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Wie man Ikea und Co. trotzt

Ikea und Co. sind für ihn keine Bedrohung, im Gegenteil: Seit der Eröffnung der Fachmärkte an der nahen Shoppingmeile liefen die Geschäfte besser, sagt Peter Tschannen, Inhaber des gleichnamigen Möbelhauses in Lützelflüh.

Setzt auf «Qualitätsmöbel aus der Schweiz»: Peter Tschannen in seinem Möbelhaus in Lützelflüh.
Setzt auf «Qualitätsmöbel aus der Schweiz»: Peter Tschannen in seinem Möbelhaus in Lützelflüh.
Thomas Pfister

Wie kann ein kleines, aus einer Sattlerei hervorgegangenes Möbelhaus im Emmental noch bestehen? Wenn an der nahen Autobahn die Konkurrenz zuerst mit Ikea und später mit Pfister, Conforama und TopTip immer mächtiger wird?

«Wir hatten ja auch Bedenken», sagt Peter Tschannen, Inhaber des gleichnamigen Möbelhauses im Bahnhof Lützelflüh, mit einem Blick gut zehn Jahre zurück, als die Shoppingmeile in Lyssach-Alchenflüh Gestalt anzunehmen begann. Und als sich abzeichnete, dass die Fachmärkte dort ihren Schwerpunkt ausgerechnet auf seine Branche legen würden – doch passiert, zieht Tschannen heute zufrieden Bilanz, sei genau das Gegenteil. «Unsere Umsätze sind heute höher als damals.»

Präsentation ist wichtig

Und so kann er heute Abend, wenn er zum ersten Mal zu einer Weihnachtsausstellung lädt, gelassen in die Zukunft seines Betriebs blicken. Wahrscheinlich, sinniert er, habe sich tatsächlich bewahrheitet, wovon die Vertreter der grossen Ketten an der Autobahn schon immer gesprochen hätten. Nämlich dass eine Ansammlung ähnlich gelagerter Läden und Fachmärkte Kunden in die Region lockten, dass also Konkurrenz das Geschäft nicht einfach kaputtmache, sondern im Gegenteil belebe.

Dazu macht Tschannen weitere Gründe für die Erfolge in den letzten Jahren aus. Er stelle immer wieder fest, sagt er, dass die Leute zwar Fachmarkt um Fachmarkt abklapperten, am Schluss aber doch bei ihm landeten, weil sie das zu ihrer Wohnung passende Möbel just nur gerade bei ihm fänden. Dabei sei er gar nicht sicher, ob die Grossen ein ähnliches Stück nicht auch in ihrem Sortiment hätten. «Aber ich stelle ja auch bei mir selber fest, dass ich in den riesigen Ausstellungen vor lauter Möbeln das einzelne Stück gar nicht mehr richtig wahrnehme.»

Umso wichtiger sei da gerade für ihn als Kleinen, Wert auf eine gepflegte Ausstellung zu legen. Und die Ware so zu präsentieren, dass sie auch anspreche.

Zweite oder dritte Möbel

Dazu kommt, dass sich Tschannen auf ein klares Sortiment beschränkt. Er biete samt und sonders «Qualitätsmöbel aus der Schweiz und dem angrenzenden Ausland» an, umreisst er seine Geschäftsphilosophie, denn Billigware aus Fernost, ergänzt er, könne er aus ökologischen wie aus sozialen Gründen nicht verantworten. «Wenn man sich vorstellt, wie lange die Möbel im Schiff unterwegs sind. Und auch nie weiss, wie viel Kinderarbeit den Stücken anhaftet.»

Dass Tschannen damit ein relativ hohes Preisniveau in Kauf nimmt, ist ihm klar, aber: «Bei uns kaufen die Leute ohnehin nicht ihre ersten Möbel, sondern die zweiten oder dritten.» Entsprechend seien die Kunden nicht mehr ganz jung, vielleicht 35-jährig und darüber, kurz, in einem Alter, in dem sie sich in Beruf und Gesellschaft etabliert hätten und auch über das entsprechende Geld verfügten.

Vorab in der Region Bern

Tschannen ist überzeugt, dass ihm diese Käuferschaft auch in Zukunft erhalten bleibt. Seine Zuversicht schöpft er aus Geschichten wie jener eines Kunden, der sich beim Zusammensetzen eines Billigmöbels derart über fehlende Schrauben ärgerte, dass er das neue Stück kurzerhand wegwarf und bei ihm landete – «wir bieten Beratung, liefern gratis in die ganze Schweiz und nehmen die alten Möbel zum Entsorgen gleich mit», sagt Tschannen in diesem Zusammenhang noch.

Das Möbelhaus bietet acht Vollzeitstellen, die Kunden wohnen vorab im Emmental und in der Region Bern. «Für spezielle Stücke reisen die Leute auch von weit her an.»

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