Die Krimibeiz auf Tournee

Burgdorf

Im Burgdorfer Schützenpark planen die Besucher ihre Expeditionen von einem Tatort zum nächsten. Aus leer stehenden Büros wurde innert weniger Wochen ein Restaurant für Krimifans gezimmert. Ein nicht ganz einfaches Unterfangen.

Die Uniform passt: Jessica Kobel (links) und Sabine Käch bereiten sich auf den Anlass vor.

Die Uniform passt: Jessica Kobel (links) und Sabine Käch bereiten sich auf den Anlass vor.

(Bild: Thomas Peter)

Regina Schneeberger

Eine schillernde pfauenköpfige Vase aus dem Iran, ein chinesischer Wächterlöwe, ein farbenprächtiger Papagei: Wie das Wohnzimmer eines Weltenbummlers ist die Krimibeiz eingerichtet. Das temporäre Restaurant im Schützenpark (ehemals Schafroth-Areal) ist Dreh- und Angelpunkt der Burgdorfer Krimitage, die am Freitag starten. Dass hier Schätze aus aller Welt zu finden sind, kommt nicht von ungefähr. «In der Beiz sollen sich die Besucher wie Entdecker fühlen», sagt Sabine Käch, Leiterin Gastronomie. Denn von hier aus würden sie ihre Expeditionen planen. Etwa zum Vortrag des Reschtsmediziners Christian Jackowski oder zur Krimikomödie mit Beat Schlatter.

Vor knapp zwei Monaten hatten die Räume des leer stehenden Gebäudes aber noch wenig Abenteuerliches an sich. Karge Büros mit Spannteppichen hätten sie angetroffen, sagt Jessica Kobel, Medienverantwortliche und Krimibeiz-Tätschmeisterin. Die Verwandlung zum Restaurant mit 70 Plätzen hat dann einiges an Zeit und Arbeit in Anspruch genommen.

«In der Beiz sollen sich die Besucher wie Entdecker fühlen .»Sabine Käch 

Während sechs Wochenenden waren jeweils rund zehn Helferinnen und Helfer im Einsatz. Sie haben Wände herausgerissen, gestrichen, elektrische Leitungen verlegt. Weil das Gebäude später kernsaniert werde, hätten sie viele Freiheiten gehabt, so Kobel. Zudem sei es ideal gelegen. Gleich gegenüber ist nämlich die Kulturhalle Sägegasse, in der die grossen Veranstaltungen stattfinden werden.

Neues Zentrum

Zentrum des Geschehens und Heimat der Krimibeiz war in der Vergangenheit das Casino-Theater. Doch bereits bei der letzten Durchführung vor zwei Jahren ging man auf Tournee. Verpflegt wurden die Besucher im Schopf beim Bahnhof Steinhof, und gewisse Veranstaltungen fanden gar im Zug statt. Weil man nicht genau wusste, wann der Umbau des Casino-Theaters beginnen würde, habe man sich schon damals für einen alternativen Standort entschieden, so Sabine Käch.

Und nun, da es tatsächlich im Umbau ist, dienen die Kulturhalle und der Schützenpark als Dreh- und Angelpunkt. Gerade in der Gastronomie läuft einiges anders. Im Casino-Theater hatte man eine voll ausgestattete Küche und eine Bar zur Verfügung. «Hier mussten wir jedes Löffeli und jeden Flaschenöffner selbst beschaffen», sagt Käch. So wird im Vorraum der Beiz eine Art Küche mit Büffet eingerichtet.

Abwaschmaschine, Kühlschränke, Wärmebehälter werden hier platziert. Gekocht wird aber andernorts. «Wir machen die Mahlzeiten nur warm», so Käch. Zubereitet werden sie von verschiedenen Helfern in ihren Küchen. «Auch unsere Mütter haben wir aktiviert», sagt die Leiterin Gastronomie. Sie bereiten das zu, was hausgemacht ohnehin am besten schmeckt: Schlüfchüechli.

Schlüfchüechli und Mezze

Aber auch exotischere Speisen werden angeboten. Schliesslich soll ein internationales Flair herrschen. So stehen indische Currys, arabische Mezze und französische Terrinen auf der Karte. Mit 120 verkauften Menüs täglich rechnet Sabine Käche. Nebst der Krimibeiz werden in der Kulturhalle und im Alpinakeller Getränke und Snacks verkauft. Und auch die Künstler wollen verpflegt werden. Rund 400 Menüs seien eingeplant.

Würde man sie in einem anderen Restaurant verköstigen, wäre das ein recht grosser Budgetposten. Dank der freiwilligen Helfer spare man bei der Zubereitung und im Service einiges ein. «Das Ziel ist, dass wir mit der Gastronomie einen Gewinn erwirtschaften», hält Käch fest. Mit dem Überschuss würden allfällige Defizite bei nicht ausverkauften Vorstellungen quersubventioniert oder er würde als Reserve für die nächsten Krimitage dienen.

Tote Tiere

Bevor es an deren Planung geht, stehen jetzt aber erstmal die aktuellen bevor. Bis diese starten können, gibt es einiges zu tun. Am Mittwochnachmittag fehlt noch ein Grossteil des Mobiliars, Tische und Stühle, die gemietet werden. Zudem werden ganz besondere Ausstellungsstücke erst angeliefert. Ein Gepard, ein Luchs, ein Bär und weitere wilde Tiere stellt das Solothurner Naturhistorische Museum zur Verfügung.

Ausgestopfte, versteht sich. In der Kulturhalle Sägegasse und in der Krimibeiz werden sie platziert. Bleibt nur zu hoffen, dass sie nicht mit Arsen präpariert wurden. Die Giftspuren an ausgestopften Tieren in Schulen sorgten vor einem Jahr für Schlagzeilen. Und Arsen hat bekanntlich schon in so manchem Krimi das Opfer ins Jenseits befördert.

Vom 2. bis 11. November dreht sich in Burgdorf alles um den Krimi. In Lesungen und Theatervorstellungen werden fiktive Kriminalgeschichten präsentiert. Aber auch reale Mordfälle sind bei verschiedenen Vorträgen und Inszenierungen Thema.

Berner Zeitung

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