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«Die Firma war wie eine Familie»

33 Jahre lang hat Daniel von Allmen in der Hermann Dür AG gearbeitet. Nun wurde der 60-Jährige entlassen. Nicht nur finanziell, sondern vor allem auch psychisch belastet ihn die Kündigung.

Daniel von Allmen fühlte sich so sehr mit der Firma verbunden, dass er deren Logo bei sich zu Hause aufgehängt hat.
Daniel von Allmen fühlte sich so sehr mit der Firma verbunden, dass er deren Logo bei sich zu Hause aufgehängt hat.
Daniel Fuchs

Zehn Pferde ziehen einen Wagen voll beladen mit Mehlsäcken. «Das Stücklein Brot, das dich ernährt, ist mehr als Gold und Perlen wert», steht darüber. Viele Stunden habe er das Logo der Hermann Dür AG in die Holzplatte geschnitzt, sagt Daniel von Allmen. So widmete er seinem Brotgeber einen Teil seiner Freizeit.

«Die Firma war für mich wie eine Familie», meint der Mitarbeiter. Schon seit manchem Jahr hat die Schnitzerei einen besonderen Platz. Direkt hinter dem Stubentisch ziert sie die Wohnzimmerwand der Familie von Allmen in Alchenflüh.

Dass ihm diese Firma nun nach 33 Jahren gekündigt hat, schmerzt Daniel von Allmen besonders. «Ich war immer mit viel Herzblut bei der Arbeit.» In der Werkstatt ist der 60-Jährige für den Unterhalt von Maschinen ­sowie verschiedene Revisionsarbeiten zuständig. Als Allrounder kommt er im Lagerhaus, beim Wasserkraftwerk und bei der Mühle zum Einsatz.

«Ich war immer mit viel Herzblut bei der Arbeit.»

Daniel von Allmen

Auch der Geschäftsführer, Hans Rudolf Frei, sei mit seiner Arbeit zufrieden gewesen: «Beim Jahresgespräch im Dezember hat er mich noch gelobt und mich nach meinen ­Zukunftsplänen gefragt.» Gerne würde er bis zur Pensionierung in der Firma bleiben, habe er damals betont.

Zum Chef zitiert worden

Doch dann kam alles anders. Nach den Weihnachtsferien nahm Daniel von Allmen seine Arbeit am 9. Januar wieder auf. Sogleich wurde er zum Chef zitiert. Im Büro hätten ihn Firmeninhaber Hermann Marc Dür und Geschäftsführer Hans Rudolf Frei empfangen, erzählt er. «Als sie die Kündigung aussprachen, war das wie ein Schlag ins Gesicht.» Eine Umstrukturierung hätten sie als Grund dafür genannt.

Nebst von Allmen erhielten fünf weitere Mitarbeitende den blauen Brief. Eine Stunde später wurde dann die ganze Belegschaft über den Verkauf der Sparte Müllerei an die Mühle Fraubrunnen, Hans Messer + Co. AG, informiert. Ob die Mühle noch wirtschaftlich tragbar gewesen sei, könne er nicht beurteilen, sagt von Allmen. Die Lagerhaus AG Buchmatt hingegen laufe gut. Zehn Prozent habe sie im vergangenen Jahr zugelegt, wie der Verwaltungsrat am Jahresende kommuniziert habe, so von Allmen.

Kündigungen im Lagerhaus

Dass trotz positivem Jahresabschluss Stellen gestrichen werden, ist auch für Christian Gerber, Lagerchef bei der Lagerhaus AG Buchmatt, unverständlich. «Obwohl das Lagerhaus anscheinend nicht vom Verkauf betroffen ist, haben hier zwei Personen die Kündigung erhalten», so Gerber. So seien der Arealwart sowie ein 62-Jähriger, der für die Ein- und Auslagerung zuständig gewesen sei, entlassen worden. «Wie es ohne diese Arbeitskräfte ab Mai weitergehen soll, weiss ich nicht», meint Gerber.

«Als sie die Kündigung aussprachen, war das wie ein Schlag ins Gesicht.»

Daniel von Allmen

Auch Daniel von Allmen hat die Hälfte seines Pensums im Lagerhaus gearbeitet. So habe er Hermann Marc Dür gefragt, ob er in einer Teilzeitanstellung weiterhin für diesen Bereich tätig sein könne. Dieser Vorschlag sei jedoch abgelehnt worden. Auch eine frühzeitige Pensionierung sei nie Thema gewesen.

Ein Härtefall

Ob er etwas aus dem Führsorgefonds bekomme, wisse er nicht. «Herr Dür meinte, dieser sei nur für Härtefälle, aber das bin ich ja», ist von Allmen überzeugt. Denn seine Frau könne wegen einer rheumatischen Erkrankung nur in einem kleinen Pensum als Reinigungskraft arbeiten. Und wenn er stempeln müsse, werde es finanziell knapp bis zur Pensionierung. «In meinem Alter eine neue Stelle zu finden, ist sehr schwierig.»

Einen Funken Hoffnung hat von Allmen nun aber doch. Wenn alles klappt, kann er in einer Burgdorfer Firma probearbeiten. «Hoffentlich bieten sie mir eine Stelle an.»

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