«Samariterin sein heisst sensibilisiert sein»

Dürrenroth

Der Samariterverein wird 50, und es braucht ihn mehr denn je. Seine Existenz tut der Gemeinschaft Dürrenroth gut und senkt sogar die Gesundheitskosten.

Die Tasche und die Leuchtweste stets griffbereit: Debora Heiniger tut mit ihrem Engagement etwas für sich und für die Gemeinschaft.

Die Tasche und die Leuchtweste stets griffbereit: Debora Heiniger tut mit ihrem Engagement etwas für sich und für die Gemeinschaft.

(Bild: Thomas Peter)

Martin Burkhalter@M_R_Bu

Ernsthaft hat Debora Heiniger noch nie über einen Namenswechsel nachgedacht. Aber: «Vielleicht wäre es angebracht», sagt sie und hält inne. «Obwohl, den ‹Barmherzigen Samariter› kennt nun mal jeder.» Es sind solche Gedanken, die sie sich machen muss.

Schliesslich ist sie seit drei Jahren die Präsidentin des Samaritervereins Dürrenroth, der in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiert. Sie muss sich überlegen, wie zeitgemäss ein solcher Verein ist und wie er noch weitere mindestens fünfzig Jahre existieren kann.

Bei jedem Bobo in den Notfall

Debora Heiniger, Jahrgang 1978, Mutter von drei Kindern und gelernte Gärtnerin, sitzt im Gasthof Bären im Dürrenrother Dorfzentrum und macht gleich klar: Samariter sind nicht etwas Gestriges, sondern sogar noch wichtiger als früher: «Die Sicherheitsvorschriften für Anlässe sind heute so umfassend, dass niemand sie ohne die Samariter erfüllen könnte», sagt sie.

Sie nennt als Beispiel das Schwingfest in ­Affoltern vom letzten Jahr. Da waren vielleicht ein Arzt und drei Rettungssanitäter anwesend und gut ein Dutzend Samariter aus Dürrenroth. «Schon aus finanziellen Gründen sind wir unentbehrlich.»

Solche Anlässe sind das eine. Das alltägliche Leben ist das andere. «Samariter sind ein wichtiges Glied in der Versorgungskette», sagt Debora Heiniger. «Unabdingbar in Sachen Erste Hilfe.» Gerade in Orten wie Dürrenroth, wo es 20 Minuten und länger dauern könne, bis Hilfe eintreffe.

Nicht nur deshalb findet die Präsidentin es essenziell, dass es in einer Gemeinde genug Leute gibt, die wissen, was zu tun ist, wenn es zu einem Notfall gekommen ist. Am liebsten hätte sie etwa einen Samariter pro Quartier, wie sie sagt.

Das würde nicht nur Leben retten, sondern auch die Notfallstationen entlasten und letztlich die Gesundheitskosten senken. Heutzutage, da ja jeder mit einem kleinen Bobo gleich in den Notfall renne. Dass Samariter einer Gemeinschaft grundsätzlich guttun, davon ist Debora Heiniger überzeugt. «Es geht oft auch nur darum, einfach anwesend zu sein und ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln», sagt sie.

«Gegen die Hilflosigkeit»

«Samariterin zu sein, heisst, sensibilisiert zu sein.» Es gehe um Zivilcourage. Einen Notfall auch als solchen erkennen zu können und zu wissen, was zu tun sei. «Mir war es wichtig, etwas gegen diese Hilflosigkeit zu unternehmen, auch im Privaten», begründet sie ihr Engagement.

Grundsätzlich findet Debora Heiniger, dass sich der Bezug der Menschen zu Samaritervereinen in letzter Zeit zum Positiven gewandelt hat. Heute erfahre sie wieder vermehrt Wertschätzung für ihrer Tätigkeit.

Das habe vielleicht mit einem Umdenken zu tun. Auch sie persönlich wolle mit ihrem Engagement dem heutigen Egoismus in der Gesellschaft entgegenwirken. Etwas für die Gemeinschaft und gleichzeitig etwas für sich selber tun, wie sie sagt. Vielleicht gehe es anderen Menschen ja auch so.

Dass sich zwischen Wollen und Tun oftmals ein Graben befindet, zeigt aber der bescheidene Zulauf an Mitgliedern. «Mindestens ein Neumitglied pro Jahr ist mein Ziel», sagt Heiniger, nicht ohne zu lachen. Derzeit zählt der Samariterverein Dürrenroth 19 Mitglieder. Zwei Drittel sind über fünfzig Jahre alt.

Gerade die Altersfrage treibt die Präsidentin denn auch um. Samaritervereine müssen heute mit der Zeit gehen und sich somit professionalisieren. Moderne Hilfsmittel, neue Abläufe: Plötzlich folgt alles einem Schema, einem Protokoll. Das mache den älteren Menschen Angst, obwohl sie eigentlich schon lange wüssten, wie der Hase laufe.

Auch die Aufgaben sind vielfältiger geworden. Zu den monat­lichen Übungen, den traditionellen Blutspendenaktionen, den Einsätzen an Veranstaltungen etwa sind mit den Jahren regelmässige Vorträge zu meist medizinischen Themen dazugekommen. Neu ist eine Sanitätsgruppe des Samaritervereins in der Feuerwehr integriert. In diesem Jahr ist zudem die Help-Gruppe gestartet. Sie richtet sich an Schüler von der ersten bis zur neunten Klasse, die sich als Jungsamariter engagieren wollen.

«Es geht oft nur darum, einfach anwesend zu sein und Sicherheit zu vermitteln.»Debora Heiniger, Präsidentin Samariterverein Dürrenroth

Im Sinne des Roten Kreuzes

Wie jeder andere in diesem Land hat auch der Samariterverein Dürrenroth es nicht leicht, Nachwuchs zu finden. Aber deshalb den Namen zu ändern, fände Debora Heiniger verfehlt. «Schliesslich ist ja auch ganz viel christ­liches Gedankengut in den Ideen des Roten Kreuzes», sagt sie. Und der Zweck des Samaritervereins sei nun mal die Erfüllung humanitärer Aufgaben im Sinne des Rotkreuzgedankens.

Langenthaler Tagblatt

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