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«Armselig und feige»

Das Regionalgericht Emmental-Oberaargau schickt einen Türken für 44 Monate hinter Gitter. Ob er die Strafe je absitzt, ist aber fraglich.

Das Regionalgericht Emmental-Oberaargau verurteilte den Osteuropäer wegen Raubes, mehrfachen gewerbsmässigen Betrugs und eines Strassenverkehrsdelikts zu einer Freiheitsstrafe von 44 Monaten.
Das Regionalgericht Emmental-Oberaargau verurteilte den Osteuropäer wegen Raubes, mehrfachen gewerbsmässigen Betrugs und eines Strassenverkehrsdelikts zu einer Freiheitsstrafe von 44 Monaten.
Thomas Peter

«Lebe heute und denke nicht an morgen»: Nach diesem Motto habe der Angeklagte auf Kosten von anderen Leuten «Partys gefeiert, gespielt und Spass gehabt», sagte Nicole Fankhauser, die Präsidentin des Regionalgerichts Emmental-Oberaargau, als sie am Donnerstqag das Urteil gegen den 28-jährigen Türken eröffnete.

Das Rückgrat, sich für seine Taten zu verantworten, fehle ihm aber. Das sei «armselig und feige», stellte Fankhauser fest. Das in Dreierbesetzung tagende Gremium verurteilte den Mann wegen Raubes, mehrfachen gewerbsmässigen Betrugs und eines Strassenverkehrsdelikts zu einer Freiheitsstrafe von 44 Monaten.

Dazu kommen die Bezahlung der Verfahrenskosten von 30 000 Franken, des Honorars seines Anwalts, das sich auf 20 000 Franken beläuft, und der sechsstellige Schadenersatz für die Betrogenen. Sein amtlicher Verteidiger hatte auf einen «Bedingten» von 22 Monaten plädiert, die Vertreterin der Staatsanwaltschaft erachtete 38 Monate als angemessen.

170 000 Franken verjubelt

Der arbeitslose Sozialhilfeempfänger, der als 14-Jähriger in die Schweiz gekommen ist und sich nach der obligatorischen Schulzeit mit Temporärjobs über Wasser hielt, hatte im Juli 2012 eine Bijouterieverkäuferin in Biel mit vorgehaltener Waffe gezwungen, ihm Schmuck und Bargeld auszuhändigen. Beides wollte er seiner Verlobten zur Hochzeit schenken.

Mit einem Kollegen bestellte er bei fast zwei Dutzend Landi-Filialen und in Elektronikgeschäften Getränke und Geräte. Die Rechnungen bezahlte er nie. Stattdessen verkaufte er die Waren weiter. Den Erlös – alles in allem rund 170 000 Franken – verjubelte das Duo in Saunaclubs, Cabarets und Casinos.

Den mehrfach vorbestraften Verurteilten dürften diese Schuldsprüche – sofern er überhaupt je von ihnen erfährt – nur mässig interessieren. Er hat seine Partnerin samt Kind im Welschland sitzen lassen und ist untergetaucht. Schon der ersten Verhandlung, die das Regionalgericht Ende Januar gegen ihn ­führen wollte, blieb er unent­schuldigt fern. Auch zum zweiten Prozess erschien er diese Woche nicht. Er wird laut der zuständigen Staatsanwältin zwar nicht aktiv gesucht. Doch falls er in eine Polizeikontrolle geraten sollte, würde er verhaftet.

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