Nach 180 Jahren wird alles anders

Die Gemeinden Trub und Trubschachen werden ­ihre Sekundarschüler dereinst nicht mehr nach Langnau ­schicken. Sie wollen in Trubschachen ein eigenes Ober­stufenzentrum realisieren.

Im Schulhaus Hasenlehn hätte es genügend Platz für alle Oberstufenschüler der Gemeinden Trub und Trubschachen.

Im Schulhaus Hasenlehn hätte es genügend Platz für alle Oberstufenschüler der Gemeinden Trub und Trubschachen.

(Bild: Thomas Peter)

Susanne Graf

55 Stimmberechtigte nahmen in Trubschachen an der Gemeindeversammlung teil. Die wenigsten kamen wegen des Budgets. Obwohl dieses im Gesamthaushalt mit einem Defizit von 174 000 Franken abschliesst, wurde es stillschweigend genehmigt. Auch über die Strassensanierung Hüpfenboden–Ober Hegen und Hinter Blapbach–Hülli verlor ausser Gemeinderat Stefan Rüfenacht niemand ein Wort. Der Kredit von 430'000 Franken wurde durchgewinkt. Damit war der Weg frei für die angekündigte Orientierung, derentwegen wohl die meisten ins Schulhaus Hasenlehn gekommen waren. Gemeinderat Stefan Thuner, der dem Ressort Bildung vorsteht, informierte über den Stand der Abklärungen zum Thema Schul­planung Sekundarstufe 1.

Suche nach «Zeitgemässem»

Angestossen wurden die Diskussionen in Langnau. Seit 180 Jahren ist es Sitzgemeinde der Sekundarschule, die auch mit Schülern aus Trub und Trubschachen bestückt wird. Weil in Langnaus Aussenbezirken die Realklassen immer kleiner, dafür im Zentrum zu gross würden, habe der Gemeinderat die dortige Schulkommission beauftragt, die Einführung eines Oberstufenzentrums zu prüfen. Somit würden alle Siebt- bis Neuntklässler unter einem Dach unterrichtet. Doch in Trub und Trubschachen war man nicht bereit, sämtliche Ober­schüler künftig nach Langnau zu schicken.

Vertreter aller drei Gemeinden bildeten eine Arbeitsgruppe und starteten eine ­gemeinsame Planung. Bevor Varianten diskutiert wurden, einigten sich die Mitglieder auf eine gemeinsame Haltung. Die Bildung müsse im Zentrum stehen, für die Schüler müsse gegenüber der heutigen Lösung ein Mehrwert entstehen, beinhaltete dies etwa. Und klar war, dass ein «durchlässiges und zeitgemässes Modell» zu erarbeiten sei.

Dass es nicht mehr ganz zeitgemäss ist, die Kinder in der 6. Klasse fix einzustufen und die Sekundarschüler in ein separates Schulhaus zu delegieren, zeigt etwa die Tatsache, dass dieses Modell im Kanton Bern gerade noch in zehn Sekundarschulen angewendet wird. Dies machte Trubschachens Schulleiter Walter Guggisberg deutlich. Neu sollen nun auch die Langnauer, Truber und die Schüler von Trubschachen wählen können, in welchem Leistungsfach (Deutsch, Französisch und Mathematik) sie auf Sekniveau unterrichtet werden. Doch damit dies organisatorisch möglich ist, müssen alle unter dem gleichen Dach zur Schule ­gehen, also in einem Oberstufenzentrum.

Kein zu grosser Komplex

Bald zeigte sich in der Arbeitsgruppe, dass ein einziges Zentrum für sämtliche Oberschüler der drei Gemeinden in Langnau zu «städtischen Verhältnissen» führen würde, wie Guggisberg feststellte. Abschreckend wirkten offenbar weniger bauliche Herausforderungen als vielmehr das Problem mit den Tunichtguten. In jeder Klasse habe es ein bis zwei Schüler, die Schwierigkeiten bereiten würden, sagte Guggisberg.

«Wenn nun zwanzig Klassen an einem Ort sind, finden sich diese zwanzig bis dreissig Schüler rasch.» Deshalb kam die Arbeitsgruppe überein, dass es sinnvoller wäre, wenn die Gemeinde Trubschachen für seine und die Schüler von Trub ein eigenes Oberstufenzentrum realisiert. Dieses könnte mit vier Klassen im Schulhaus Hasenlehn ohne nennenswerte bauliche Massnahmen realisiert werden, sagte Stefan Thuner.

Die Oberschüler von Trub würden demnach also alle nach Trubschachen reisen müssen. Im Gegenzug ist geplant, die Schüler der Mittelstufe beider Gemeinden in Trub zu zentralisieren. «Das hätte den Vorteil, dass mehr Lehrkräfte der gleichen Stufe an einem Ort wären und sie sich besser gegenseitig unterstützen und austauschen könnten», sagte Guggisberg. Die Behörden von Trub und Trubschachen würden nun eine neue Arbeitsgruppe gründen und die Detailplanung an die Hand nehmen, gab Thuner das weitere Vorgehen bekannt. Die Einwohnergemeinden werden später die entsprechenden Beschlüsse fassen.

Somit ist die Gemeinde Langnau nun mit der Organisation ei­ner durchlässigen Oberstufe auf sich allein gestellt. Doch sowohl Walter Guggisberg als auch Trubschachens Gemeindepräsident Beat Fuhrer betonten, dass die Verbindung zur grossen Nachbargemeinde nicht gekappt werden dürfe. Langnau könne bei der Reorganisation wegen seiner Grösse und auch wegen des Parlaments naturgemäss kein so schnelles Tempo anschlagen wie Trub und Trubschachen. «Wir müssen aber aufpassen, dass wir ihnen nicht davonrennen und der in 180 Jahren gewachsene Faden nicht reisst», warnte Guggisberg. Laut Stefan Thuner kann das Oberstufenzentrum Trubschachen frühestens auf August 2021 realisiert werden.

Berner Zeitung

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