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Zügelzwang weckt Emotionen

Weil ein Kindergarten eingebaut werden soll, droht der Hauswartsfamilie Wittwer der Verlust ihrer Wohnung im Langnauer Hinterdorfschulhaus. Nun regt sich in Bevölkerung und Politik Widerstand.

Vor ihrem Zuhause, dem Hinterdorfschulhaus: Ueli, Dominik, Tina, Barbara und Livia Wittwer (von links) mit Hund Sina.
Vor ihrem Zuhause, dem Hinterdorfschulhaus: Ueli, Dominik, Tina, Barbara und Livia Wittwer (von links) mit Hund Sina.
Thomas Peter

Als sie vor zehn Jahren ihren Job als Hauswartin des Langnauer Hinterdorfschulhauses angetreten habe, «stellte die Gemeinde die Bedingung, dass wir auch in dieses Haus wohnen kommen», sagt Barbara Wittwer. Also zog sie in die grosse und günstige Wohnung im Dachgeschoss – zusammen mit ihrem Mann und den drei Kindern. Zum erweiterten Kreis der Familie gehören Katzen, Kaninchen und ein Hund. «Wir haben uns gut eingelebt, fühlen uns wohl hier.»

Entsprechend enttäuscht und emotional reagierten Wittwers, als kürzlich Gemeinderätin Renate Strahm vorbeikam. Sie kündigte an, dass die Hauswartswohnung zu einem Kindergarten umgebaut werde. Im Juli wolle man die Arbeiten ausführen, sodass im Hinterdorfschulhaus aufs nächste Schuljahr eine neue Kindergartenklasse eröffnet werden könne.

Die Partei will helfen

«Dass wir raus müssen – diese Nachricht war, als ob uns der Boden unter den Füssen weggezogen würde», berichtet Barbara Wittwer. Es werde schwierig, eine genügend grosse und günstige Wohnung zu finden. «Denn wir haben keinen ‹Wäutsdonnerlohn›.» Zudem wolle man den Kindern, welche die 8. respektive 5.Klasse besuchen, lieber keinen Schulwechsel zumuten. Am meisten erzürnt sie aber, dass die Gemeinde «bestimmt nicht erst seit zwei Wochen weiss, dass eine zusätzliche Kindergartenklasse nötig wird. Trotzdem hat man uns vorher nichts gesagt.»

Ueli Wittwer, der als Dachdecker arbeitet, hilft seiner Frau in der Freizeit beim Hauswartsjob. Er pflegt die Umgebung des Hinterdorfschulhauses und hat diesen Winter – «was wir kaum täten, wenn wir nicht hier wohnen würden» – eine Natureisbahn eingerichtet. Auch deshalb ist die Solidarität in der Bevölkerung offenbar gross. «Viele haben sich gemeldet», sagt Barbara Wittwer. Und SVP-Parteikollege Walter Sutter hat im Grossen Gemeinderat sogar einen dringlichen Vorstoss eingereicht. Er fordert, dass die Gemeinde eine andere Lösung sucht.

Eine Übergangslösung?

«Wittwers sind gute Hauswartsleute. Dass es um ihre Wohnung geht, tut uns sehr leid», sagt die fürs Schulwesen zuständige Gemeinderätin Renate Strahm (SP). Aber Langnau brauche nun mal eine neue Kindergartenklasse; die bestehenden seien mit 26 oder 27 Kindern maximal besetzt, und aus den Neubaugebieten Moos sowie Hasenknubel kämen weitere Kinder hinzu. Deshalb müsse die zusätzliche Klasse in diesem, dem hinteren Dorfteil eröffnet werden.

Die Gemeinde hat laut Strahm verschiedene Standorte geprüft, beispielsweise das Burkhardhaus, das Oberfeldschulhaus, ein Raum über der Oberfeldturnhalle und eine Wohnung beim bereits bestehenden Oberfeldkindergarten. Die Wohnung im Hinterdorfschulhaus umzubauen sei aber – insbesondere geografisch gesehen – die sinnvollste Lösung. Die Umbaukosten seien noch nicht ermittelt. Und falls Wittwers innert nützlicher Frist keine andere Wohnung fänden, bemühe man sich um eine Übergangslösung. Der Gemeinderat werde sich an seiner nächsten Sitzung nochmals mit dem Thema befassen.

Weiterhin Hauswartin

Vor dieser Sitzung werden Wittwers keine definitive Wohnungskündigung erhalten. Wie gross ist die Chance, dass sich doch noch eine andere Lösung findet? Renate Strahm will sich nicht festlegen. «Das bestimme nicht ich allein», sagt sie. Sicher ist aber in jedem Fall: Den Hauswartsjob im Hinterdorfschulhaus kann Barbara Wittwer behalten.

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