Eggiwil

Der Polizeiposten bleibt im Dorf

EggiwilFür einmal hat ein Protestschreiben etwas genützt: Der neue Polizeidirektor Philippe Müller (FDP) überzeugte den Regierungsrat davon, einen unter seinem Vorgänger gefällten Entscheid aufzuheben.

«Umgerechnet auf die Kosten, die eine Demo verursacht, könnte man den Posten 40 bis 50 Jahre betreiben.» Philippe Müller, Justiz- und Polizeidirektor (FDP)

«Umgerechnet auf die Kosten, die eine Demo verursacht, könnte man den Posten 40 bis 50 Jahre betreiben.» Philippe Müller, Justiz- und Polizeidirektor (FDP)

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Meistens läuft es anders. Wenn Gemeindepräsidenten aus Regionen wie dem Oberen Emmental einen Brief nach Bern schreiben, in dem sie sich gegen irgendeine Schliessung wehren, besteht die Antwort in der Regel darin, dass man ihnen erklärt, warum der Entscheid schon seine Richtigkeit hatte.

Die vier Oberhäupter, die Mitte August ein zweiseitiges Schreiben unterzeichnet haben, werden dies wohl auch ohne allzu grosse Hoffnung auf Erfolg getan haben. Aber Niklaus Rüegsegger (Eggiwil), Beat Gerber (Schangnau), Matthias Sommer (Röthenbach) und Martin Wyss (Signau) wollten nicht einfach so hinnehmen, was ihnen die Kantonspolizei mündlich mitgeteilt hatte: dass der Polizeiposten in Eggiwil spätestens auf Ende 2019 geschlossen und in die Wache Langnau integriert werde.

Käser wollte die Schliessung

So ist das seinerzeit vom Regierungsrat des Kantons Bern beschlossen worden. Damals, als er sich entschied, die Polizeiwache in Langnau zu erweitern und ins Zeughausareal zu verlegen. «Im gleichen Aufwisch wollte man dann auch den Posten in Eggiwil schliessen», sagt Philippe Müller. Zu dieser Zeit sass er noch für die FDP im Grossen Rat. Jetzt ist er Justiz- und Polizeidirektor. Und als solcher hat er nun dafür gesorgt, dass der Entscheid, den sein Vorgänger und Parteikollege Hans Jörg Käser eingefädelt hatte, rückgängig gemacht wurde.

Diese Woche hat der Regierungsrat dem Wunsch der vier Gemeinden entsprochen. Müllers Direktion teilte ihnen brieflich mit, «dass die Kantonspolizei die Wache in Eggiwil mit drei Mitarbeitern weiterhin in Betrieb halten wird». Natürlich müssten die Verhältnisse und Entwicklungen rund um die Wachen in Langnau und Steffisburg sowie dem dazwischen liegenden Eggiwil weiterhin «sowohl in polizeilicher wie in räumlicher Sicht» beobachtet werden. Aber künftig werde die Kantonspolizei die Gemeinde in ihre Überlegungen einbeziehen, verspricht Müller.

«Er ist ein sehr einsichtiger Mann», freut sich Eggiwils Gemeindepräsident Niklaus Rüegsegger. Er macht sich zwar nicht die Illusion, «dass das jetzt für die nächsten 20 Jahre so bleibt». Aber die Eggiwiler sind in doppelter Hinsicht froh: Einerseits weil sie – wie auch die Signauer, Röthenbacher und Schangnauer – davon ausgehen, dass die Polizei im Notfall schneller intervenieren kann, wenn die Polizisten im Dorf bleiben. Andererseits aber auch wegen der Mieteinnahmen. Denn die Wache ist im Gemeindehaus stationiert. Die Räumlichkeiten habe die Gemeinde 2004 «ohne grosse Diskussionen extra für die Kapo eingerichtet», ist dem Schreiben zu entnehmen. Und sie haben darin noch eine ganze Reihe weiterer Argumente aufgezählt, die dafür sprachen, an der aktuellen Lösung nichts zu ändern.

«In keinem Verhältnis»

Doch Philippe Müller hätte gar keines zweiseitigen Argumentariums bedurft. Als er von der beabsichtigten Schliessung und dem damit verbundenen Unmut hörte, habe er sich nach den Kosten erkundigt, die mit dem Wegzug eingespart werden könnten. Die Mietkosten betragen jährlich 12 600 Franken, inklusive Nebenkosten und Garage.

«Rechnet man das um auf die Kosten, die der Polizei durch eine einzige Demo entstehen, könnte man den Posten 40 bis 50 Jahre betreiben», sagt Müller. Für den Polizeidirektor stand es deshalb «in keinem Verhältnis», die drei Polizisten nach Langnau zu verlegen und dafür eine längere Interventionszeit in den Gemeinden in Kauf zu nehmen.

Es ist laut dem Protestschreiben übrigens nicht so, dass die Polizei in ihrem Gebiet wenig zu tun hätte. «Gerade während der Töffsaison ist sie auf dem Schallenberg mehrmals wöchentlich unterwegs.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 26.10.2018, 20:18 Uhr

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