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Die Krux mit gelagertem Material am Bach

Immer wieder warnen Emmentaler Gemeinden davor, Brennholz oder Siloballen in Bachnähe zu lagern. Der Erfolg dieser Warnungen hält sich teilweise in Grenzen.

Wenn man sieht, wie sich die Emme beim Unwetter in Bumbach (Juli 2014) gebärdet hat, versteht man, dass in Ufernähe nichts gelagert werden sollte. Archivbild: Hans Wüthrich
Wenn man sieht, wie sich die Emme beim Unwetter in Bumbach (Juli 2014) gebärdet hat, versteht man, dass in Ufernähe nichts gelagert werden sollte. Archivbild: Hans Wüthrich

«Die Lagerung von Holz, Siloballen oder anderen Gegenständen in der Nähe von Flüssen und Bächen ist nicht zulässig.» Das schreibt der Gemeinderat Eggiwil in seiner Novemberausgabe der Gemeindenachrichten. Und er fügt an: «Gemäss Weisung des Amtes für Gemeinden und Raumordnung (AGR) sind nach Artikel 11, Absatz 1 Baugesetz im geschützten Uferbereich Kleinbauten und Materiallager generell unzulässig.» Der Text wird von einem Emoji mit hängenden Mundwinkeln ergänzt.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Oberemmentaler Gemeinde in ihrem Bulletin auf diesen Missstand hinweist. «Gerade bei Hochwasser kann im Uferbereich gelagertes Material mitgerissen werden und grosse Schäden verursachen», sagt Gemeindeschreiber Stefan Ruch.

Eggiwil ist nicht die einzige Gemeinde im Emmental, in der das temporäre Lagern von Brennholz, Siloballen und dergleichen an Fliessgewässern ein Thema ist. Ähnliche Hinweise publizieren zum Beispiel die Gemeindeverantwortlichen von Trub und Schangnau.

«Spezielles Thema»

«Dies ist ein sehr spezielles Thema», meint denn auch der Truber Gemeinderat Adrian Henauer und fügt gleich an: «Es ist wichtig, die Bevölkerung immer wieder darauf hinzuweisen, dass es nicht gestattet ist, Materialien in Ufernähe zu lagern.» Dies geschieht mit mehr oder weniger Erfolg. «Einige zeigen Verständnis, aber es gibt eben auch die Uneinsichtigen», so der Sicherheitsvorsteher.

«Wenn wir das Gespräch suchen, finden wir meist eine Lösung»

Adrian Henauer, Gemeinderat Trub

Allerdings gebe es auch Situationen, wo ein geeigneter Lagerplatz schlicht und einfach fehle. Gerade bei einem Holzschlag in einem «Chrachen» gebe es oft nur die Möglichkeit, das Holz in Bachnähe zu lagern. Adrian Henauer appelliert denn auch an den gesunden Menschenverstand. «Wenn wir das Gespräch suchen, finden wir meist eine Lösung», sagt er.

Schangnau handelte

Was passiert, wenn es wie aus Kübeln regnet und Bäche und Flüsse innert Kürze anschwellen und Siloballen, Brennholz und andere Materialien in Ufernähe mitgerissen werden, hat die Gemeinde Schangnau am 24. Juli 2014 erfahren.

«Leider stellten wir bereits ein Jahr nach dem Schadenereignis wieder entsprechende Materiallager zu nahe an den Gewässern fest.»

Beat Gerber, Gemeindepräsident Schangnau

«Wir haben noch Monate nach dem Unwetter Ballenplastik, Abdeckbleche für Brennholz und andere Materialien aus der Emme gefischt», erklärt Gemeindepräsident Beat Gerber. Ganz abgesehen davon, dass seither das Räbloch zwischen Schangnau und Eggiwil mit Tausenden von Kubikmetern Schwemmgut verstopft ist und im kommenden Frühjahr mit viel Aufwand saniert werden muss.

Nach dem Hochwasser 2014 zog man in Schangnau tonnenweise Schwemmholz an Land. Foto: zvg
Nach dem Hochwasser 2014 zog man in Schangnau tonnenweise Schwemmholz an Land. Foto: zvg

«Leider stellten wir bereits ein Jahr nach dem Schadenereignis wieder entsprechende Materiallager zu nahe an den Gewässern fest» sagt Gerber. Die Gemeinde habe danach gehandelt und die Urheber aufgefordert, die Lager zu entfernen. Dabei sei es wichtig gewesen, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen und nicht gleich mit Sanktionen aufzuwarten.

«Jetzt ist die Situation viel besser», betont der Gemeindepräsident. Zumal die Bevölkerung nicht zuletzt auch aufgrund er regelmässigen Hinweise in der Gemeindepublikation wisse, worum es geht. Und: «Ich hoffe, es wird auch längerfristig so bleiben.»

Verantwortung vergessen

Für Claudia Rindlisbacher, Emmentaler Regierungsstatthalterin, ist klar: Wer Anstösser eines Fliessgewässers ist, trägt auch Verantwortung. «Leider ist es vielen Leuten nicht präsent, was passieren kann, wenn Materialien in Ufernähe gelagert werden», sagt sie und ist deshalb froh, wenn die Gemeinden die Bevölkerung mit entsprechenden Hinweisen sensibilisieren.

So seien von Gesetzes wegen eben auch kleinere Lagerplätze im Gewässerraum nicht erlaubt und grundsätzlich von allen Bauten und Anlagen freizuhalten. Ausnahmebewilligungen seien nur in Einzelfällen möglich und müssten im Rahmen eines Baubewilligungsverfahrens eingeholt werden.

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