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Messerstecherin drohen 13 Jahre Gefängnis

Am Freitag gibt das Regional­gericht Emmental-Oberaargau die Strafe für eine Brasilianerin ­bekannt, die einen Spanier mit über 20 Messerstichen tödlich verletzte.

Der Fall der ­28-jährigen Brasilianerin, die im Mai 2015 einen Spanier ­erstach, kommt nicht vor das Obergericht. Das Urteil des Regionalgerichts ist also rechtskräftig.
Der Fall der ­28-jährigen Brasilianerin, die im Mai 2015 einen Spanier ­erstach, kommt nicht vor das Obergericht. Das Urteil des Regionalgerichts ist also rechtskräftig.
Heinz Egger
Die damals 26-jährige Brasilianerin hatte am 9. Mai 2015 einen 41-jährigen Spanier in Oberburg erstochen. Die Leiche wurde am 14. Mai von der Polizei gefunden.
Die damals 26-jährige Brasilianerin hatte am 9. Mai 2015 einen 41-jährigen Spanier in Oberburg erstochen. Die Leiche wurde am 14. Mai von der Polizei gefunden.
Urs Egli
Die beiden seien alleine in der Wohnung des Mannes gewesen und in Streit geraten.
Die beiden seien alleine in der Wohnung des Mannes gewesen und in Streit geraten.
Urs Egli
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Die Kleidung schwarz, die Haare rot gefärbt: Auf den ersten Blick wirkt die Frau, als ob sie auf dem Weg in den Ausgang wäre. Doch der Eindruck täuscht: Sie sitzt an diesem Dienstag hier, vor dem fünfköpfigen Regionalgericht Emmental-Oberaargau, weil sie ein Menschenleben auf dem Gewissen hat.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, in der Nacht vom 9. auf den 10. Mai 2015 einen 41-jährigen Spanier in dessen Wohnung an der Oberburgstrasse in Burgdorf mit 23 Stichen eines fast 30 Zentimeter langen Küchenmessers so schwer malträtiert zu haben, dass er seinen Verletzungen erlag.

«Ein schreckliches Bild»

Fünf Tage später wurde die Leiche entdeckt. Den Beamten habe sich «ein schreckliches Bild» geboten, sagte Staatsanwalt Sandro Righetti: Sie hätten den leblosen Körper «auf den Knien und vornübergebeugt» in einer grossen Blutlache vorgefunden. Auf dem Boden und an den Wänden sei «eine grosse Anzahl von Blut- und Wischspuren» zu sehen gewesen.

Während der Mann vor ihren Augen mit dem Tod rang, habe die Frau Spuren beseitigt und Ge­genstände des Opfers behändigt. Dann sei sie geflüchtet. Am 19. Mai wurde sie verhaftet. Seither sitzt sie in der Justizvollzugsanstalt für Frauen in Hindelbank. Kaum Erinnerungen

Die Fragen von Gerichtspräsident Roger Zuber beantwortete die Angeklagte leise und ausweichend. An den Ablauf des Abends könne sie sich kaum mehr erinnern, behauptete sie. Sie sei damals «psychisch komplett angeschlagen» und alkoholisiert gewesen. Das bestätigt zumindest teilweise ein Gutachten, das der Frau zum Tatzeitpunkt eine leicht bis mittelschwer verminderte Schuldfähigkeit attestiert. Im Grunde wisse sie nur noch, dass sie sich mit dem Mann – wie schon so oft – in einer Bar in der Burgdorfer Oberstadt getroffen habe, fasste die Beschuldigte zusammen. Mit einem Taxi liess sich das Duo zum Domizil des Spaniers bringen.

Was dort passierte – und wieso –, ist unklar. In einer schriftlichen Stellungnahme zuhanden der Staatsanwaltschaft hatte die Frau angegeben, der Mann habe sie sexuell bedrängt. Sie sei als Teenager in ihrem Heimatland vergewaltigt worden und habe deshalb panisch auf seine Annäherungsversuche reagiert.

Zu einem ähnlichen Gewaltexzess hatte sie sich schon eine Woche vor dem Tötungsdelikt hinreissen lassen. Damals rammte sie ihrem Ehemann nach einer Rangelei mindestens zwölfmal eine elektrische Zahnbürste ohne Aufsatz in den Rücken und in die Arme. Durch die Verletzungen erlitt der Gatte eine Eröffnung der rechten Brusthöhle, worauf die Lunge kollabierte. Die Wunden verheilten folgenlos, doch die Ehe war nicht mehr zu retten.

Rolle des Opfers unklar

Staatsanwalt Righetti empfahl dem Gericht, die Brasilianerin wegen versuchter Tötung und einfacher Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand zu einer Freiheitsstrafe von 13 Jahren zu verurteilen. Auf Mord plädiere er nur deshalb nicht, weil niemand mit Sicherheit sagen könne, welche Rolle das spätere Todesopfer bei dem Streit gespielt habe.

Auf Mord plädierte Markus Fischer, der Anwalt der als Privatklägerin auftretenden Tochter des Getöteten. Er forderte für seine Klientin eine Genugtuung von 25'000 Franken. «Sie haben ihr Opfer einen langsamen und qualvollen Tod sterben lassen», teilte er der Beschuldigten mit.

Bruno Lehmann, der Pflichtverteidiger der Angeklagten, stellte an die Adresse des Gerichts und der Gegenparteien fest, dass seine Mandantin «nicht das Monster ist, als das es hier dargestellt wird». 26 Jahre lang habe sie sich nicht das Geringste zuschulden kommen lassen; nicht einmal Betreibungen würden gegen sie vorliegen.

Er gehe davon aus, dass die Frau aus Angst vor einem neuerlichen Missbrauch in einem «entschuldbaren Notwehrexzess» gehandelt habe. Dass der Spanier nach dem Betreten der Wohnung die Tür verriegelte und den Schlüssel entfernte, sei für sich genommen schon alarmierend gewesen. «Und dass er sich dann bis auf die Trainerhose auszog, unter der er nichts trug, ist bei einem Damenbesuch schon eine sehr weitgehende Tenüerleichterung», fügte Lehmann an.

Er taxierte die Tat als Totschlag, wofür eine Freiheitsstrafe von 4 Jahren angemessen sei.

«Ein impulsiver Mensch»

In ihrem «letzten Wort» sagte die Beschuldigte, sie sei «eine starke Persönlichkeit» und «ein impulsiver Mensch». Für das, was sie getan habe, empfinde sie durchaus Reue. Nur: «Ich kann sie nicht zeigen.» Auch daran arbeite sie in der Therapie. Das Regionalgericht nimmt sich nun Zeit, um über das Urteil zu beraten. Am Freitag wird Roger Zuber das Verdikt verkünden.

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