Ein Schluck Strom

Sumiswald

Die Wasserversorgungsgenossenschaft in Sumiswald leitet das Trinkwasser nicht nur an die Haushalte weiter, sie produziert daraus auch Energie. Dieses System funktioniert seit 14 Jahren.

Den Bau der Sumiswalder Trinkwasserturbine beurteilen Genossenschaftspräsident Urs Schweizer (links) und Brunnenmeister Manfred Flückiger als «hervorragende Investition».

Den Bau der Sumiswalder Trinkwasserturbine beurteilen Genossenschaftspräsident Urs Schweizer (links) und Brunnenmeister Manfred Flückiger als «hervorragende Investition».

(Bild: Thomas Peter)

Damals war ich ein Gegner des Projekts, denn ich vertrat die Meinung: Unser Auftrag ist die Sicherstellung der Wasserversorgung und nicht Strom zu produzieren», sagt Urs Schweizer, Präsident der Wasserversorgungsgenossenschaft Sumiswald. Dann aber habe er sich von den Vorteilen eines Trinkwasserkraftwerks überzeugen lassen. Bereut hat er seinen Sinneswandel nicht. Im Gegenteil: «Der Einbau und die Nutzung der Pelton-Turbine waren eine hervorragende Investition.» Das Prinzip ist einfach: Das Wasser der Schwandbachquelle wird in einer Transportleitung via Wasen in das hundert Meter tiefer gelegene Sumiswald geführt, wo es durch eine Turbine fliesst, die Strom produziert.

Keine Subventionen

Die Idee, die Trink- und Löschwasserversorgung der Gemeinde Sumiswald mittels Turbine gleichzeitig noch zur Stromproduktion zu nutzen, hatte der ehemalige Brunnenmeister Fritz Aeschlimann. Der Vorstand der Wasserversorgungsgenossenschaft diskutierte seine Idee, liess eine Kosten-Nutzen-Analyse machen und kam zu einem positiven Ergebnis. Und nachdem die Versammlung der Genossenschaft dem 100'000-Franken-Projekt ebenfalls zugestimmt hatte, wurde die Turbine als Teil des Umbaus des Grundwasserpumpwerks Ey realisiert. Vom Kanton Bern wurde das Projekt nicht subventioniert. Von der Idee bis zur Inbetriebnahme dauerte es nur gerade sechs Monate.

Das Ziel war klar: Die Turbine soll so viel Strom produzieren, dass sämtliche Anlagen der Genossenschaft mit Elektrizität versorgt werden und mit dem Reststrom, welcher der Energie AG Sumiswald verkauft wird, die Investitionen finanziert werden können. Mittlerweile ist die Turbine amortisiert und wirft einen kleinen Gewinn ab. Mit ihrem Ja zum Projekt hätten die Genossenschafter aber auch ein Zeichen für erneuerbare Energiequellen setzen wollen, betont Urs Schweizer und ergänzt: «Umweltgedanken haben beim Entscheid eine Rolle gespielt.»

1000 Liter müssen es sein

Dass die Trinkwasserversorgung im Emmental nicht häufiger zur gleichzeitigen Stromproduktion genutzt wird, erstaunt Brunnenmeister Manfred Flückiger nicht. Nicht alle Gemeinden seien in der glücklichen Lage über sehr ergiebige Quellen zu verfügen. Die Sumiswalder Schwandbachquelle hat je nach Jahreszeit einen Erguss von 1500 bis 10'000 Litern pro Minute. Die Wasserleitung ins Tal kann allerdings nur maximal 4000 Liter pro Minute aufnehmen. Das überschüssige Wasser, der sogenannte Verwurf, wird direkt dem Schwandbach zugeführt. Von diesen 4000 Litern werden 2300 Liter pro Minute für die Wasserversorgung von Sumiswald sowie Ortsteilen von Trachselwald und Lützelflüh benötigt, die restlichen 1700 Minutenliter fliessen durch die Turbine. Sind es weniger als 1000 Liter, stellt die Turbine ab. Zu wenig Wasser für die Energieproduktion hatte es seit der Inbetriebnahme der Trinkwasserturbine im Jahr 2001 selten: Im Sommer 2003 während etwa 14 Tagen sowie in den Jahren 2009 und 2011 an je zwei bis vier Tagen. Fakt ist allerdings: In den letzten Jahren wurden Turbinen entwickelt, die mit weit weniger als 1000 Liter pro Minute auskommen, damit kostendeckend Energie produziert werden kann.

Strom für 30 Häuschen

Seit 14 Jahren ist die Sumiswalder Trinkwasserturbine mit minimalstem Wartungsaufwand in Betrieb. Durchschnittlich gibt sie pro Jahr eine Leistung von 140000 Kilowatt ab. «Mit unserer Turbine könnten wir ein kleines Quartier mit 28 bis 30 Einfamilienhäusern mit Strom versorgen», erklärt Flückiger.

Berner Zeitung

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