Kritische Töne aus dem Grossen Rat

Burgdorf

Nur für Hindus, die in der Stadt Burgdorf gewohnt haben, kann die Abdankung auf dem hiesigen Friedhof stattfinden. Für Angehörige desselben Glaubens, die sonst wo im Emmental lebten, gilt dies nicht.

Die Abdankungshalle beim Krematorium Burgdorf ist zu klein für eine grosse Trauergemeinde.

Die Abdankungshalle beim Krematorium Burgdorf ist zu klein für eine grosse Trauergemeinde.

(Bild: Thomas Peter)

Der Tod eines Tamilen hinduistischen Glaubens aus Oberburg sorgte im letzten Jahr zumindest medial für einen kleineren Sturm der Entrüstung. Der Grund: Die Baudirektion sowie die Einwohner- und Sicherheitsdirektion von Burgdorf hatten den Hinterbliebenen die Abdankungsfeier auf dem städtischen Friedhof nicht gestattet. Und dies, obwohl es in der Zähringerstadt ein Krematorium gibt und tamilisch-hinduistische Abdankungen während Jahren erlaubt waren.

Diese Kehrtwende verärgerte nicht nur die Hindu, sondern auch die beiden grünen Stadtberner Grossratsmitglieder Natalie Imboden und Hasim Sancar. Mittels Motion hätten sie zwar keine Praxisänderung erwirken können, weil das Bestattungs- und Friedhofwesen Sache der Gemeinden ist, dem Thema hätte eine solche mehr Gewicht gegeben. Mit ihrer Interpellation erwirkten die beiden Volksvertreter aber immerhin eine regierungsrätliche Stellungnahme.

Merkblatt für Gemeinden

«Wie beurteilt der Regierungsrat die oben beschriebene Diskriminierung der Verstorbenen bei der Abdankung und Beerdigung?», wollten Imboden und Sancar vom bernischen Polizei- und Militärdirektor Philippe Müller (FDP) ebenso wissen wie: «Was hat der Regierungsrat unternommen, um diesen Diskriminierungen entgegenzuwirken?»

In ihren Antworten übt die Kantonsregierung Zurückhaltung. Dem Regierungsrat lägen keine direkten Hinweise auf eine Diskriminierung einzelner Religionsgemeinschaften im Bereich von Bestattungen vor. Die kommunalen Friedhöfe stünden grundsätzlich allen verstorbenen Einwohnerinnen und Einwohnern offen. «Der Regierungsrat ist sich indes bewusst, dass namentlich die Bestattung muslimischer Gläubiger den Gemeinden eine gewisse Flexibilität abverlangt», heisst es in der Interpellationsantwort. Auf Wunsch einzelner Gemeinden sei deshalb 2015 ein Merkblatt für muslimische Bestattungen erarbeitet und dann an die Kommunen verteilt worden. Der Regierungsrat erachtet die bisherigen Informationen an die Gemeinden «als ausreichend». Er werde die Situation jedoch im Auge behalten.

Von einer Diskriminierung einzelner Religionsgemeinschaften will auch der Leiter der Burgdorfer Einwohner- und Sicherheitsdirektion, Urs Lüthi, nichts wissen. «Personen mit hinduistischem Glauben, die vor ihrem Tod in der Stadt Burgdorf gewohnt haben, dürfen nicht nur hier bestattet werden, sondern auch die Abdankung kann auf dem Friedhof stattfinden.»

Zweijähriger Pilotversuch

Dass diese Praxis nur für einheimische, nicht aber für verstorbene Hindu aus anderen Gemeinden gilt, hat für Lüthi gute Gründe. Die Erfahrungen hätten gezeigt, dass zu den oft Tage dauernden hinduistischen Bestattungsritualen eine grosse Zahl an Personen aus dem In- und Ausland gekommen sei. Für so viele Trauernde reiche die Infrastruktur auf dem Friedhof Burgdorf nicht aus. Zum einen seien nicht genügend Parkplätze vorhanden, zum anderen sei die Abdankungshalle beim Krematorium zu klein.

Fakt sei, dass tamilische Abdankungen zu starken Einschränkungen des übrigen Friedhofbetriebs führten. In einem zweijährigen Pilotversuch, der in diesem Herbst endet, prüft die Stadt Burgdorf deshalb, ob die fixierten klaren Regeln für einheimische hinduistische Abdankungen zielführend sind. Danach wird die Handhabungspraxis festgelegt.

Der Bremgartenfriedhof in Bern bietet Hindus eine spezielle Abdankungsstelle. Foto: Andreas Blatter

Ein regionales Zentrum für hinduistische Abdankungen könne Burgdorf nicht sein, betont Urs Lüthi. Diese Funktion habe der Bremgartenfriedhof in der Stadt Bern, zumal dort eine spezielle Abdankungsstelle für Hindu eingerichtet wurde. Ebenso können in der Kapelle dieses grossen Friedhofs hinter dem Inselspital hinduistische Bestattungsrituale problemlos durchgeführt werden.

Berner Zeitung

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