Eine Antenne verschwindet, die nächste kommt

Der Bau von Mobilfunkan­lagen löste früher regelrechte Protestwellen aus. Mittlerweile hat die Kritik nachgelassen. Ob das auch beim neusten Projekt der Swisscom an der Shoppingmeile so ist, wird sich demnächst zeigen.

Eine weitere Mobilfunkanlage ist in der Nähe der Shoppingmeile in Lyssach geplant. (Symbolbild)

Eine weitere Mobilfunkanlage ist in der Nähe der Shoppingmeile in Lyssach geplant. (Symbolbild) Bild: Melanie Duchene

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Gebiet an der Shoppingmeile Lyssach scheint prädestiniert für Handyantennen der Schweizer Mobilfunkanbieter. Denn über ein halbes Dutzend solcher An­lagen befinden sich rund um die ­etwa einen Kilometer lange Strasse. Einige davon sind gut sichtbar, andere hingegen ver­stecken sich hinter Fassaden oder auf Dächern.

Nun plant die Swisscom eine neue Mobilfunkanlage in der Nähe der Shoppingmeile – auf der anderen Seite der Autobahn. Am Winkelweg bei der Firma Terralog AG auf Gemeindegebiet von Rüdtligen-Alchenflüh soll ein Mast mit sechs Antennen erstellt werden. Bei der Gemeindeverwaltung liegt derzeit das Bau­gesuch auf. Die Einsprachefrist läuft bis zum 21. August.

Adäquate Alternative

Die Anzahl der Mobilfunkanlagen in diesem Gebiet bleibt jedoch gleich, denn laut der Swisscom-Mediensprecherin Sabrina Hubacher dient die neue als Ersatzstandort. Aufgrund des auslaufenden und nicht erneuerbaren Vertrags einer bestehenden Anlage habe die Swisscom eine möglichst adäquate Alternative gesucht, damit es zu keinen ­Versorgungsengpässen komme, so Hubacher. «Der Standort am Winkelweg ist als Ersatz der wegfallenden Mobilfunkanlage optimal», sagt sie. Er befinde sich unweit der bisherigen und gewährleiste weiterhin eine gute Versorgung. Laut der Swisscom ist das nötig, denn das Datenvolumen im Mobilfunk verdopple sich jedes Jahr. Dies erfordere einen weiteren Ausbau der Netze.

Das Projekt sieht den Bau eines frei stehenden Antennenmasts neben dem Fabrikgebäude vor. Insgesamt sollen laut Hubacher sechs Antennen installiert werden, um die Versorgung sicherzustellen. Der Mast wird eine Höhe von etwa 25 Metern aufweisen. Damit das Regierungsstatthalteramt Emmental die Bewilligung erteilt, sind Fachberichte der Gebäudeversicherung Bern, der SBB sowie der kantonalen Fachstelle für den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (NIS) erforderlich. Von den SBB deshalb, weil die Antennen unmittelbar neben der Bahnlinie zu stehen kämen. Die NIS-Fachstelle muss beurteilen, ob die Strahlung in einem Perimeter von 248 Metern um die Anlage den gesetzlich festgelegten Grenzwert nicht überschreitet.

Der grosse Widerstand . . .

Noch vor wenigen Jahren löste der Bau von neuen Mobilfunkanlagen an einigen Orten regelrechte Protestwellen aus. In Kirchberg zum Beispiel wehrten sich Anwohner jahrelang gegen den Bau von Antennen auf dem Apothekengebäude an der Zürichstrasse. Im vierten Anlauf klappte es schliesslich für den Mobilfunkanbieter Sunrise. Im Sommer 2015 gaben auch die letzten Gegner auf und gelangten gegen die erteilte Baubewilligung nicht mehr an die nächste Instanz.

Ähnlich war es in Langenthal, wo sogar eine Interessengemeinschaft gegen den Bau einer Handyantenne in einem Wohnquartier gegründet wurde. Es gab mehrere Einsprachen gegen das Vorhaben, letztlich erhielt Sunrise Ende 2015 jedoch die Bewil­ligung.

. . . lässt allmählich nach

Mittlerweile hat die Kritik an Mobilfunkanlagen etwas nach­gelassen. Auch deshalb, weil vielerorts ­bestehende Standorte ­erneuert werden und solche Projekte oft fast unbemerkt an der Bevölkerung vorbeigehen – obschon Sanierungen von Antennen öffentlich publiziert werden müssen. Anfang dieses Jahres erhielt Salt jedenfalls problemlos die Bewilligung zum Um- und Ausbau seiner Antenne auf dem Dach des Hotels an der Shoppingmeile Lyssach – es gab keine Einsprachen.

Die Swisscom plant im unteren Emmental nebst dem Neubau von Handyantennen bei der Terralog AG noch den Umbau einer bestehenden Mobilfunkanlage: In Koppigen liegt derzeit ein Gesuch auf. An der Alchenstorfstrasse 1 will die Swisscom die Antennen ersetzen. Die Einsprachefrist läuft bis zum 14. August.


Auf der Website www.map. geo.admin.ch sind unter Geokatalog alle Mobilfunkanlagen der Schweiz zu finden. Auf «Thema wechseln» klicken und dann «Funksender» anwählen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 02.08.2017, 17:04 Uhr

Artikel zum Thema

Netzbetreiber plant eine Antenne in der Wohnzone

Langenthal An der Schützenstrasse in Langenthal will die Salt Mobile SA eine Mobilfunkanlage bauen – auf einem Gebäude nahe dem Alterszentrum Haslibrunnen. Mehr...

Neue Mobilfunk-Antenne trotz Moratorium?

Bern Im Berner Nobelquartier Elfenau stossen die Pläne der Swisscom und der Stadt auf Widerstand. Obwohl ein Moratorium dies untersagt, soll dort eine neue Antenne gebaut werden. Mehr...

Streit um geplante Mobilfunkantenne

Wohlen Eine geplante Mobilfunkantenne mitten im Dorf sorgte für viele Einsprachen und löst Unbehagen aus. Der Gemeinde sind aber die Hände gebunden. Sie kann die An­tenne kaum verbieten. Mehr...

Paid Post

Freizeit und Reisen

Viele Ausflugsziele für den «goldenen Herbst» finden Sie in der aktuellen SBB Zeitungsbeilage «Freizeit und Reisen».

Kommentare

Abo

Immer die Region zuerst. Im Digital-Light Abo.

Das Thuner Tagblatt digital im Web oder auf dem Smartphone nutzen. Für nur CHF 17.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Kultur für Kleine: In Dresden öffnet die erste Kinderbiennale in Europa. Anders als sonst im Museum, kann und darf hier selbst gestaltet und mitgemacht werden. (21. September 2018)
(Bild: Sebastian Kahnert/dpa) Mehr...