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Gesucht: Ein Heimat für mehrere Hundert Kleider

In zwei ­Wochen muss Kostümbild­nerin Eveline Rinaldi eines ihrer Kleiderlager in Bätterkinden räumen. Bis jetzt hat sie keinen pas­senden Ersatz gefunden.

Kleider, so weit das Auge reicht: Eveline Rinaldi muss sie alle zügeln.
Kleider, so weit das Auge reicht: Eveline Rinaldi muss sie alle zügeln.
Thomas Peter

«Es muss eine Lösung geben» – Eveline Rinaldi sagt es fast schon trotzig. «Schauen Sie sich um, in meine Wohnung kann ich die Kleider auf keinen Fall nehmen.» Sie hat recht. In der Garderobenecke bei der Eingangstür, dort, wo andere Leute ihre Jacken und Mäntel aufbewahren, hängen lange Abendkleider. Zwei mobile Kleiderständer zwischen Küche und Wohnzimmer sind voller Kostüme, in einer Ecke warten fein säuberlich aufgereiht und nach Farben sortiert Schuhe und Accessoires auf ihren Einsatz.

Bis ins letzte Detail

Eveline Rinaldi ist aber nicht etwa eine übermässig auf ihre Garderobe bedachte Frau mit dickem Portemonnaie und zu viel Zeit fürs Einkaufen. Sie ist Kostümbildnerin – mit Leib und Seele. Stattet sie eine Theatergruppe aus, dann bis ins letzte Detail. «Da passt sogar die Brosche», sagt sie und lacht.

Dabei ist ihr momentan gar nicht nach Lachen zumute. Denn sie hat ein Problem: Bis Ende Monat muss Eveline Rinaldi eines ihrer Kleiderlager räumen, seit Dezember ist sie auf der Suche nach Ersatz. Zig Telefone habe sie deswegen schon gemacht, und im Anzeiger ist ein Inserat erschienen – «bis jetzt alles ohne Erfolg».

Dabei sind ihre Ansprüche gar nicht so riesig: 25 bis 120 Quadratmeter gross sollte der Raum sein, trocken und möglichst staubfrei. Wenn er dazu noch hell ist, umso besser. Ein Stromanschluss wäre schön und allenfalls ein Lavabo.

Wichtig ist Eveline Rinaldi, dass sie mit dem Auto zufahren kann; sie möchte ihre Kleider und Kostüme nicht allzu weit durch den Regen tragen. «Wenn es ein ebenerdiger Raum ist, bin ich auch sehr froh.» Die Frau ist zwar vif und schnell auf den Beinen, aber keine zwanzig mehr. Und je nachdem, aus welchen Stoffen die Kostüme sind, können sie schnell ein rechtes Gewicht erreichen.

Wer ihr einen passenden Raum vermietet, gewährt ein paar Hundert Jupes, Blusen, Gilets und Kostümen Obdach. Es ist Eveline Rinaldis Lager an Frauenkleidern aus den 1920er-Jahren bis heute. Daneben hat sie ein weiteres mit Frauen- und deren zwei mit Männerkleidern sowie zwei Keller, in denen Utensilien wie Schuhe, Handtaschen und Schals ihren Platz haben.

Die Trachten dagegen bewahrt sie im «Materialraum» ihrer Wohnung auf, in dem auch ein Teil ihrer über tausend Hüte Platz findet. Hier stapeln sich zudem die Kisten mit den weissen Blusen.

Zwanzig Jahre Moosegg

Die Kleider und Kostüme, die Eveline Rinaldi ihr Eigen nennt, sind ungezählt. Sie hat nur eine ungefähre Ahnung, wie viele es insgesamt sind. Dafür weiss sie von jedem Stück ganz genau, wo es zu finden ist. In ihrer langen Karriere hinter den Kulissen hat sich so einiges angesammelt – schon nur in den zwanzig Jahren, in denen sie für die Kostüme für die Freilichtaufführungen auf der Moosegg zuständig war. Weitere Kunden von ihr sind etwa das Stadttheater Solothurn, das Theater Ittigen, das Zytglogge-Theater Bern oder die Aaretaler Volksbühne in Münsingen.

So weit auseinander ihre Einsatzorte auch sind: Für ihr neues Lager hat Eveline Rinaldi einen letzten Wunsch – es möge doch in Bätterkinden oder wenigstens ganz in der Nähe sein.

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