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Für eine warme Stube

Die Langnauer Hafner stellten nicht nur Geschirr her, sondern auch Kachelöfen. Diese wurden für die Oberschicht jeweils nach dem neuesten Geschmack gebaut und auch gleich «gesetzt».

Der älteste Langnauer Kachelofen von 1789 stand im Alten Amtshaus. Im Bild die Signaturkachel des Wärmespenders.
Der älteste Langnauer Kachelofen von 1789 stand im Alten Amtshaus. Im Bild die Signaturkachel des Wärmespenders.
Andreas Heege

Pfarrer Ris aus Trachselwald beschreibt in seiner Topografie des Emmentals aus dem Jahr 1764 auch die Bauernhäuser mit ihren Heizeinrichtungen: «In einem solchen Wohnhause sind 2 Stubenöfen genug, und man wird selten mehrere antreffen, sie werden in die Eckgemächer gesetzt, und berühren auf das wenigste der eine das mittlere Gemach; gewöhnlich ist der eine dieser Stubenöfen ein Kunstofen...

Die gewohnten Stubenöfen werden von Gestein, welches zum Feuer taugt in gevierter Form aufgeführt. Diese Öfen werden auch mehrentheils zum Brotbacken und Fleischbraten gebraucht.»

Glauben wir der verallgemeinernden Beschreibung von Pfarrer Ris, so gab es im Emmental keine Stubenöfen, die aus keramischen Bauteilen, sprich aus Ofenkacheln, zusammengesetzt waren. Dies ist jedoch nicht ganz richtig: Mitglieder der Langnauer Hafner-Dynastie Herrmann waren von Anfang an nicht nur Geschirrhafner, sondern auch Kachelofenbauer beziehungsweise Ofensetzer.

Damit waren die Emmentaler nicht alleine: Die Hafner im Kanton Bern erwarben ihren Lebensunterhalt fast immer mit diesen zwei Produktionszweigen. Bereits für den ersten Hafner, Niklaus Herrmann (1649–1682/83), lässt sich 1676 mindestens ein öffentlicher Auftrag nachweisen.

Die wichtigsten Ofenbauer ihrer Zeit waren die Hafner Herrmann am Höheweg 1. Sie produzierten für die Langnauer Oberschicht Öfen jeweils nach dem neuesten Geschmack, teilweise auch mit den Formen der im Jahr 1776 eingestellten Fayencemanufaktur Frisching von Bern. Zunächst war blau-weiss modern, dann folgten ab 1789 Öfen mit manganvioletter Bemalung. Je Ofen trug eine Kachel das Herstellungsdatum und die Hafnersignatur.

Der Feuer speiende Vulkan zierte einen Ofen aus dem Jahr 1795. Bild: Andreas Heege
Der Feuer speiende Vulkan zierte einen Ofen aus dem Jahr 1795. Bild: Andreas Heege

Die Erzählungen des weit gereisten späteren Nationalagenten Jakob Lüthi von Langnau über seine Erlebnisse auf den feuerspeienden Vulkanen Italiens fanden ihren unmittelbaren Niederschlag zum Beispiel in den von Daniel Herrmann (1736–1798) gemalten Darstellungen. Der Ofen, zu dem die Kacheln gehörten, stand im Alten Amtshaus an der Bernstrasse 12 in Langnau.

In loser Folge stellt Andreas Heege Menschen und Gegenstände aus der Geschichte der Langnauer ­Keramik vor. Mehr lesen?Kürzlich ist sein zweibändiges Buch, das er in Zusammenarbeit mit Andreas Kistler verfasst hat, erschienen.

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