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Es war nicht immer einfach

Angefangen hat der Burgdorfer Bäcker Christian Friedli vor 25 Jahren mit vier Angestellten. Mitt­lerweile führt er unter dem Namen «Chrigubeck» fünf Geschäfte und beschäftigt 101 Personen.

Christian Friedli, hier in einem seiner Geschäfte, hat auf dem Weg vom Bäcker zum Unternehmer nicht nur gute Zeiten erlebt.
Christian Friedli, hier in einem seiner Geschäfte, hat auf dem Weg vom Bäcker zum Unternehmer nicht nur gute Zeiten erlebt.
Thomas Peter

Eine Expansion schliesst Christian Friedli vollkommen aus. «Wir wollen nicht mehr wachsen.» Denn mittlerweile führt der Inhaber von «Chrigubeck» fünf Geschäfte. Das Unternehmen hat 101 Personen auf der Lohnliste und bildet neun Lehrlinge aus. Dazu kommen neun Wochenplätze.

Angefangen hat Friedli vor 25 Jahren mit vier Angestellten. Damals, als 24-Jähriger, bekam er die Chance am Frommgutweg 2 in Burgdorf eine Bäckerei zu übernehmen. Die damaligen Inhaber hörten altershalber auf.

Voller Elan und Tatendrang eröffnete der gelernte Bäcker-Konditor, der sich zusätzlich zum Konditor-Confiseur und Koch ausbilden liess, unter dem damaligen Namen «Chrigu’s Becker­stube» sein erstes Geschäft. «Das Geld für den Maschinenpark hat mir mein Grossvater geliehen», erzählt Friedli und fügt hinzu, dass er an allen fünf Standorten eingemietet sei.

Sieben Tage geöffnet

3 Jahre nach der Übernahme wurde der Laden am Frommgutweg umgebaut, und zeitgleich führte Friedli die Siebentagewoche ein. «Dass die Leute auch am Sonntag ihre Gipfeli und Brote holen konnten, war zu jener Zeit sehr selten.» Damals habe es noch keine Tankstellenshops gegeben.

2001 folgte der zweite Streich: die Eröffnung des Ladens mit Tearoom im Schlossblick, unweit des Regionalspitals Emmental. Und nur 4 Jahre später eröffnete Friedli «Hals über Kopf», wie er sagt, im Burgdorfer Bahnhofquartier eine weitere Filiale, nachdem der Vormieter nach kurzem Gastspiel den Betrieb hat schliessen müssen.

Noch im selben Jahr kam das vierte Geschäft in Ittigen dazu, und 2012 folgte die Eröffnung der Filiale mit Tearoom an der Einkaufsmeile in Lyssach. Praktisch zeitgleich änderte Friedli den Namen von «Chrigu's Beckerstube» auf «Chrigubeck.»

Christian Friedli musste auch Rückschläge verkraften. «Ich hatte mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen», gibt er zu. Bis 2003 habe er am Frommgutweg gebacken und produziert, also in dem Geschäft, wo alles begann. Weil es jedoch an Platz fehlte, hat er an der Heimiswilstrasse in Burgdorf eine Produktionsstätte gebaut und ist «aufgrund verschiedener Ereignisse» in finanzielle Engpässe geraten.

Doch dank der Hilfe der Lieferanten habe er aus den Schulden herausgefunden, sagt er. Gemeinsam hätten sie nach Lösungen gesucht. «Die Lieferanten haben mir vertraut, und ich habe immer gehalten, was ich versprochen habe», sagt Friedli und erzählt weiter, dass er einige Jahre auch einen Dorfladen in Alchenstorf geführt und diesen 2009 geschlossen habe. «Das Geschäft hat nicht mehr rentiert, und wir mussten es quersubventionieren.»

Die Mehlallergie

Doch Christian Friedli musste nicht nur finanzielle Engpässe meistern. Schwierig war für ihn auch die Situation, als vor etlichen Jahren eine Mehlallergie bei ihm festgestellt wurde. «Der Albtraum jedes Bäckers», stellt Friedli fest. Die Suva habe ihm eine Umschulung nahegelegt. Doch er habe von Kindesbeinen an immer nur einen Traum gehabt: als Bäcker zu arbeiten.

Aus diesem Grund habe er noch einige Jahre täglich Brote gebacken, Pralinen kreiert und Torten verziert. «Bis es einfach nicht mehr ging.» Der Biss, weiterzumachen, sei ihm wohl in die Wiege gelegt worden, mutmasst Friedli, der aus einer Arbeiterfamilie stammt. Sein Bruder führt heute das Geschäft des Grossvaters, das Holzbauunternehmen Gfeller und Friedli Holzbau AG in Burgdorf.

Brief einer Vermieterin

Nicht zuletzt wegen der Mehl­allergie tauschte Friedli vor etlichen Jahren die Backstube mit dem Büro. Dieses befindet sich am Frommgutweg. Unterstützt bei der Geschäftsführung wird er von seinem Lebenspartner Toni Ellenberger. Doch jeweils am Wochenende brechen die beiden aus der Papierwelt aus. «Wir arbeiten jeden Sonntag abwechslungsweise in einer unserer Filialen.»

Ob Service, Abwaschen oder Verkauf; gemacht wird, was anfällt. Auch helfen die beiden Männer regelmässig beim Catering mit. Der Kontakt mit Menschen sei ihm sehr wichtig. Zudem könne er bei seinen Einsätzen die Stimmung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter spüren, sagt Friedli, der «grossen Wert» auf gute Arbeitsbedingungen legt. Nicht ohne Stolz erzählt er, dass seine Angestellten gute Sozialleistungen hätten, regelmässig Weiterbildungskurse besuchen könnten und faire Löhne erhalten würden.

Dass die Worte von Christian Friedli keine leeren Floskeln sind, zeigt ein Brief, den eine Ladenvermieterin ihm und seinem Partner zum Jubiläum geschrieben hat: «Uns beeindruckt immer wieder, mit welcher Freundlichkeit und Offenheit ihr inmitten grösstem Arbeitsdruck auf uns und andere Menschen zugeht.»

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