Aus der Blütte wurde ein Paradiesli

Lauperswil

Ursula und Fritz Jakob aus Lauperswil haben sich einen Traum erfüllt und das elterliche Kleinbauernhaus Hintere-Blütte aus dem Jahr 1750 in die Neuzeit befördert. Der Umbau dauerte rund vier Jahre und birgt einige Eigenheiten.

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Der Kiesweg durch den Wald ist steil und kurvenreich. Kaum zu glauben, dass dort, wo der Weg endet, ein vollständig neu renoviertes Kleinbauernhaus steht. Hintere-Blütte heisst der Ort hoch über Lauperswil. Ins Auge sticht indes nicht nur das renovierte Gebäude am steilen Hang. Ebenso markant ist die Aussicht ins Tal Richtung Langnau. «Ja, das wird unser künftiges Zuhause», sagt Fritz Jakob.

Der ehemalige Fachlehrer an der Gartenbauschule in Oeschberg bei Koppigen weiss, wovon er spricht. Rund vier Jahre hat er mit Handwerkern aus dem eins­tigen Kleinbauernhaus seiner Schwiegereltern mit Baujahr 1750 ein Kleinod gemacht. Entstanden ist eine geräumige 4,5-Zimmer-Wohnung mit Nebenräumen und Schopf. Mehrheitlich originalgetreu wie damals. «Meiner Frau lag es am Herzen, die Originalstrukturen des Hauses nach Möglichkeit zu erhalten. Ich dagegen bin mehr künstlerisch veranlagt», sagt Jakob und schmunzelt.

Kunst und Historie

Beide Seiten sind in das Umbauprojekt geflossen. So wurden zum Beispiel die Fenster mit kleiner Scheibeneinteilung und die Fassaden im ursprünglichen Fleckenbau so historisch wie möglich nachgebaut, während im ­Inneren und um das Haus herum ­diverse Andenken an Fritz Jakobs zahlreiche Reisen erinnern. «Ich habe über 50 Länder und einige Kontinente bereist», erläutert der passionierte Velofahrer und Bergsteiger.

Da mag es auch nicht verwundern, dass beispielsweise im Wohnbereich eine Schnitzerei aus dem nepalesischen Kathmandu zu sehen ist, die eichene Eingangstüre jedoch gleich zwei in Holz geschnitzte Wappen von Lauperswil zieren. «Die Eingangstüre wurde von einem Schnitzer aus Nordrumänien gefertigt, den ich auf einer meiner Reisen kennen gelernt habe», sagt Fritz Jakob.

Neben dem Haus am stotzigen Hang ist zudem ein Teich entstanden. «Den Teich konnte ich in Zusammenarbeit mit Pro Natura mit dem Aushubmaterial realisieren, denn es wäre nicht einfach gewesen, dieses Material abzutransportieren», so der Hausherr. Und weiter: «Wer für Menschen baut, baut auch für die Natur.» Fritz Jakob hofft denn auch, dass sich dort bald die Geburtshelferkröte, auch bekannt unter dem Namen Glögglifrosch, ansiedeln wird.

Bienenwachs statt Farbe

Beim Umbau hat der ehemalige Gartenfachlehrer insbesondere auf das Verwenden von dauerhaften Materialien geachtet. So setzte er für den Holzbau auf die kanadische Douglastanne. «Deren Holz ist sehr ausdauernd und wetterfest», begründet Jakob und fügt an, dass die verwendeten Tannen nicht in Kanada, sondern im oberen Emmental gewachsen seien.

Um die Wetterfestigkeit der Holzkonstruktion noch zu verstärken, hat Jakob diese mit einem nach uralter Methode hergestellten Präparat aus Bienenwachs, gekochtem Leinöl und weiteren Zutaten in über 120 Stunden Handarbeit mittels Baumwolllappen imprägniert. Die genaue Zusammensetzung des Präparats will der Bauherr nicht preisgeben. Nur so viel: «Das Rezept habe ich von einem pensionierten Schreiner er­halten.»

Kontakt zur Denkmalpflege

Rund 550'000 Franken haben Ursula und Fritz Jakob in ihr zukünftiges Heim investiert. Das ist alles ohne öffentliche Beiträge geschehen. Den kantonalen Denkmalschutz haben die beiden zwar kontaktiert. «Wir konnten die Bauherren beratend unterstützen», sagt Stephan Zahno, Bauberater der kantonalen Denkmalpflege. Er stuft das Kleinbauernhaus als Gebäude ein, «das wir gerne betreuen».

Das Haus sei im kantonalen Bauinventar eingetragen, aber nicht bewertet. Es hat aus denkmalpflegerischer Sicht also weder den Status schützenwert noch erhaltenswert. «Weil das Gebäude über all die vielen Jahre mehrfach umgebaut wurde, haben wir auf eine Einstufung verzichtet», erklärt Bauberater Zahno. Zumal etwa auch der Speicher aus dem Jahr 1862 nicht mehr vorhanden sei.

Für Fritz Jakob und seine Frau jedenfalls ist klar: «Wir freuen uns sehr, das alte Haus erhalten zu können.» Nicht zuletzt deshalb soll aus der Liegenschaft Hintere-Blütte künftig das Paradiesli werden. «Wir haben Hinweise darauf, dass der Ort einst sogenannt wurde», sagt Fritz Jakob. Mehr dazu erfahren Interessierte am Tag der offenen Tür vom kommenden Wochenende.

Tag der offenen Tür: Samstag, 20., und Sonntag, 21. August, von 9 bis 17 Uhr, Hintere-Blütte, Lauperswil.

Berner Zeitung

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