsrat und die grossrätliche Finanzkommission. Es handelt sich um 149,4 bis maximal 282,5 Millionen Franken. Es geht nächste Woche einzig um die Reservation dieser Fondsgelder, nicht jedoch um einen Variantenentscheid respektive konkrete Projektierungs- oder gar Ausführungskredite.

So weit sind die beiden Projekte nämlich noch gar nicht. Aber wo steht denn das Projekt Verkehrssanierung Aarwangen-Langenthal-Nord, welches bis im Juni 2013 «Autobahnzubringer Oberaargau» genannt wurde?

Vorprojekt liegt Ende Jahr vor

Im September 2012 hat der Grosse Rat einen Kredit von 2,1 Millionen Franken für ein Vorprojekt gesprochen. Diese Arbeiten verlaufen laut Regierungsrat «planmässig». Dabei wird nicht nur die Variante neue Umfahrungsstrasse mit flankierenden Massnahmen erarbeitet, sondern auch die Variante Null+ mit Verbesserungen der bestehenden Ortsdurchfahrt ohne Umfahrung.

Zudem sollen mögliche vorgezogene beziehungsweise unabhängige Massnahmen sowie mögliche Übergangsmassnahmen bis zur allfälligen Realisierung einer Variante aufgezeigt werden, aber auch Etappierungsmöglichkeiten.

Vor zweieinhalb Wochen hat Regierungspräsidentin und Bau- und Verkehrsdirektorin Barbara Egger (SP) Vertreter der betroffenen Gemeinden und involvierten Organisationen in Aarwangen über den aktuellen Stand des Vorprojekts informiert. Nach ihren dortigen Ausführungen sollen im vierten Quartal dieses Jahres eine öffentliche Mitwirkung und eine Ausstellung zum Vorprojekt stattfinden. Bis dahin werden die Varianten einander gegenübergestellt und bewertet.

Nach der Mitwirkung soll das Vorprojekt 2016 bereinigt und abgeschlossen werden, sodass noch im gleichen Jahr der Entscheid über das weitere Vorgehen, sprich: der Variantenentscheid, gefällt werden kann.

«Bipperlisi» mit Doppelspur

Egger präsentierte an dieser nicht öffentlichen sogenannten Informationssitzung erste Zwischenergebnisse der laufenden Arbeiten. Die wichtigste Erkenntnis: Teuer wird es so oder so. Auch die Variante Null+ ist nicht zum Tiefpreis zu realisieren. Denn: Damit die Verkehrssicherheit bei der Variante Null+ gewährleistet werden kann, so die Erkenntnis des Kantons, muss die Bahnstrecke der Aare Seeland mobil (ASM) durch Aarwangen auf Doppelspur ausgebaut werden; das «Bipperlisi» würde wie ein Tram auf beiden Fahrbahnen verkehren. Nur so kann laut dem Kanton die Sicherheit «verkehrsträgerübergreifend» für Strasse, ÖV und Langsamverkehr erhöht werden.

Hinzu kommt: Ohne Umfahrungsstrasse muss der Kreisel Hard in Langenthal (Kreuzung Bern-Zürich-Strasse und Aarwangenstrasse) «voraussichtlich» in einen Knoten mit Lichtsignalanlage umgebaut werden. Und: Der Kreisel Dreilinden (Kreuzung Bern-Zürich-Strasse und Bützbergstrasse) muss in beiden Szenarien «voraussichtlich» in einen Knoten mit Lichtsignalanlage umgebaut werden.

Das heisst: Auch bei der Variante Null+ reichen blosse «kosmetische» Eingriffe nicht. Es braucht auch hier gröbere bauliche Massnahmen, die entsprechend hohe Kosten verursachen.

Was die Umfahrung bringt

Die weiteren wichtigen Zwischenergebnisse des laufenden Vorprojekts, welche der Kanton in Aarwangen präsentierte:

  • Mit der Umfahrungsstrasse könnten die Ortsdurchfahrten von Aarwangen und Bannwil sowie die Bern-Zürich-Strasse entlastet werden. Im Gegenzug würde jedoch das Teilstück zwischen der Einmündung dieser neuen Strasse in die Bern-Zürich-Strasse in Bützberg bis Dreilinden massiv mehr belastet.
  • In Langenthal würde sich der Verkehr mit der Umfahrung von der Aarwangen- auf die Bützbergstrasse verlagern.
  • Die Umfahrungsstrasse brächte für die Ortsdurchfahrten von Bützberg und Schwarzhäusern keinen Mehrverkehr.
  • Ohne Umfahrung sind die Ziele der Siedlungsentwicklung gemäss dem Regionalen Gesamtverkehrs- und Siedlungskonzept Oberaargau «kaum erreichbar».
  • Die neusten Erkenntnisse aus den Sondierbohrungen verteuern die Umfahrung nicht.
  • Ein Industrieanschluss in Aarwangen an die Umfahrung würde die Ortsdurchfahrt zusätzlich entlasten.

Die Varianten will der Kanton mit einer «einschlägigen Bewertungsmethodik» vergleichen, die auch der Bund anwende. Dabei sollen die drei Oberziele Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft mit je 33 Prozent gewichtet werden.

Für den Regierungsrat ist klar, dass «die massiven Verkehrsprobleme» in den zwei Gebieten «in den nächsten Jahren zwingend und nachhaltig» gelöst werden müssen. So steht es im Vortrag an den Grossen Rat. Die Strassenverkehrssituationen bei Aarwangen und im Raum Burgdorf seien «die problematischsten im Kanton Bern», schreibt die Regierung zur Begründung. «Deren Verbesserung wird nicht nur die Regionen entscheidend weiterbringen, sondern den ganzen Kanton.»

Fondsgeld: Jetzt oder nie mehr

Der Kanton rechnet mit Gesamtkosten von brutto 300 bis 500 Millionen Franken. Unklar ist bis dato, in welchem Umfang sich der Bund (im Rahmen flankierender Massnahmen zum Sechsspurausbau der A1) finanziell beteiligen wird. So oder so wäre die finanzielle Belastung für den Kanton hoch.

Deshalb sollen die restlichen Fondsmittel für diese beiden Projekte reserviert werden. Denn, so schreibt die Regierung: «Sollte sich später zeigen, dass die beiden Verkehrssanierungsprojekte ohne Fondsmittel tatsächlich nicht finanzierbar sind, müssten sie scheitern.» Dies, weil ein späterer Rückgriff auf die ungenutzten Fondsgelder ausgeschlossen wäre. Das Geld würde bei einem Nein des Grossen Rates in die allgemeine Staatsrechnung fliessen und für den Schuldenabbau verwendet.

Berner Zeitung

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