Eine Kettenreaktion ausgelöst

Unteres Emmental

Nach Bätterkinden verabschieden sich auch Utzenstorf und Wiler aus der Jugendarbeit Region Fraubrunnen. Weil dadurch die Kantonsbeiträge wegfallen, wird sich der Trägerverein auflösen.

«Der Zusammenhalt bröckelt» ­titelte diese Zeitung Anfang September. Gemeint war der Verein Jugendarbeit Region Fraubrunnen (JAF), als die Gemeinden Utzenstorf und Wiler ihren Austritt bekannt gegeben hatten. Vor zwei Jahren war bereits Bätterkinden aus der regionalen Jugendarbeit ausgestiegen. Nun, drei Monate nach der Schlagzeile, ist definitiv klar: Der Verein JAF ist am Ende.

Zu wenig Kinder

Der Vorstand analysierte die Situation nach dem Austritt der beiden Gemeinden aus dem unteren Emmental. Claudia Meier, zuständige Fraubrunner Gemeinderätin und Präsidentin des Vereins JAF, sagt jetzt: «Der Vorstand wird den Mitgliedern die Vereinsauflösung per Ende 2018 beantragen.» Die Versammlung wird Ende März stattfinden.

Mitglieder sind vorwiegend Gemeinden und Kirchgemeinden, aber auch einige Privatpersonen. Der Grund für die Auflösung ist letztlich finanzieller Natur: Der Kanton zahlt Beiträge an die Jugendarbeit nur an Organisationen mit mindestens 2000 Kindern in ihrem Einzugsgebiet. Nach dem Austritt von ­Utzenstorf und Wiler erfüllt der Verein JAF dieses Kriterium nicht mehr.

Die Jugendarbeit ohne Kantonsbeiträge aufrechtzuerhalten, könnten sich die Gemeinden kaum leisten, so Meier. Andere Kommunen zu finden, die dem Verein beitreten und so die Kinderzahl wieder erhöhen würden, ist laut der Präsidentin zudem schwierig: «Die meisten ­Gemeinden in der Region sind schon einer Organisation angeschlossen.»

Ein grosser Wermutstropfen sei für den Vorstand, dass sich die zwei Mitarbeitenden der Jugendarbeit Region Fraubrunnen nach einer neuen Arbeitsstelle umsehen müssten. «Sie werden dabei vom Vorstand so gut wie möglich unterstützt», sagt Meier.

Künftig ganz auf die Jugendarbeit zu verzichten, ist für Fraubrunnens Gemeinderat hingegen keine Option. «Wir werden uns nach einer anderen Institution umsehen, der wir uns anschliessen können.»

Es sollte nicht teurer werden

Betroffen von der Vereinsauflösung sind auch die fünf Dörfer des Gemeindeverbandes Koppigen. Sie sind seit vier Jahren Teil der Jugendarbeit Region Fraubrunnen. Der zuständigen Koppiger Gemeinderätin Karin Jost ist klar, dass der Verein JAF ohne die finanzielle Unterstützung des Kantons keine Zukunft hat. «Für die Verbandsgemeinden heisst das nun, dass wir ab 2019 selber schauen müssen.»

Die fünf zuständigen Gemeinderäte haben deshalb eine Arbeitsgruppe gebildet. Das Ziel sei, einen neuen Partner zu suchen, der die Jugendarbeit zum gleichen Preis anbiete wie derzeit der Verein JAF, sagt Jost. Die Arbeitsgruppe werde in den nächsten Wochen die Möglichkeiten evaluieren und Offerten einholen.

Wiler und Utzenstorf haben sich entschieden, mit dem Verein Jugendwerk Münchenbuchsee einen Leistungsvertrag abzuschliessen. Das ist für Jost ebenfalls eine valable Option. Die Gemeinderätin gibt zudem zu bedenken: «Wir haben ohnehin nicht unzählige Möglichkeiten. Denn es gibt gar nicht so viele Institutionen, die Jugendarbeit anbieten und auch geografisch Sinn machen.»

Ob sich Koppigen, Alchenstorf, Höchstetten und Willadingen letztlich für das Jugendwerk Münchenbuchsee oder doch für einen anderen Anbieter entscheiden, soll laut Jost möglichst im ersten Quartal 2018 entschieden werden. Danach müssten die jeweiligen Gemeinderäte dem künftigen Partner zustimmen und die Leistungsverträge ausarbeiten.

In Hellsau wird abgestimmt

Ob auch Hellsau, die fünfte Gemeinde des Verbandes, mitmacht, ist hingegen offen. Der verantwortliche Gemeinderat Ueli Lüdi erklärt, man wolle zuerst die Offerten prüfen. Danach werde man die Gemeindeversammlung orientieren und diese auch abstimmen lassen. Dieses Vorgehen habe der Gemeinderat beschlossen, so Lüdi. Er per­sönlich sei der Meinung, eine ­gemeinsame Lösung des Gemeindeverbandes wäre sinnvoll, weil die Hellsauer Kinder auch die Schule in Koppigen besuchen.

Karin Jost hofft ebenfalls, dass ab 2019 in den Dörfern des Gemeindeverbandes weiterhin Jugendarbeit angeboten wird. «Deren Angebote sind eine gute Sache», sagt sie überzeugt.

Berner Zeitung

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