Ohne Schnee schmelzen auch die Einkünfte

Bumbach

Die allermeisten Skilifte in den Niederungen laufen nicht. Damit fällt ein Nebenerwerbszweig für die Landwirtschaft flach. Allerdings einer, der bereits deutlich an Bedeutung verloren hat. 

Dank Kunstschnee ist der Kinderlift in Bumbach in Betrieb. Für die grosse Piste reicht es noch nicht.

Dank Kunstschnee ist der Kinderlift in Bumbach in Betrieb. Für die grosse Piste reicht es noch nicht.

(Bild: Thomas Peter)

Chantal Desbiolles

Ohne künstliche Beschneiung läuft gar nichts, nicht in diesem bisher schneearmen Winter. In Betrieb ist derzeit kein anderer als der Kinderlift Bumbach – und das auch nur, weil da Schneekanonen für die nötigen Voraussetzungen sorgen. Jene in Schangnau sind bisher die einzigen Pisten, die im Emmental beschneit werden.

Kunstschnee sichert nicht nur die Saison für Eltern, die hier ihren Kindern das Skifahren beibringen, sondern festigt den winterlichen Nebenerwerb von einigen Landwirten. Auch wenn diese Einkünfte doch eher gering ausfallen, wie Hans Feuz feststellt. Der Vater des Skirennfahrers Beat Feuz besorgt die Betriebsleitung der Skilifte im Stundenlohn, je nach Verlauf der Saison verdiene er dabei zwischen 5000 und 7000 Franken.

«Ich bin nicht voll darauf angewiesen», relativiert der Landwirt, der auf einen grösseren Betrieb abstützen kann. Und auf seinen Vater, der im Betrieb auch mal allein nach dem Rechten schaut. Für die Skirennen seines Sohnes nimmt sich Hans Feuz pro Winter gar zwei, drei Wochen Ferien.

Sicherer als andere Standbeine

25 Angestellte beschäftigt die Genossenschaft als Betreiberin der Skilifte in Schangnau, die gemäss Feuz unterschiedlich stark von diesem Verdienst abhängig sind. Die meisten von ihnen sind wie Feuz Landwirte, morgens und abends im Stall, dazwischen an und auf der Piste. Gäbig sei das organisatorisch und auch sicherer als andere Standbeine, zumal auch der Holzmarkt zusammengebrochen sei.

Sicherheit verheisst die im Flachland vergleichsweise lange Saison mit zwischen 55 und 75 Betriebstagen. Zu tun gibt es immer. Wird beschneit, muss der Schnee am Nordhang verteilt und die Piste präpariert werden. Allein fünf Leute waren am Freitag am Werk, bei Vollbetrieb sind 24 anpackende Hände gefragt. Nachdem der Kinderlift seit Weihnachten läuft, laufe auch mehr im Dorf, sagt Feuz. «Das eine zieht das andere nach sich.»

Die Anforderungen angepasst

Die anderen Emmentaler Skilifte stehen nach wie vor still. Entsprechend fällt auch kaum Arbeit an, die entgolten werden könnte. «Davon muss niemand leben», sagt Ursula Neuenschwander. «Wir haben uns eingestellt auf dieses unsichere, wetterabhängige Geschäft», sagt die Kassierin des Vereins, der den Skilift Chuderhüsi in Röthenbach trägt. Sie zählt seit Jahren auf dasselbe Team: auf sieben weitere Leute, die wie sie alles stehen und liegen lassen, wenn die Witterung gnädig ist.

Vier weitere Freiwillige stünden auf Abruf bereit, auch sie werden im Stundenlohn bezahlt. Neuenschwander, die von klein auf am Skilift mitgeholfen hat, sieht darin keine Hypothek. «Nein, es ist doch schön, wenn es einen Zustupf gibt.» Die Fixkosten für den Skilift belaufen sich jährlich auf rund 8000 Franken. Diese Mittel werden von rund 200 Vereinsmitgliedern aufgebracht, unter ihnen viele Heimweh-Emmentaler. Die Landbesitzer werden pauschal entschädigt, ausserdem erhalten sie einen Teil der Gesamteinnahmen des Lifts. Läuft er nicht, nimmt der Verein nichts ein und schuldet diesen Teil nicht.

Drei gute Wochen

Die Strukturen sind ähnlich, die Organisation auch. Die jährlichen Kosten für den Skilift Netschbühl machen rund 15'000 Franken aus, rechnet Pistenchef Beat Fankhauser vor. «Aber nur dann, wenn keine grösseren Reparaturen anstehen.» Auch er ist Landwirt, handelt mit Vieh. Auch er schätzt im Winter diese Einkommensquelle.

«Es ist gäbig», findet er, schneebedingt sei in den vergangenen Jahren aber immer weniger reingekommen. «Wir sind mit Herzblut dabei, aber überleben können wir damit nicht.» Den Traum einer langen Saison mit viel Schnee träumt Fankhauser nicht. Drei konzentrierte Wochen, das wäre schon gut. «Ab Anfang März gehen die Skifahrer dann ohnehin ins Oberland.»

Berner Zeitung

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