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Von der «Königin der Nacht» bis zum «Kriechenden Teufel»

Eine stachelige Angelegenheit: Martin Hubacher sammelt Kakteen. Rund 2000 hegt und pflegt der 42-Jährige aus Lyssach in einem Treibhaus in seinem Garten.

Martin Hubacher im Treibhaus hinter dem Haus. Rund zweieinhalb Stunden dauert das Giessen sämtlicher Kakteen.
Martin Hubacher im Treibhaus hinter dem Haus. Rund zweieinhalb Stunden dauert das Giessen sämtlicher Kakteen.
Beat Mathys
Die «Königin der Nacht» beeindruckt mit ihren grossen Blüten.
Die «Königin der Nacht» beeindruckt mit ihren grossen Blüten.
Beat Mathys
Jedes Gartenzenter dürfte bei diesem Anblick neidisch sein.
Jedes Gartenzenter dürfte bei diesem Anblick neidisch sein.
Beat Mathys
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Gefallen hätten sie ihm schon immer, «der Stacheln wegen», sagt Martin Hubacher – und begutachtet sein Kakteenparadies. Hier, am Dorfeingang von Lyssach, in einem Treibhaus hinter dem Haus, ist der 42-Jährige fast täglich anzutreffen. Manchmal auch einfach nur zum «Abefahre» nach der Arbeit.

Rund 2000 Kakteen (600 verschiedene Arten) besitzt der gebürtige Heimisbacher – und hegt und pflegt diese auf circa fünfzig Quadratmetern in und um das Treibhaus. «Ich stosse an die Kapazitätsgrenze», sagt Hubacher, aber auch: «Ein Ausbau ist bereits geplant.»

Ein kleiner, grüner Kaktus

Angefangen habe alles vor rund 20 Jahren mit einem – um es in den Worten des Vokalensembles Comedian Harmonists zu schreiben – «kleinen, grünen Kaktus» aus dem Baumarkt. «Ein Sammler war ich damals noch nicht und auch kein Kenner der stacheligen Pflanze.» Dass Kakteen auch blühen können, wusste er lange Zeit nicht. «Ich habe sie früher sowieso meist zu Tode gepflegt», sagt er. So pflegeleicht ein Kaktus auch sein mag, einige Dinge gilt es dann doch zu beachten. «Das häufigste Problem ist die Überwässerung», erklärt Hubacher. Er habe sich dann zum besseren Verständnis ein Buch gekauft. Das war vor sieben, acht Jahren. Und geboren war der Kakteensammler.

Mittlerweile beherbergt Hubacher zu Hause rund 170 Bücher über Kakteen, bis zurück ins Jahr 1880. Dies hat jedoch einen speziellen Grund. Der Sammler ist Vorstandsmitglied bei den Kakteenfreunden Bern, wo er das Amt des Bibliothekars ausübt. Die Bücher sind in einem Schrank im Estrich verstaut und kommen nur selten zum Einsatz. Heutzutage informiere man sich vermehrt online. «Es gibt Foren, in welchen wir Sammler uns austauschen können.»

Eine Frage der Zeit

Kakteen sind in der Regel bezahlbar. «Mehr als 100 Franken habe ich noch nie für ein Exemplar ausgegeben», sagt denn auch Hubacher. Zwei- bis dreimal pro Jahr fährt er ins Thurgauische. In Sirnach befindet sich eine Gärtnerei, die in ihren Gewächshäusern mehrere Zehntausend Kakteen pflegt – und zum Verkauf anbietet. Selber mit Kakteen handeln, das will Hubacher hingegen nicht. «Dazu fehlt mir schlicht die Zeit.» Der gelernte Maurer arbeitet zu hundert Prozent in seinem Beruf – und hat noch ein zweites zeitintensives Hobby. Er hor­nusst in der Nationalliga B, bei der HG Rüdtligen-Alchenflüh.

Liegestuhl-Temperatur

Am meisten Zeit in Anspruch nimmt das Giessen der Kakteen. Hubacher tut dies alle zwei Wochen. Dauer: zweieinhalb Stunden. Über Weihnachten und Neujahr widmet er sich zudem dem Umtopfen. «Dann bin ich rund zehn Tage nonstop beschäftigt.» Ja, und dann spielt Martin Hubacher auch noch Biene. Mit einem Pinsel bestäubt er seine Kakteen. Um weitere Samen zu ziehen. Eine «Gäggeliarbeit» und der Grund, wieso er von jeder Pflanze zwei Exemplare kauft.

Eine einleuchtende Erklärung, wieso Hubacher gern Zeit bei seinen Kakteen verbringt, könnte die Temperatur im Treibhaus sein. Diese liegt zwischen 25 und 30 Grad. «Im Winter haben mich Nachbarn schon gefragt, ob sie im Treibhaus einen Liegestuhl aufstellen dürften.» Um sich dann wie in Südamerika zu fühlen, der Heimat vieler Kakteen.

Und der sticht, sticht, sticht

Martin Hubacher, der mit seiner Partnerin in einem umgebauten Bauernhaus wohnt, tut sich schwer, aus seiner Sammlung einen Favoriten hervorzuheben. «Jene, die schön leuchtend blühen, gefallen mir», sagt er. Davon hat er allerdings rund 600 Stück. Speziell erwähnt er dann doch noch einen Kaktus, den 110 Zentimeter hohen Helianthocereus poco, den er vor drei Jahren von einem heute 86-jährigen Vereinsmitglied erhalten hat. «Ich bin mit meinen 42 Jahren der Jüngste bei den Berner Kakteenfreunden», sagt Hubacher und weiss, dass er somit für die anderen auch ein «dankbarer Abnehmer» ist. Der Kaktus ist bereits 40 Jahre alt, «und er wird mich überleben», können doch Kakteen auch mal 250 Jahre alt werden. Aber auch Exemplare mit so exotischen Namen wie «Königin der Nacht» und «Kriechender Teufel» beherbergt er in seinem Treibhaus. Merken könne er sich die Namen nicht alle. «Die Gattung kann ich zuordnen, aber mit den vielen lateinischen Namen habe ich so meine Mühe.»

Und wie ist das mit dem Stechen? «Das passiert ganz oft, da ich keine Handschuhe trage.» Insbesondere von den Kleinen habe er sich schon viele der feinen Stacheln eingefangen. Ja, der kleine grüne Kaktus, der sticht, sticht, sticht.

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