Ein Tunnel soll für Ruhe sorgen

Burgdorf/Oberburg

Die Gesamtverkehrslösung im unteren Emmental liegt pfannenfertig vor. Jetzt geht das Projekt mit dem Namen «Emmentalwärts» in die Vernehmlassung. Im besten Fall starten die Bauarbeiten in drei Jahren.

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Fast 20000 Autos, Motorräder und Lastwagen fahren an Werktagen durch Hasle, Oberburg und Burgdorf in Richtung Autobahn beziehungsweise in die Gegenrichtung. Für die Bevölkerung, die direkt an der Hauptverkehrsachse wohnt, ist die Belastung durch den Verkehr fast unerträglich. In Geduld üben müssen sich auf der anderen Seite jene, die in einem dieser Motorfahrzeuge sitzen.

Von Lyssach her kommend, ist beim Bahnübergang in der Buchmatt oft langes Warten angesagt. Dadurch stauen sich die Fahrzeuge so weit zurück, dass sie auch die nächstgelegenen Knoten blockieren. Das gleiche Bild zeigt sich auf der Südseite der Stadt bei der Barriere beim Spital. Pro Stunde summieren sich die Wartezeiten an den Übergängen auf rund 15 Minuten.Diese beiden chronischen Staupunkte dürften ab 2023 oder 2024 eliminiert werden.

Neu mit Busspuren

Das Verkehrssanierungsprojekt Burgdorf-Oberburg-Hasle mit dem Namen «Emmentalwärts», das seit heute bis Ende Mai zur Mitwirkung aufliegt, sieht an diesen beiden Punkten Bahnunterführungen vor. Dadurch soll sich der Verkehrsfluss durch Burgdorf verbessern. Profitieren sollen aber auch Nutzer des öffentlichen Verkehrs: Separate Spuren ermöglichen es den Bussen, Autokolonnen zu überholen. Busspuren, die auch von Velofahrern benützt werden können. Ebenso sollen Lichtsignalanlagen angebracht werden, die den Bussen freie Fahrt erteilen und dadurch den Verkehrsfluss verbessern.

Ein Riegel soll dem Ausweichverkehr durch die Quartiere geschoben werden. Geplant ist in Lyssach Tempo 30 auf der Kirchbergstrasse und ein Fahrverbot auf der Storretenstrasse. Zudem werden die Ampeln an der Lyssach- und der Bernstrasse mit derjenigen an der Schachenstrasse gleichgeschaltet, damit sich dieser Umweg nicht lohnt.

Oberburg, das am meisten unter der täglichen Blechlawine leidet, soll durch eine Umfahrung entlastet werden. Dieses 1,5 Kilometer lange Bauwerk besteht hauptsächlich aus einem Tunnel von 1,1 Kilometern Länge. Er verläuft grösstenteils entlang der Bahnlinie in einer Tiefe von 15 bis 20 Metern. Die neue Strasse mündet südlich und nördlich des Dorfes mit Kreiseln in die alte Emmentalstrasse. Im Dorfzentrum wird die Löwenkreuzung zu einem kleinen Kreisel umgebaut. Ab hier in Richtung Langnau wird die Strasse deutlich verschmälert und mit Tempo 30 verkehrsberuhigt. Kreisoberingenieur Roger Schibler geht davon aus, dass künftig nur noch ein Drittel des aktuellen Verkehrs – also etwa 6000 Fahrzeuge – durch das Dorf rollen wird.

Für Hasle wird eine ähnliche Lösung anvisiert. Das Ortszentrum beim Bahnhofplatz wird beruhigt, indem die heutige Strasse in Richtung Langnau neu nicht mehr über die Gleise geführt wird, sondern hier endet. Der Bahnhofplatz wird allein zur Plattform fürs Umsteigen von Bus und Park and Ride auf den Zug.

Südlich des Bahnhofs wird eine 850 Meter lange Strasse erstellt, die unter der Bahnlinie Richtung Konolfingen durchgeführt wird. Auf diesem neuen Strassenstück rollt der Verkehr in Richtung Langnau. Fakt ist jedoch, dass diese Umfahrungsstrasse erst gebaut werden kann, wenn einige Häuser abgebrochen werden. Zudem muss für die Produktionsanlagen der Gärtnerei Morgenthaler ein neuer Standort gefunden werden.

Hoffen auf den Ständerat

Regierungspräsident Christoph Neuhaus (SVP) betonte am Dienstag vor den Medien: «Das Projekt ‹Emmentalwärts› hat seinen Preis, aber es hat auch seinen Wert.» Mit Kosten von 418 Millionen Franken wird die anvisierte Verkehrssanierung die bisher mit Abstand teuerste Kantonsbaute im Emmental werden.

Davon, dass der Bau finanziert werden kann, ist der bernische Bau-, Verkehrs- und Energiedirektor überzeugt. Die Gelder kämen aus dem kantonalen Fonds zur Abdeckung der Investitionsspitzen sowie aus regulären Strassenbaumitteln. Mit welcher Summe sich der Bund beteiligen wird, steht noch nicht fest. Der Betrag bewege sich zwischen 15 und 92 Millionen Franken, sagte Neuhaus. Wohl entschied sich der Nationalrat dafür, den Strassenbau im unteren Emmental mit 77 Millionen Franken zu unterstützen. Doch die ständerätliche Verkehrskommission wollte bisher von dieser Finanzspritze nichts wissen.

Sie möchte das Strassenbauprojekt aus dem Agglomerationsprogramm kippen. Dass es nicht so weit kommt, dafür will sich der Regierungsrat des Kantons Bern ins Zeug legen und in der kleinen Kammer lobbyieren. Neuhaus geht davon aus, dass die Bauarbeiten 2022 beginnen können, zehn Jahre später soll das gesamte Bauwerk dem Verkehr übergeben werden können.

Berner Zeitung

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