Die Tigers-Fans sind trotzdem stolz

Langnau

Mehr als 600 Personen verfolgten den Viertelfinal Langnau gegen Lausanne im Tigersaal auf Grossleinwand. Jubel kam nur einmal auf, beim Ehrentreffer von Harri Pesonen.

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Jacqueline Graber

Es hätte ein so schöner Abend werden können. Doch schon kurz nach Spielbeginn schiesst Lausanne das erste Tor. «Das gibts doch nicht. Jetzt hat es ein Goal gegeben, und sie sind in der Unterzahl», sagt ein Mann, der sich in der Essensschlange eingereiht hat. Der Andrang an der Theke ist gross, doch keiner drängelt, niemand ist nervös – schliesslich hat man auch von hier aus freie Sicht auf die Grossleinwand.

«Das kommt schon gut», bemerkt Ingrid Zeh, die ebenfalls in der Kolonne auf ihren Hamburger wartet. Sie ist die Witwe des 2010 verstorbenen René Zeh. Er war in der Saison 1998/1999 der letzte Präsident des Vereins Schlittschuh-Club Langnau. Zeh führte die Tiger in die Neuzeit, indem er im November 1999 aus dem Verein die SCL Tigers AG machte. Es sei das erste Mal seit dem Tod ihres Mannes, dass sie sich ein Spiel in der Ilfishalle anschaue. Ganz spontan habe sie sich dazu entschlossen, denn sie sei erst einige Stunden vor Matchbeginn aus ihrer 23-tägigen Kur in Gunten zurückgekehrt. «Der Koffer ist noch im Auto. Ich kam direkt hierher.»

Ein K.-o.-Schlag

Der Tigersaal ist gestossen voll am Samstagabend. Es gibt kaum ein Durchkommen. Pascal Schneider, Leiter Gastronomie und Events, schätzt die Zahl der Besucher auf über 600 Personen. «Die ersten Fans standen schon vor Türöffnung um 18.30 Uhr vor der Ilfishalle.» Und auch nach dem Anpfiff strömen immer noch Besucher in den Saal. Alle wollen sehen, wie die Langnauer die Lausanner bodigen. Alle wollen den Einzug ihres Clubs in den Halbfinal mitverfolgen.

Doch es sollte anders kommen: Nachdem im Startdrittel die Lausanner zwei Tore erzielt haben, steht einigen Fans die Niederlage bereits ins Gesicht geschrieben. «Das darf doch nicht wahr sein», sagt ein Mann und schüttelt ungläubig den Kopf. Ein Junge indessen glaubt immer noch an den Sieg: «Chömmet Giele, chömmet», ruft er euphorisch auch dann noch, als im Mitteldrittel vor der Pause das 0:5 und das 0:6 fallen. Ein Raunen geht durch die Menge. Die ersten Gäste verlassen den Tigersaal. Der Sportmoderator im Fernsehen spricht von einem K.-o.-Schlag.

Drei Oberländer

«Einen Schluck würde ich schon gerne nehmen», sagt Cyril Fluri aus Spiez in der Pause vor dem Schlussdrittel. Er hat es sich mit seinen beiden Kollegen Sven von Känel, ebenfalls aus Spiez, und Michael Schwarzentrub aus Frutigen auf einem Sofa direkt vor der Grossleinwand bequem gemacht. Als treue Tigers-Fan sind sie entsprechend angezogen: Shirt, Caps und Schals, alles in Gelb-Rot. An mehr als 30 Spielen war das Trio diese Saison dabei – daheim in Langnau und auswärts. Nach Lausanne zu fahren, war jedoch keine Option. «Wir sind mit dem Zug unterwegs und wären nach dem Match nicht mehr nach Hause gekommen», sagt Sven von Känel.

Ein Ehrentreffer

Zu Beginn des Schlussdrittels hat sich die Zuschauerreihe deutlich gelichtet. Der kleine Junge, der einst die Tigers mit «Chömmet Giele» anfeuerte, hat nun eine Tüte Pommes vor sich. Sein Interesse gilt mehr dem Essen als dem Geschehen auf der Leinwand. Der Glaube an den Sieg ist bei den Fans längst verflogen, Spass haben höchstens noch die Kinder, die draussen im Korridor Fangen spielen.

Doch dann – kommt doch noch für einen kurzen Moment Jubel auf im Tigersaal: Harri Pesonen erzielt den Ehrentreffer für Langnau. Nun ist auch der Moment für die drei Oberländer gekommen, jeder kramt eine «Schnapswäntele» hervor, es wird angestossen. Die drei Männer zeigen sich nach dem Kantersieg von Lausanne von 8:1 nicht enttäuscht. «Dass wir es bis in die ‹Belle› schafften, ist super», sagt Michael Schwarzentrub, und seine Kollegen pflichten ihm bei.

Und auch nach dem Match feiern draussen vor der Ilfishalle ein paar treue Fans ihren Club. Allen voran ein Mann, der unermüdlich mit zwei Hölzern aufeinanderschlägt und lauthals ruft: «Hopp Langnau, hopp Langnau.» Einige stimmen in den Jubel ein. Auch sie sind stolz auf die Hockeyspieler der SCL Tigers.

Berner Zeitung

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