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Fertig mit Diskutieren

Ein junger Sprayer wandert für ein halbes Jahr hinter Gitter. Falls er weiter delinquiert, drohen ihm 12 zusätzliche Monate im Gefängnis.

20'000 Franken Sachschaden hatte der Jugendliche mit seinen Sprühereien verursacht.
20'000 Franken Sachschaden hatte der Jugendliche mit seinen Sprühereien verursacht.
Sibylle Meier (Symbolbild)

Die Beweise lagen in einer Ikea-Tasche: 17 Spraydosen und schwarze Latexhandschuhe beschlagnahmte die Polizei, als sie einen damals 23-jährigen Schweizer verhaftete. Im Verlauf der Untersuchungen stellte sich heraus, dass der junge Mann zwischen Dezember 2016 und April 2017 halb Langnau mit Tags verunstaltet hatte. Alles in allem richtete er mit seinen Sprühereien laut der Staatsanwaltschaft einen Sachschaden von gut 20'000 Franken an.

Einzelrichter Roland Richner vom Regionalgericht Emmental-Oberaargau verurteilte den Angeklagten am Dienstag zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten. Ein halbes Jahr wird der Mann im Gefängnis verbringen. Weitere 12 Monate sprach der Richter bedingt aus, wobei die Bewährungsfrist 5 Jahre beträgt.

Das Urteil stand schon vor der Verhandlung fest. Die Pflichtverteidigerin und der Staatsanwalt hatten sich auf diese Sanktion geeinigt, sodass der Prozess innerhalb einer Stunde als abgekürztes Verfahren abgewickelt werden konnte.

«Gut unterwegs»

Die Anwältin attestierte ihrem Klienten, dass er «gewisse Dinge in Ordnung gebracht» und sein Leben, das er längere Zeit im Umfeld der Berner Reitschule verbracht hatte, «aufgeräumt» habe. Privat und beruflich sei er nun «gut unterwegs», worauf er stolz sein dürfe.

Für die Fehler entschuldigt

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft stellte in einer Verhandlungspause anerkennend fest, dass er seinen «Kunden» unmittelbar vor dem Prozess, beim ersten Treffen seit mehreren Monaten, «fast nicht wiedererkannt» habe. Der Angeklagte sagte, er sehe seine Fehler ein und entschuldigte sich bei den Geschädigten.

Der Gerichtspräsident sagte zu dem wieder mitten im Arbeitsleben stehenden Mann, er mache auf ihn «einen guten Eindruck». Eine zu hundert Prozent bedingte Strafe stand trotzdem weder für den Vorsitzenden noch für die Parteien zur Debatte. Dafür habe sich der geläuterte Seriendelinquent in der Vergangenheit zu viel geleistet, stellte der Staatsanwalt fest. Auch die Verteidigerin räumte ein, dass es in dieser Hinsicht wenig Spielraum gebe: «Er hat schon früher ein paar Sachen gemacht, und irgendwann ist halt fertig mit Diskutieren.»

Ein guter Rat

In seiner kurzen Urteilsbegründung sagte Richter Richner, der Sinn eines Strafverfahrens sei, dass die Angeklagten «verinnerlichen, dass sie einen Lehrblätz erhalten haben» und «Ordnung schaffen in ihrem Leben». Beides sei bei diesem Beschuldigten offenkundig der Fall.

Darüber, dass 12 der 18 Monate zur Bewährung verhängt worden seien, dürfe sich der junge Mann nicht allzu heftig freuen, fügte Richner allerdings an. «Bedingte Strafen sind keine leeren Drohungen. Sie werden hin und wieder tatsächlich widerrufen», gab Richner dem Frischverurteilten mit auf den Heimweg.

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