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Er suchte seine Mutter

Jan Kuhn will zu seinen Wurzeln finden. Seine Nachforschungen führen ihn ins Emmental. Doch der Gemeindeschreiber darf vorerst nicht weiterhelfen. Denn es geht um heikle Daten.

Schliesslich findet er sie doch: Jan Kuhn mit seiner Mutter in Hasle.
Schliesslich findet er sie doch: Jan Kuhn mit seiner Mutter in Hasle.
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Jan Kuhn, 27, junger Familienvater, ist auf der Suche nach seinen Wurzeln. Und die Suche führt ihn nach Lützelflüh. Dort nämlich soll laut Adoptionsverfügung seine leibliche Mutter gewohnt haben, als sie ihn weggab. Kuhn, ein unauffälliger Typ mit kurz geschorenem Haar und Kapuzenpullover, macht sich also vom zürcherischen Rümlang auf ins Emmental. Doch die Suche geht er nicht allein an.

Begleitet wird er von einem Privatdetektiv, bei dem er ein Praktikum macht. Diesen beruflichen Weg schlägt er nicht nur aus karrieretechnischen Gründen ein, sondern auch weil er sich erhofft, so seine Mutter schneller aufzuspüren. Ebenfalls an Kuhns Seite: ein Kamerateam des Schweizer Fernsehens. Es zeichnet die Suche für die Dokuserie «Familiensache» auf. Im Januar wurden die fünf Folgen jeweils am Freitagabend zur besten Sendezeit ausgestrahlt.

Der Duft der Heimat

In Lützelflüh angekommen, schauen sich Kuhn und seine Entourage die mit Blumen geschmückten Bauernhäuser, die saftigen Wiesen und die prächtigen Kühe an. «Die Luft hier zu atmen, ist schon etwas besonders», meint Kuhn und schaut nachdenklich in die Kamera. Aber der 27-Jährige will seine Heimat nicht nur auf sich wirken lassen. Er sucht nach Antworten. Diese hofft er auf der Verwaltung zu finden. Ganz spontan begibt sich das Kamerateam samt dem Protagonisten also zum Gemeindehaus. So spontan ist das bestimmt nicht abgelaufen, denkt sich der kritische Zuschauer.

Alles nur gespielt? Keineswegs, wie Gemeindeschreiber Ruedi Berger erzählt. Plötzlich sei das Fernsehteam vor dem Eingang gestanden. «Erst war ich schon etwas überrumpelt.» Auch die Frage des jungen Mannes traf Berger unvorbereitet. «In den 20 Jahren, in denen ich hier arbeite, gab es noch nie eine solche Anfrage.» Zwar wäre es für ihn ein Leichtes gewesen, den aktuellen Wohnort der Mutter herauszufinden. «Doch das ist ein heikles Thema, und ich kann nicht einfach Auskunft erteilen.» Der Gemeindeschreiber vertröstete Kuhn also auf später. Erst einmal muss er die Angelegenheit mit dem kantonalen Jugendamt abklären.

Die Nachforschungen

Dieses ist nämlich zuständig für die Nachforschungen. Jede volljährige adoptierte Person hat das Recht auf Auskunft über die leiblichen Eltern, wie es auf der Website des Kantons heisst. Minderjährige Adoptivkinder hingegen erhalten nur Auskunft, wenn ein schutzwürdiges Interesse vorliegt, beispielsweise im Falle einer Erbkrankheit, wie Andrea Weik, Leiterin des kantonalen Jugendamts, erläutert. Erst mal werden aber auch den erwachsenen Adoptierten nur gewisse Daten bekannt gegeben, sprich: der Name, der Heimatort und der Geburtsort der leiblichen Eltern.

Der aktuelle Wohnort wird bloss mitgeteilt, wenn die leiblichen Eltern einverstanden sind. «Wollen sie keinen Kontakt, können der suchenden Person nur die Daten zum Zeitpunkt der Adoption bekannt gegeben werden», so Weik. Nicht nur die Adoptierten können ihre Angehörigen suchen. Auch im umgekehrten Fall stellt der Kanton bei Bedarf Nachforschungen an. Seitdem Anfang 2018 das neue Adoptionsrecht in Kraft trat, wird Anfragen von leiblichen Eltern, Geschwistern und Halbgeschwistern ebenso nachgegangen.

«In den 20 Jahren, in denen ich hier arbeite, gab es noch nie eine solche Anfrage.»

Ruedi Berger, Gemeindeschreiber

Der Privatdetektiv

Um an die Daten zu kommen, recherchieren die Kantonsangestellten in den Akten des Staatsarchivs und der Gemeinden. Bei Jan Kuhn hingegen kommt es nicht so weit: Die Gemeinde Lützelflüh verweist ihn zwar in einem Schreiben an den Kanton. Doch der junge Mann wählt nicht den offiziellen Weg. Mit seinen im Praktikum erworbenen Kenntnissen stellt er über Facebook Nachforschungen an.

Und findet seine Mutter auf diesem Weg wohl schneller, als wenn er übers Amt gegangen wäre. Es stellt sich heraus, dass er bei seiner ersten Spurensuche gar nicht weit entfernt war. Seine Mutter lebt nämlich heute noch im Emmental, in Hasle. Nach einigen emotionalen Briefen treffen sich die beiden schliesslich, spazieren entlang der Emme, und Kuhn bekommt endlich Antworten auf seine brennendsten Fragen.

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