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«Ein Spielball der Geschäftsmänner»

Der Notar, der sich wegen mutmasslicher Veruntreuung vor dem Regionalgericht verantworten musste, wurde freigesprochen.

Das Regionalgericht in Burgdorf: Gerichtspräsidentin Nicole Fankhauser sprach den Notar frei.
Das Regionalgericht in Burgdorf: Gerichtspräsidentin Nicole Fankhauser sprach den Notar frei.
Thomas Peter

Ein grosser Stein dürfte dem Juristen, der für einmal selber vor Gericht stand, vom Herzen gefallen sein. Gerichtspräsidentin Nicole Fankhauser sprach ihn von den Vorwürfen der Veruntreuung sowie der ungetreuen Geschäftsbesorgung frei. Überhaupt erst vor Gericht gebracht hatte ihn der Entschluss, fünf Inhaberschuldbriefe ohne die Einwilligung des Pfandgebers an eine Bank herauszugeben.

Als Sicherheit hinterlegt

In ihrer gestrigen Urteilsverkündung ging die Gerichtspräsidentin nochmals auf die komplexe Vorgeschichte ein: Ein Bauunternehmer hatte bei einem Berufskollegen einen Kredit in Höhe von 1,5 Millionen Franken aufgenommen. Zur Sicherheit des Pfandgebers wurden die besagten Schuldbriefe beim Oberaargauer Notar hinterlegt .

Als der Pfandnehmer den Juristen im November 2012 mit einer dringenden Mail anwies, die Briefe herauszugeben, suchte dieser das persönliche Gespräch mit dem Unternehmer. Er habe ihm glaubwürdig versichert, dass der Geldgeber mit dem Vorgehen einverstanden sei, gab der Notar am Dienstag während der Verhandlung zu Protokoll. Zumal auch der Pfandgeber selber von einem geplanten Grossprojekt habe profitieren können.

«Wegen der erheblichen Zweifel an den Aussagen des Klägers hat das Gericht in dubio pro reo zu entscheiden.»

Nicole FankhauserGerichtspräsidentin

Nach der Herausgabe informierte er diesen unverzüglich mit einer E-Mail und einem A-Post-Brief, so der Beschuldigte weiter. Der Kläger wiederum gab zu Protokoll, erst im Februar 2014 – nach einem Telefonat seiner Frau mit dem Notar – auf die E-Mail gestossen zu sein. Vom Brief wollte er gar nichts wissen.

Doch die Einwilligung erteilt?

Gerichtspräsidentin Fankhauser zitierte in ihrer Begründung die Anwältin des Notars: «Der Beschuldigte ist zu einem Spielball der beiden Geschäftsmänner geworden.» Der Kläger habe versucht, die Forderungen an seinen Kreditnehmer auf den Juristen abzuwälzen. Zudem seien die Aussagen des Geschäftsmannes widersprüchlich und fragwürdig.

So habe er zunächst behauptet, im November 2012 gar keine E-Mail erhalten zu haben. Erst während der Verhandlung habe er plötzlich ausgesagt, dass sich die Mail ständig in seinem Postfach befunden habe. Vieles deute gar darauf hin, dass der Kläger bei seinem Berufskollegen sehr wohl die Einwilligung zur Herausgabe der Inhaberschuldbriefe erteilt habe. «Wegen der erheblichen Zweifel an den Aussagen des Klägers hat das Gericht in dubio pro reo zu entscheiden.»

Das Verhalten und die Aussagen des Notars, der sich bis anhin noch nie etwas habe zuschulden kommen lassen, bewertete Nicole Fankhauser in ihrer Begründung denn als glaubwürdig. Zwar habe der Jurist bei der Herausgabe der Schuldbriefe nicht vorsichtig gearbeitet, «straffällig war er aber keinesfalls». In beiden Fällen fehle es am objektiven Tatbestand.

Die Anwaltskosten des Beschuldigten sowie die Verfahrenskosten von knapp 8500 Franken trägt nun der Kanton. Die Staatsanwaltschaft sowie der ­Privatkläger können innert zehn Tagen Berufung gegen das Urteil einlegen.

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