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Wenn die Majorin pfeift, gilts ernst

Die Schülerguggenmusik Tönlifurzer ist an der Fasnacht alleine unterwegs. Damit alles mit rechten Dingen zugeht, setzt Tambourmajorin Nicole Lüthi auch mal die Trillerpfeife an.

Sichern den Langenthaler Fasnachtsnachwuchs: Die Schülerguggenmusik Tönlifurzer beim Proben im Jugendhaus Neon.
Sichern den Langenthaler Fasnachtsnachwuchs: Die Schülerguggenmusik Tönlifurzer beim Proben im Jugendhaus Neon.
Walter Pfäffli

Für einmal dringen keine harten Beats, sondern schräge Töne aus dem Jugendtreff Neon bei der Alten Mühle in Langenthal. Im oberen Stock des Hauses haben sich 47 Jungen und Mädchen zur Probe versammelt. Die 15-jährige Nicole Lüthi aus Langenthal gibt den Ton an. Wer in die Pausen plappert, tutet oder auf die Trommel haut, bekommt es mit ihrer Trillerpfeife zu tun. «Ich wäre ja am Abend heiser, wenn ich den Lärm mit meiner Stimme übertönen müsste», meint die junge Frau. Trotzdem muss sie sich auch ohne Pfeife durchsetzen können: Die Tambourmajorin hat Vorbildfunktion und sorgt dafür, dass die Fünft- bis Neuntklässler der Schülerguggemusik Tönlifurzer auch an der Fasnacht die Regeln einhalten.

Selbstverantwortung tragen

Denn die Tönlifurzer werden an der Fasnacht nicht von Erwachsenen begleitet. Diese bleiben als sogenannte Gotten und Göttis im Hintergrund. «Gotte» Henriette Pfäffli findet es wichtig, dass die Jugendlichen Selbstverantwortung übernehmen. «Eine Dauerkontrolle durch Erwachsene bringt nichts», ist sie überzeugt. Die Gruppe sei durchaus in der Lage, sich selbst zu kontrollieren. Sollte es dennoch einmal brenzlig werden, kann die Tambourmajorin «Gotte» Colette Widmer zu Hilfe rufen. «Aber das ist bis jetzt noch nie nötig gewesen», betont Nicole Lüthi.

Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit werden grossgeschrieben bei den Tönlifurzern – Rauchen, Alkohol und Drogen indes sind für die Schülergugge tabu. Zwar habe sie schon einmal jemanden beim Rauchen erwischt, erzählt Colette Widmer: «Die Zigi wurde aber anstandslos gelöscht, und es kam nicht wieder vor.» Auch seien schon Guggemitglieder an der Fasnacht betrunken unterwegs gewesen. «Dies war aber immer nach den Einsätzen und wurde uns von Aussenstehenden mitgeteilt», betont Widmer. Denn die Regeln bei den Tönlifurzern sind klar: Sobald die jugendlichen Guggenmusiker ihren offiziellen Auftritt an der Fasnacht beendet haben, tragen die Eltern wieder die Verantwortung für ihre Sprösslinge.

Freude an der Geselligkeit

Der 15-jährige Andrea Gloor aus Langenthal ist Registerchef Schlagzeug. Auch er sieht sich als Vorbild für die jüngeren Guggen-Mitglieder und findet, dass seine Kolleginnen und Kollegen gut gehorchen. Die Tambourmajorin sei nett, sagt Saxofonistin Michelle Wick (13) aus Lotzwil. «Wenn sie hässig ist, pfeift sie aber besonders schrill.»

Es sei lustig, mit Kolleginnen und Kollegen bei den Tönlifurzern zu sein, findet Michelle Wick – aber auch anstrengend, was das Auswendiglernen der Stücke anbelangt. Alena Kunz (13) aus Langenthal hat bereits eine Fasnacht miterlebt. Sie spielt schon lange Saxofon und geniesst es, mit vielen Leuten zusammen zu sein. Saxofonistin Lisa Mayer (12) ist zum dritten Mal dieses Jahr dabei und stellt fest: «Die Leute haben Freude an uns jungen Fasnächtlern.»

Zukunft in grossen Guggen

Nach der neunten Klasse wechseln die meisten Musikerinnen und Musiker der Tönlifurzer in eine der grossen Guggen. Es geht aber auch umgekehrt: Simon Geiser (15) lief schon als kleiner Junge mit einem «Drümmeli» bei den Akkordwürgern mit. «Bei den grossen Guggen ist man als Schüler dann aber entweder zu alt, um einfach mitzulaufen, oder zu jung, um mitzuspielen», erklärt er. So hat es auch ihn zu den Tönlifurzern verschlagen.

Inzwischen dringen die schrägen Töne von der Strasse herauf. Die Tönlifurzer machen eine Marschübung. Und da ist auch schon wieder Nicole Lüthis Pfeife zu hören.

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