Jedem Kind sein Tablet

Burgdorf

Der Zeitplan ist ehrgeizig: Nach den Sommerferien sollen alle Schüler der Oberstufe Burgdorf mit Tablets ausgerüstet werden. Doch zuerst muss der Stadtrat Ja sagen.

Ohne Computer geht in der Schule nichts mehr.

Ohne Computer geht in der Schule nichts mehr.

(Bild: Claro Image)

Fast unglaublich, was die Schülerinnen und Schüler der 7. bis 9. Klassen lernen und dann möglichst auch beherrschen sollen. Das Ziel des Informatik- und Medienunterrichts gemäss Lehrplan 21 ist, dass die Jugendlichen am Ende der obligatorischen Schulzeit Tastaturschreiben, Medien und Daten auswählen, auswerten und als Informationsquelle für ihr Lernen nutzen sowie Geräte und Programme zur Erstellung, Bearbeitung und Gestaltung von Texten, Tabellen, Präsentationen, Diagrammen, Bildern, Tönen, Videos und Algorithmen einsetzen können.

Erfüllt werden können diese Vorgaben jedoch nur, wenn die Informatikmittel vorhanden sind. Jede und jeder soll mit einem Tablet (iPad) ausgerüstet werden. Denn Computer, Laptops und Tablets werden in den meisten Schulstunden eingesetzt. Viele Lehrmittel verlangen den Einsatz der Informatik zwingend.

Über 1000 Geräte

Für die Stadt Burgdorf geht die Umsetzung der Informatikvorgaben des Lehrplans 21 ganz schön ins Geld. An der Oberstufe Pestalozzi muss sie für die Schülerinnen und Schüler 226 und für Lehrpersonen 33 Tablets anschaffen, fü den Gsteighof kommen noch  einmal 260 hinzu.

Dies ergibt ein Total von 519 Stück. Hinzu kommen für beide Schulzentren 60 Laptops, die jedoch stationär, also in den Unterrichtsräumen,  eingesetzt werden. Aber auch die Kleinsten, Kindergarten/1. und 2. Klasse, brauchen 118 Tablets, die Dritt- bis Sechstklässler 280 Stück, und bei den Lehrpersonen beläuft sich der Bedarf auf 189.

Kauf in zwei Etappen

Für den Kauf von 1043 Geräten rechnet eine interdisziplinär zusammengesetzte Arbeitsgruppe mit Kosten von knapp 373 000 Franken. Hinzu kommen 168 Laptops für 160000 Franken sowie Ausgaben für Tastaturen, Schutzhüllen, Lizenzen und Betriebskosten. Mit 105 000 Franken schlagen neue, wiederkehrende Ausgaben für eine zusätzliche Informatikstelle und die Betriebskosten für den Server zu Buche.

Die neue Stelle, die zur technischen Betreuung der Geräte nötig ist, wird bei der städtischen Informatik angesiedelt. Umgesetzt werden kann das seit Herbst 2017 erarbeitete Beschaffungskonzept jedoch nur, wenn der Burgdorfer Stadtrat am kommenden Montag den dafür notwendigen Mitteln von 760'000 Franken zustimmt. Allerdings soll der Kauf der neuen Informatikgeräte in zwei Etappen erfolgen – 2019 und 2020.

Günstiger als andere

Der Gemeinderat bezeichnet die errechneten Kosten als «sehr verhältnismässig». Zu diesem Schluss kommmt die Exekutive nach einem Blick in zwei Gemeinden, deren Informatikkonzepte bereits im politischen Prozess beurteilt wurden. In der Stadt Bern belaufen sich die Kosten für die Informatikanpassungen an den Lehrplan 21 auf 12,1 Millionen Franken.

Bei gut 10'000 Schülerinnen und Schülern resultieren Kosten von 1210 Franken pro Kind. Durchschnittlich 1510 Franken sind es in der Stadt Thun. Mit einem Median von 468 Franken kommt Burgdorf vergleichsweise günstig weg. Dem Stadtrat werde keine Luxuslösung präsentiert, schreibt der Gemeinderat deshalb in seinem Antrag.

«Dem Stadtrat wird keine Luxuslösung präsentiert.»Gemeinderat Burgdorf?

Das Ziel der Bildungsdirektion ist es, mit Beginn des neuen Schuljahrs 2019/20 nach den Sommerferien 885 Tablets an Schülerinnen und Schüler sowie Lehrpersonen ausleihen zu können. Die Nutzungsbedingungen sowie Versicherungs- und Haftungsfragen werden in einem Vertrag geregelt, der zwischen der Schule und den Schülerinnen und Schülern respektive den Eltern und den Lehrpersonen abgeschlossen wird.

Ein Tablet ab der 7. Klasse

Bisher sind in den Burgdorfer Schulen vor allem Computer und Laptops im Einsatz. Einzelne ausleihbare Klassensätze an Tablets ergänzen die Infrastruktur. Wie einst die Sprachlabors sind bis jetzt an den Oberstufenschulen Informatikzimmer fest installiert. Letztere werden künftig nicht mehr benötigt und sollen deshalb aufgehoben werden. Denn ab dem siebten Schuljahr gehört in Zukunft ein Tablet zur persönlichen Ausrüstung eines jeden Schülers.

Berner Zeitung

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