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«In zwei Jahren wäre früh genug gewesen»

Bruno Leuenberger hat mit erst 26 Jahren die Dorfkäserei in Koppigen gekauft. Der Jungunternehmer ist gefordert, das Arbeitspensum verlangt ihm einiges ab. Doch er sieht die Zukunft optimistisch.

Bruno Leuenberger muss nicht nur schauen, dass Hunderte von Käsen gut reifen. Als Besitzer der Dorfkäserei Koppigen ist er auch verantwortlich für 17 Angestellte.
Bruno Leuenberger muss nicht nur schauen, dass Hunderte von Käsen gut reifen. Als Besitzer der Dorfkäserei Koppigen ist er auch verantwortlich für 17 Angestellte.
Thomas Peter

An manchen Tagen ist Bruno Leuenberger bereits um drei Uhr morgens im Betrieb. Der junge Milchtechnologe mit Meisterprüfung ist seit Anfang Jahr Geschäftsführer der Käserei Koppigen. Frühmorgens arbeitet er in der Produktion mit, am Nachmittag kümmert er sich um die Büroarbeiten, und abends stehen manchmal noch Cateringaufträge an. «Es ist eine Herausforderung, alles unter einen Hut zu bringen», sagt der 26-Jährige. «Ich bin jetzt Ansprechperson für alle Probleme.»

Weil er den Drang nach Selbstständigkeit in sich habe, hat er auf Anfang Jahr die Käserei Koppigen übernommen. «Das wäre auch in zwei Jahren noch früh genug gewesen», sagt er. Doch es kam anders.

Glückliche Nachfolgelösung

Bruno Leuenberger ist in Schwanden aufgewachsen. Sein Vater war Betriebsleiter der Käserei Nesselgraben und somit ­Angestellter der Genossenschaft. Für den Sohn war jedoch klar, dass er einen Betrieb nur als Milchkäufer auf eigene Rechnung führen wollte. Nach seiner Grundausbildung zum Milchtechnologen in Trub wechselte er vor fünf Jahren in die Käserei Koppigen und absolvierte die höhere Fachprüfung.

In seiner Abschlussarbeit habe er das Thema Nachfolgeregelung in Käserei­betrieben behandelt. So sei auch in Koppigen die Nachfolge des bisherigen Inhaber-Ehepaars Beutler zur Sprache gekommen. «Rudolf und Rosette Beutler wollten den Betrieb abgeben, sobald sie beide sechzig würden», sagt Leuenberger. So habe sich die Übernahme auf Anfang 2017 ergeben. Das Ehepaar habe zwei Töchter, die beide nicht in dieser Branche arbeiten würden.

Der Geschäftsführer weiss: «In unserem Beruf fehlt der Nachwuchs.» Pro Jahr würden nur rund zehn Personen im Kanton Bern die höhere Fachprüfung abschliessen (siehe Kasten) «Davon arbeitet die Hälfte später in der Industrie, zum Beispiel bei Emmi.» Rund drei von zehn Ausgebildeten würden den väterlichen Betrieb übernehmen, so blieben nur noch wenige für Kleinbetriebe wie Koppigen.

«Die Geschäftsübertragung ist für beide Parteien ein Gewinn», ist Leuenberger sicher. Er habe das Gebäude und die Lagerware gekauft und im Gegenzug einen absolut funktionierenden Betrieb übernehmen können. «Es wäre so kurzfristig nicht machbar gewesen, den Kundenstamm und die Infrastruktur selbst zu erarbeiten.»

Kaum Freizeit

Obwohl er den Betrieb nicht neu aufbauen muss, ist der Jungunternehmer enorm gefordert: «Mein Ziel ist es, einmal im Monat ein ganzes Wochenende frei zu haben», sagt Bruno Leuenberger. Dass dies im Moment noch nicht möglich ist, stört ihn jedoch nicht. «Ich arbeite schliesslich für mich, das ist anders als bei ­Angestellten.» Zudem suche er einen Produktionsleiter und Stellvertreter, der ihn künftig entlasten könnte.

«Im Allgemeinen ist die Branche aber sehr arbeitsintensiv und die Präsenzzeiten nicht jedermanns Sache.» Deshalb schätzt er, dass rund die Hälfte der Klassenkameraden, die mit ihm die Berufsschule absolviert haben, nicht mehr auf dem Beruf tätig ist. Dass die Zahl der angehenden Milchtechnologen sinkt, findet er problematisch. «Lernende sind eine Rarität, vor allem die guten», sagt der Käsermeister.

Ganz nachvollziehen könne er das nicht, habe der Beruf doch auch seine Vorteile: Man könne den Rohstoff Milch bis zum Produkt und zum Endkonsumenten begleiten. «In diesem Prozess ist viel technisches Wissen nötig, was die Ausbildung noch interessanter macht.»

Wichtige Partner

Für die Produktion, den Verkauf und den Lieferservice hat die Käserei Koppigen 17 Mitarbeitende angestellt, die sich rund 1000 Stellenprozent teilen. Auch der ehemalige Inhaber, Rudolf Beutler, arbeitet weiterhin Teilzeit im Betrieb mit. 2011 hat Beutler in Koppigen das moderne Käsereifungslager in Betrieb genommen.

Dazu hat er zusammen mit Thomas Hofer von der Dorfkäserei Aarwangen und Hansruedi Feldmann aus Alchenstorf die Fromaca AG gegründet. Denn auch Hofer lagert seinen Käse in den modernen Hallen. «Die gute Zusammenarbeit mit Ruedi Beutler und Thomas Hofer ist mir sehr wichtig», sagt Bruno Leuenberger. Er könne von deren langjähriger Erfahrung profitieren.

Produkte aus der Region

Die beiden Käsereien teilen sich nicht nur die Lagerhalle, sondern auch 13 Fonduebars. Sie vermieten mobile Stehtische und liefern hausgemachte Fixfertigfondue-Mischung dazu, auch solche mit Burgdorfer Bier. «Der wichtigste Verkaufspunkt ist aber unser Käsereiladen», sagt Leuenberger.

In Koppigen werden jährlich 1,8 Millionen Liter Milch unter anderem zu Emmentaler, Koppiger Dorfkäse, Joghurt und Butter verarbeitet. Nach Vorgabe der Sortenorganisation darf Bruno Leuenberger aktuell 60 Prozent seiner Milch zu Emmentaler verarbeiten. «Ich sehe die Zukunft dieser Sorte leicht optimistisch», sagt er. Die Milch bezieht Leuenberger von acht Lieferanten aus dem Umkreis von rund drei Kilometern.

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