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Die Holzbrücke hielt jedem Hochwasser stand

Mehr als 300 Jahre lang stellte sie sich Wind und Wetter entgegen und hielt jedem wilden Wasser stand: die Emmenbrücke. Auch 100 Jahren nach ihrem Abbruch findet sich noch ein Originalteil im Gotthelf-Dorf.

Jacqueline Graber
Im Jahr 1899 waren die Tage der alten Brücke gezählt. Rund drei Jahre später wurde sie abgebrochen.
Im Jahr 1899 waren die Tage der alten Brücke gezählt. Rund drei Jahre später wurde sie abgebrochen.
Paul Schöni/PD
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Hoch zu Ross und bei Schneegestöber ritt am 1. Januar 1831 Vikar Albert Bitzius, alias Jeremias Gotthelf über die Holzbrücke in Lützelflüh ein. Gebaut wurde der Übergang, der das Unter- mit dem Oberdorf verband, im Jahr 1584. Damals herrschte im Emmental ein richtiges «Brückenfieber» , ist im Buch «Die Brücke von Lützelflüh» von Gemeindehistoriker Max Frutiger (1900–1984) nachzulesen.

Bislang gab es im Dorf nur einen Steg, schwankend, ohne Geländer und nur für Fussgänger geeignet. Ross und Wagen mussten die Emme bei einer seichten Stelle, einer sogenannten Furt, überqueren. Was nicht ganz ungefährlich war.

Grosser Batzen von Bern

Gebaut wurde die Emmenbrücke von den vier Gemeinden Trachselwald, Sumiswald, Lützelflüh und Hasle, und zwar mit der ausdrücklichen Erlaubnis der Gnädigen Herren von Bern. Diese spendeten einen grossen Batzen an die Kosten, nämlich 100 Pfund. Nach heutiger Währung sind das rund 7000 Franken.

Gebaut wurde der Übergang als gedeckte Brücke, um Fahrbahn und Tragwerk vor dem Wetter zu schützen. Sie stand auf mehreren Jochen, und zudem lag die Fahrbahn an beiden Ufern auf relativ hohen Widerlagern, die die Brücke mehr als gewöhnlich über das Wasser hoben.

Diesem Umstand sei es offenbar zu verdanken, dass sie an Altersschwäche starb und nicht wie die umliegenden Brücken «dem Eggiwilfuhrmann» verkauft wurde, schrieb der Historiker in seinem Buch.

Zwar überstand die Brücke zahllose Hochwasser, dennoch beschädigte das wilde Wasser bisweilen Joch, Tragwerk und Widerlager. Die Reparaturarbeiten kosteten jeweils die vier Gemeinden eine Stange Geld. Darum war man im 19. Jahrhundert bestrebt, die Brücke durch einen Neubau zu ersetzen und die Verwaltung dem Kanton Bern zu übertragen.

Doch erst 1901 konnte der langersehnte Vertrag zwischen der Baudirektion des Kantons Bern und der Gemeinde Lützelflüh unterzeichnet werden. Dies, nachdem im Vorfeld die drei anderen Gemeinden die alte Brücke an Lützelflüh abgetreten hatten.

Vom Rost zerfressen

Das Foto, dass von Paul Schöni zur Verfügung gestellt wurde, stammt schätzungsweise aus dem Jahr 1899. Damals waren die Tage der Brücke gezählt. Sie wurde vom 18. bis zum 22. Dezember 1902 abgebrochen und durch eine stählerne Fachwerkkons­truktion ersetzt. Diese überdauerte kaum 70 Jahre.

Der Rost hat sie zerfressen. 1971 wurde eine moderne, ästhetisch ansprechende Eisenbetonbrücke erstellt, wie Max Frutiger in seinem Buch den Neubau beschreibt. Noch heute verbindet diese Brücke das Unterdorf mit dem Oberdorf.

Doch auch an ihr nagte der Zahn der Zeit: Im Sommer 2015 er­folgte eine dreimonatige Sanierungsphase: Der Belag, die Brückenentwässerung und der Fahrbahnübergang mussten ersetzt werden.

Und obwohl der Abbruch der alten Holzbrücke mittlerweile mehr als 100 Jahre zurückliegt, ist sie immer noch im Dorfbild verankert. Ein Originalteil steht seit dem Abriss bei der Kulturmühle in Lützelflüh.

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