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Vom Kultgoalie zum Feuerwehrchef

Einst hütete Werner Eberle das Tor beim SC Langnau und erlangte auch für seine Purzelbäume, die er nach jedem Sieg schlug, Berühmtheit. Anfang 2012 tritt er nun ein ganz anderes Amt an: Er wird neuer Langnauer Feuerwehrkommandant.

Werner Eberle: Um ihn in die Feuerwehr zu locken, brauchte es seinerzeit viel Überzeugungskunst. Heute ist froh, dabei zu sein.
Werner Eberle: Um ihn in die Feuerwehr zu locken, brauchte es seinerzeit viel Überzeugungskunst. Heute ist froh, dabei zu sein.
Thomas Peter

«Dieses Gefühl, Feuerwehrmann zu sein, das lässt sich fast nicht beschreiben», sagt Werner Eberle. Dieses Gefühl, wenn zum Beispiel der eine Teil eines Bauernhauses beim Eintreffen der Feuerwehr in Flammen stehe und es dennoch gelinge, den anderen Teil zu retten, dieses Gefühl, jemandem helfen zu können, das tue wahnsinnig gut.

Aber, wendet der Nichtfeuerwehrmann ein, wäre es denn nicht besser, darauf zu hoffen, möglichst nie ausrücken zu müssen? «Das ist wie beim Eishockey», antwortet Eberle, «wenn du Ersatzgoalie bist, wünschst du dem Nummer-1-Goalie auch keine Verletzung – und hoffst dennoch, spielen zu können und dabei erfolgreich zu sein.» Ziemlich ähnlich gehe es ihm nun in der Feuerwehr Langnau, die als Stützpunktfeuerwehr 80 bis 100 Einsätze pro Jahr leisten muss. Um so oft helfen zu können, nehme man auch den Aufwand von gegen 40 Übungen und Kaderrapporten in Kauf.

300 Spiele

Werner Eberle weiss, wovon er spricht. Viele Jahre war er Eishockeytorhüter – zuerst in Chur, wo er aufgewachsen ist, danach beim EHC Arosa und beim EV Zug, ehe er 1988 zum damals soeben in die NLB abgestiegenen SC Langnau wechselte. Sieben Jahre hütete er das Tor des Emmentaler Traditionsvereins, durchlebte Höhen ebenso wie die absoluten Tiefpunkte, die beiden Abstiege in die 1. Liga. Um die 300 Mal spielte er im Tigerdress, und nach jedem Sieg verabschiedete er sich mit einem Purzelbaum von den Fans. Zum letzten Mal 1995.

Am 1.Januar 2012 tritt Eberle nun wieder in die Öffentlichkeit: Der Gemeinderat hat ihn als Nachfolger von Stefan Rüfenacht zum neuen Kommandanten der Feuerwehr Langnau gewählt. Es ist dies die Krönung einer Karriere, die 1999 begann. «Der damalige Kommandant fragte mich, ob die Feuerwehr nicht etwas für mich wäre», erzählt der 45-Jährige. Zuerst wollte er Nein sagen, denn als Büromensch habe er vor handwerklichen Tätigkeiten und Maschinen grossen Respekt. «Schliesslich konnte er mich aber überzeugen, zuzusagen.»

Den Piepser stets dabei

Schritt für Schritt machte Eberle den Grund-, Atemschutz- und Strassenrettungskurs, die Lastwagenprüfung, wurde Gruppenführer und stieg dann zum Einsatzleiter auf. Parallel dazu erfuhr er einmal mehr, wie wichtig Teamwork ist. Denn als Mitglied der Strassenrettung wurde er mehrmals zu Verkehrsunfällen mit Schwerverletzten oder sogar Todesopfern gerufen. Die Aufgabe, diese Menschen zu bergen, «übernehmen nur die, die sich in diesem Moment dazu imstande fühlen». Und nach dem Einsatz sitze das ganze Team zusammen, spreche über den Einsatz – «das hilft unglaublich», sagt Eberle. «Auf diese Weise müssen wir möglichst wenig Belastendes mit nach Hause nehmen.»

Zu Hause fühlt sich Werner Eberle, der Churer, längst in Langnau. Hier lebt seine Familie – die Kinder sind 18-, 15- und 13-jährig –, hier ist er Torhüter-Stufenchef bei den SCL Young Tigers und hier hat er seinen Arbeitsplatz. Er ist Vorsorge- und Versicherungsberater bei der Mobiliar und für die Gebiete Bärau, Gohl, Langnau, Oberfrittenbach zuständig. Den Funkrufempfänger der Feuerwehr, den schwarzen Piepser, hat er stets dabei. Aber «vielleicht erst zwei- oder dreimal» habe er ein Beratungsgespräch bei einem Kunden vorzeitig beenden müssen, um in die Feuerwehr einzurücken.

Ein Nehmen und Geben

Um den Job bei der Versicherung und ein solches Amt bei der Feuerwehr unter einen Hut zu bringen, ja, da brauche man einenverständnisvollen Arbeitgeber. Auf der anderen Seite könne er im Job auch viel von seinen Beziehungen aus der Feuerwehr profitieren, sagt Werner Eberle. Und von seiner Bekanntheit, die er als Langnau-Goalie erlangte. «Vor allem auf die Purzelbäume werde ich noch heute angesprochen.»

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