Kurt Schütz hört auf, zwei stehen bereit 

Rüdtligen-Alchenflüh

Der langjährige Gemeinderatspräsident Kurt Schütz will zu den Wahlen im November nicht mehr antreten. Jetzt zeichnet sich eine Kampfwahl ums Präsidium ab.

Kurt Schütz (SVP), Gemeinderatspräsident von Rüdtligen- Alchenflüh.

Kurt Schütz (SVP), Gemeinderatspräsident von Rüdtligen- Alchenflüh.

(Bild: Thomas Peter (Archiv))

Nadja Noldin

Der Countdown läuft. Am 25. November finden in Rüdtligen-Alchenflüh Gemeindewahlen statt – und die versprechen spannend zu werden. Denn der bisherige Gemeinderatspräsident Kurt Schütz (SVP) stellt sich nicht mehr zur Verfügung.

Es sieht nun ganz danach aus, als würden zwei Parteien je einen Kandidierenden fürs Präsidium ins Rennen schicken: So würde es zur Kampfwahl kommen zwischen der bisherigen Gemeinderätin Margrit Dummermuth von der alteingesessenen SVP und dem bisherigen Gemeinderat Fritz Jöhr von der jungen Ortspartei Rüdtligen-Alchenflüh (Opra). 

Margrit Dummermuth steht als Kandidatin fest, wie die SVP auf Anfrage bestätigt. Ob Fritz Jöhr tatsächlich wieder antritt wie vor vier Jahren, als er Kurt Schütz herausforderte, ist sehr wahrscheinlich, allerdings noch nicht gesichert. Jöhr, der auch als Opra-Parteipräsident fungiert, hält sich bedeckt. Gegenüber dieser Zeitung wollte er keine Auskunft geben. Er stellte kurz und knapp einen Wahlprospekt in Aussicht.

16 Jahre im Gemeinderat

Noch-Gemeinderatspräsident Kurt Schütz hätte erneut kandidieren können, denn Rüdtligen-Alchenflüh kennt  keine Amtszeitbeschränkung mehr. Aber für ihn sei es genug, sagt Schütz. «Es macht sich eine gewisse Amtsmüdigkeit breit. Vieles ist zur Routine geworden.»

Nun sei es an der Zeit, dass ein anderer das Ruder übernehme und neue Ansichten einbringe. Schütz sass insgesamt 16 Jahre im Gemeinderat, erst als Vizepräsident und danach während dreier Legislaturen als Präsident.

In seiner Zeit als Gemeindeoberhaupt habe ihn vor allem gefreut, dass seine Gemeinde 2015 vom Handels- und Industrieverein als wirtschaftsfreundlichste in der Region Emmental-Oberaargau ausgezeichnet wurde. Jahre zuvor sei die Gemeinde auf der Rangliste noch abgeschlagen weit hinten gelegen.

In den letzten Jahren hätten sich einige Unternehmen in Rüdtligen-Alchenflüh niedergelassen. Schütz erwähnt etwa die Geiser Agro.com, die kürzlich ihr Kompetenzzentrum für Tafelobst einweihte, sowie den Partyausrüster Top Events, der für 16 Millionen Franken an der Industriestrasse ein Logistikzentrum errichtete.

Die Zuzüge hätten nicht nur Arbeitsplätze geschaffen, sondern auch Geld in die Gemeindekasse gespült, sagt Schütz. Das Land werde im Baurecht abgegeben, und es kam zu Mehrwertabschöpfungen.

In seine Amtszeit fällt zudem der Bau der Solaranlage auf der Autobahnüberdeckung, wofür sich Schütz starkmachte, der Glasfaserkabel zu jedem Haushalt, der LED-Strassenbeleuchtung und der BMX-Anlage beim Schulhaus.

Gerade bei der BMX-Bahn  galt es einige Hürden zu nehmen, bis sie 2014 befahren werden konnte. Das Projekt stiess ursprünglich auf heftigen Widerstand und trug massgeblich dazu bei, dass die Ortspartei Opra gegründet wurde.

Das neue Oberhaupt wird sich unter anderem mit weiteren Strassensanierungen, dem geplanten Neubau des Alters- und Pflegezentrums beim Bahnhof  oder der Ortsplanungsrevision, die nächsten Sommer aufgelegt werden soll, befassen müssen.

SVP will drei Sitze halten

Doch erst muss der Nachfolger respektive die Nachfolgerin am 25. November an der Urne gewählt werden. SVP-Kandidatin Margrit Dummermuth ist seit 2007 Gemeinderätin und war in mehreren Kommissionen tätig. Nebst ihr hat die SVP vier Kandidierende gefunden, die sich für den Gemeinderat bewerben: den Bisherigen Dino Polli sowie die Neuen Rolf Waldspurger, Hanspeter Mori und Gabriela Riedo, wobei Letztere als Parteilose auf der Liste steht.

Das Ziel der Bürgerlichen: «Drei der insgesamt fünf Sitze halten – mit oder ohne Präsident», wie SVP-Präsident Kurt Wegmüller sagt. Damit hätte die wählerstärkste Partei weiterhin die Mehrheit in der Exekutive. Wegmüller weist darauf hin, dass es heutzutage nicht einfach sei, Leute zu finden. Noch 2010 kam es aufgrund von Kandidatenmangel zu stillen Wahlen.

Dann kam die Opra und sorgte für Wirbel. Die Ende 2012 gegründete Partei trat vor vier Jahren zum ersten Mal zu Wahlen an und erhob gleich den Anspruch auf das Amt des Gemeinderatspräsidenten. Fritz Jöhr unterlag zwar seinem Konkurrenten Kurt Schütz deutlich, wurde aber als Gemeinderat gewählt.

Zuvor befand sich die Opra in der Opposition und tat immer wieder ihre Unzufriedenheit mit der Arbeit der Dorfregierung kund. Inzwischen ist es ruhiger geworden. Jöhr selbst  blieb im Übrigen bereits 2006 gegen Schütz chancenlos, als er damals als Sprengkandidat fürs Präsidium auftauchte.

Welche und wie viele Kandidaten die Opra indes stellt, war bei Parteipräsident Jöhr nicht in Erfahrung zu bringen.  

SP mit zwei Frauen

Auskunft gab hingegen Patrizia Lambroia von der SP, der dritten im Gemeinderat vertretenen Partei. Das Präsidium stehe nicht zur Debatte, sagt die Parteichefin und Gemeinderätin. Die SP schickt aber immerhin zwei Kandidatinnen für den Gemeinderat ins Rennen: Nebst der Bisherigen Patrizia Lambroia selbst ist dies die Neue Nicole Capelli. Lambroia hofft, dass die SP wieder auf zwei Sitze aufstocken kann.

Denn bei der letzten Wahl verlor die Linke ein Mandat an die Opra. Die in der Dorfpolitik kaum noch aktive FDP verzichtet auch dieses Mal auf Kandidaturen. An der Urne wird ebenfalls die Baukommission gewählt.

Langenthaler Tagblatt

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