Wenn Beton die Geister scheidet

Burgdorf

Trotz Kritik der SVP hält die Stadt Burgdorf an den Betonquadern an der Kreuzung Lochbach-/Brunnmattstrasse fest. Die Schulwegsicherheit ist für den Gemeinderat das zentrale Argument dafür.

Das helle Auto ist eben von der Brunnmatt- in die Lochbachstrasse eingebogen. Foto: Beat Mathys

Das helle Auto ist eben von der Brunnmatt- in die Lochbachstrasse eingebogen. Foto: Beat Mathys

Kritische Stimmen aus dem Lochbachquartier gibt es bereits seit geraumer Zeit. Doch erst die SVP-Fraktion im Burgdorfer Stadtrat hat nun erreicht, dass der Gemeinderat zur Platzierung von Betonquadern an der Kreuzung Lochbach-/Brunnmattstrasse Stellung nimmt. Diese bauliche Massnahme stelle «für Velofahrende, vor allem aber für Kinder ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar», hatte die Partei moniert.

Der Kurvenradius sei aufgrund der Betonklötze so eng, dass Velo- und Mofafahrer gefährdet seien, wenn sie mit einem grossen Lastwagen kreuzen müssten. Komme dazu, dass die Blöcke nicht mit Reflektoren versehen seien.

Die von der städtischen Baudirektion für den Gemeinderat ausgearbeitete Antwort auf die Interpellation der SVP zeigt, dass alle Involvierten das gleiche Ziel anvisieren: die Sicherheit der Fussgänger. Bei der Frage, wie diese zu erreichen ist, gehen die Meinungen allerdings auseinander. Im Gegensatz zur SVP ist der Gemeinderat nicht der Ansicht, dass die Betonelemente eine Gefahr für Kinder und Velofahrer sind.

«Nein, die Quader können nicht einfach so entfernt werden.»Rudolf Holzer, Leiter der Baudirektion

Im Gegenteil. Damit die Schüler vor Lastenzügen, deren Karosserie in der engen Kurve über das Trottoir rage, geschützt seien, sei der Gehsteig mittels Betonelementen gesichert worden, hält die Exekutive fest. Denn in Gebieten, welche einen hohen Anteil an Schülern auswiesen, «muss der Schulwegsicherheit, insbesondere auf den Trottoirs, eine hohe Bedeutung beigemessen werden». Komme dazu, dass sich das Gebiet in einer Tempo-30-Zone befinde.

Entsprechend seien auch die Fahrbahn- und Trottoirbreiten ausgestaltet worden. Etwas anders sei der Fall entlang der Brunnmattstrasse und des Einschlagwegs gelagert. Hier dienten die Betonelemente zum einen der Entwässerung, zum anderen «der räumlichen Gestaltung zur Unterstützung der Einhaltung von Tempo 30».

Hindernisse auf dem Radweg

Zur Frage der SVP-Fraktion, wer in den Tempo-30-Zonen für die Planung der Verkehrsführung zuständig sei, lautet die Antwort: «Der Gemeinderat entscheidet auf Antrag des Quartiers respektive des Quartiervereins über Verkehrsberuhigungsmassnahmen.» Für die Planung und Umsetzung der Verkehrsführung sei jedoch die Baudirektion, für die Durchsetzung des Regimes die Einwohner- und Sicherheitsdirektion der Stadt zuständig.

Interessant ist, dass der Vorstand des Quartierleists Burgdorf-Süd nichts davon weiss, diesen Wunsch gegenüber der Stadt geäussert zu haben. «Verlangt haben wir es nicht», sagt der designierte neue Leistpräsident Walter Oberli, «aber wir wurden informiert.» Der Leist sei nicht wirklich glücklich mit der Situation, die Quader seien für Radfahrer gefährlich, aber auch für Lastwagen ein Hindernis, was man daran erkenne, «dass jeder Stein beschädigt ist».

Erstaunlich fällt die Erklärung des Gemeinderates auf die Frage nach den an den Betonquadern fehlenden Reflektoren aus. Weil sich die Klötze im Kreuzungsbereich gemäss geltenden Normen «ausserhalb des Strassenraums» befänden, müssten diese «nicht mit Reflektoren ausgestattet sein». Diese Erklärung ist zwar korrekt. Jedoch stehen die Elemente just auf dem gelb markierten Radweg. 

Zurück auf Feld eins?

Letztlich bleibt die Frage: Würden die Betonquader zurückgebaut, falls der Quartierleist Burgdorf-Süd aufgrund der Erfahrungen zum Schluss kommen sollte, dass sich die baulichen Massnahmen nicht bewährt haben beziehungsweise zu gefährlich sind?

«Nein, die Quader können nicht einfach so entfernt werden», erklärt Rudolf Holzer, Leiter der Baudirektion, auf Anfrage.  Die Interpellation der SVP ist an der Stadtratssitzung vom kommenden Montag, 4. Februar, traktandiert.

Berner Zeitung

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