Wynigen

Anklage löst sich in Rauch auf

WynigenDas Regionalgericht Emmental-Oberaargau sprach einen Mann vom fahrlässigen Verursachen einer Feuersbrunst frei. Aber erst im zweiten Anlauf.

Beim Räuchern von Würsten die Hütte abgefackelt. Symbolbild: Fotolia

Beim Räuchern von Würsten die Hütte abgefackelt. Symbolbild: Fotolia

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Diese Geschichte schmorte lange vor sich hin: Am 6. Dezember 2015 räucherte ein 50-jähriger Mann im Schopf eines Bekannten in Wynigen Würste. Wenig später stand das Gebäude in Flammen.

Wegen fahrlässigen Verursachens einer Feuersbrunst verknurrte ihn die Staatsanwaltschaft zu einer Geldstrafe von 1200 Franken und zur Bezahlung der Gebühren von 500 Franken. Nach Ansicht der Anklagebehörde hatte der Mann «die Glut nicht wie üblich mit Sägespänen hergestellt, sondern dafür auch Holz verwendet». Dadurch habe sich die Gefahr, dass nach dem Ablöschen der Glut wieder ein Glutnest entsteht, erhöht.

Darüber ­hinaus sei der Ofen nur 35 Zentimeter entfernt von der Holzwand des Speichers gestanden. Diesen Umständen habe der Beschuldigte nicht ausreichend Rechnung getragen, als er die Glut mit nur vier Litern Wasser gelöscht habe. Es liege folglich ein «pflichtwidrig unvorsichtiges» Handeln vor.

Dagegen erhob der Mann Einspruch. Vor einem Jahr befasste sich das Regionalgericht Emmental-Oberaargau erstmals mit dem Fall. Weil der Verteidiger des Beschuldigten ein Gutachten verlangte, wurde die Verhandlung abgebrochen.

Alles richtig gemacht

Gestern kam die Angelegenheit erneut aufs Tapet. Ein als Zeuge aufgebotener leitender Mitarbeiter des Ausbildungszentrums für Schweizer Fleischwirtschaft sagte, er gehe davon aus, dass aus einem defekten Rohr Funken aus dem Schrank in die Scheune geflogen seien. Dort hätten sie sich ohne weiteres an Feinstaub oder Spinnweben entzünden können.

Seiner Ansicht nach habe der Beschuldigte beim Räuchern alles richtig gemacht, antwortete der Zeuge auf eine entsprechende Frage von Gerichtspräsident Roger Zuber. Dafür, dass der Ofen wie vorgeschrieben funktioniere, sei im Übrigen dessen Besitzer und nicht der zeitweilige Benutzer verantwortlich. Letzterer müsse sich darauf verlassen können, mit einem betriebssicheren Gerät zu arbeiten.

Glut mit Wasser gelöscht

Der Beschuldigte wiederholte, was er schon bei der Polizei, bei der Staatsanwaltschaft und bei seinem ersten Auftritt vor Gericht gesagt hatte: Er habe beim Räuchern von A bis Z grösste Vorsicht walten lassen. Dass er die Glut aus Sägespänen und Holz hergestellt habe, bestritt er nicht. Anders lasse sich dies kaum bewerkstelligen. Die Glut habe er ausserhalb der Scheune produziert und mit einer Schaufel auf dem betonierten Boden des Ofens ausgelegt.

Als er die Hütte am Abend verliess, habe er sie mit sechs Litern Wasser gelöscht. Die Asche sei auf der Flüssigkeit geschwommen. Für ihn sei klar gewesen, dass keine Gefahr mehr bestehe. An eine Blache könne er sich nicht erinnern, fügte er an. Im Schopf sei «alles Mögliche» herumgestanden und -gelegen.

Am Ende: Freispruch

Nach einer dreistündigen Verhandlung sprach Roger Zuber den Mann von Schuld und Strafe frei. Was genau an jenem Sami­chlausabend vor zwei Jahren passiert sei, wisse man nach wie vor nicht, räumte der Gerichtspräsident ein. Klar sei aber, dass der Beschuldigte bei weitem nicht so «pflichtwidrig unvorsichtig» gehandelt habe, wie die Staatsanwaltschaft ihm in ihrem Strafbefehl unterstellt habe. (Berner Zeitung)

Erstellt: 10.08.2017, 17:46 Uhr

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